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Dynamic Facilitation - eine Anleitung
Dynamic Facilitation: Konflikte kreativ lösen

Gemeinsam kreative und unerwartete Lösungen für Konflikte finden

Wenn es in deinem Team oder Projekt ein komplexes Problem gibt, bei dem die Emotionen hochkochen und die Zusammenarbeit zu erliegen kommt – dann könnte Dynamic Facilitation genau das richtige sein … Dynamic Facilitation ist eine Methode der kreativen Problemlösung für Gruppen, die von dem Amerikaner Jim Rough entwickelt wurde. Sie eignet sich vor allem dann, wenn:Probleme bisher unlösbar schienenEs Konflikte gibt oder ein Thema emotional aufgeladen istEin Projekt bisher unsichtbare Aspekte enthältSich die Fronten verhärtet haben und es scheinbar vor allem gegensätzliche Sichtweisen gibtIn diesem Fällen will Dynamic Facilitation für besonders kreative, unerwartete und von allen getragene Lösungen hervorbringen. Dabei will Dynamic Facilitation keinen Prozess vorgeben. Das heißt eine Gruppe folgt nicht einer/m Moderator*in, der oder die sagt, was sie wann wie zu tun haben. Vielmehr geht es darum, die Äußerungen, die frei und unreglementiert kommen können, zu strukturieren und zu sortieren.Dazu ist dann auch der oder die Moderator*in wichtig: Sie oder er hakt nach, wenn etwas klarer zu formulieren oder einzusortieren ist. Er oder sie deeskaliert ggf., in dem sie oder er sich zwischen Kontrahent*innen stellt und/ oder umformuliert. Dabei ist aber wichtig, dass er oder sie natürlich weder bewertet noch versucht, den Austausch in eine bestimmte Richtung zu bewegen. Er oder sie ist einzig und allein dazu da, das Gesagte einzusortieren und auf einem der vier Flipcharts (siehe unten) zu dokumentieren.Phase 1: Dampf ablassenNormalerweise beginnt das Dynamic Facilitation mit einer Phase, in der alle Dampf ablassen können. Jede*r kann sagen, was er oder sie auf dem Herzen hat. Das kann, muss aber nicht zum vorigen Beitrag passen. Jede Aussage notiert der oder die Moderator*in auf einem der vier Flipcharts mit den folgenden Überschriften:Herausforderungen/FragenLösungen/IdeenBedenken/EinwändeInformationen/SichtweisenDiese Phase leitet der oder die Moderator*in mit einer Frage ein, die auf das sachliche Problem der Gruppe zielt. Also wenn das Team zum Beispiel gemeinsam einen Online-Shop bauen möchte, dann könnte die Frage etwa lauten: Wie können wir einen Shop gestalten, sodass die Kunden ihre Produkte möglichst gut finden – die Redaktion aber auch ihre Anforderungen erfüllt bekommt?“. (Nur falls das eben der Konfliktpunkt sein sollte).Aufgabe der ModerationWichtig ist, dass der oder die Moderator*in bei jedem Einwand fragt: „Was genau ist deine Befürchtung?“. Damit stellt sie oder er sicher, dass der emotionale Anteil der Äußerung aufgenommen und anerkannt wird. Aber dass er sich nicht mit den sachlichen Aussagen mischt. Wichtig ist, dass man Bedenken nicht wie ein Urteil über den Vorschlag eines anderen formuliert. Denn dann kann sich die Diskussion schnell aufschaukelnden.Falls es dazu doch kommt, kann sich die oder der Moderator*in zwischen die beiden Diskussionspartner stellen und sie abwechselnd nach ihren Bedenken und Lösungsvorschlägen fragen. Diese sortiert er oder sie dann in die passenden Listen auf die Flipcharts ein. Dadurch kann man die Aufmerksamkeit vom Dissens weg lenken hin zur Visualisierung.Phase 2: Die LeereKurz bevor die Gruppe zum Durchbruch kommt, gibt es eine Phase der Leere. Alle haben gesagt, was sie zu sagen hatten. Vielleicht sogar mehrfach. Niemand will oder kann noch etwas Neues beitragen. Stille kehrt ein. Wichtig ist, dass der oder die Moderator*in nun nicht versucht einzugreifen und die Gruppe zu lenken. Vielmehr muss sie oder er die Stille genauso aushalten wie alle anderen – und darauf warten und vertrauen, dass das Team selbst zu einer Lösung finden wird.Die Lösung liegt auch in der Regel bereits vor den Augen aller: Nämlich auf den Flipcharts. Denn meist gibt es in Phase eins eine solche Klärung, dass nun alle bereit sind, sich auf die Lösung zu fokussieren. Denn nun sind sie gehört worden. Ihre Sichtweisen und Bedenken wurden notiert und sind damit sicher Teil der Lösung. Dadurch können Menschen normalerweise loslassen und aufhören zu kämpfen. Das wiederum öffnet sie dafür, sich auch auf die Sichtweisen, Bedürfnisse und Emotionen der anderen einzulassen und kreativ über eine gemeinsame Lösung nachzudenken.Deshalb dauert es in der Regel auch nicht lange, bis die ersten Leute Lösungsvorschläge formulieren. Um zu gemeinsamen Entscheidungen zu kommen, können dann auch folgende Prozesse wie etwa das Systemische Konsensieren oder die Konsentbildung sinnvoll sein.

Katharina Walckhoff: Botschaft für faironomics

Katharina Walkhoff, 17plus.org

Bullet Journaling: Mehr erledigen, weniger tun!

Sich auf die wirklich wichtigen Dinge fokussieren

Empowered Fundraising: Öko-soziale Projekte finanzieren
Empowered Fundraising: Es ist genug für alle da!

Wie du öko-soziale Projekte finanzierst und dabei ein positives Verhältnis zu Geld bekommst

Empowered FundraisingEmpowered Fundraising ist nicht nur eine Methode, um öko-soziale Projektes auf Basis von Schenk-Ökonomie zu finanzieren. Es soll auch dein Verhältnis zu Geld positiv verändern.Für viele Initiator*innen von Projekten des öko-sozialen Wandels scheint Geld ein schwieriges, ja vielleicht sogar bedrohliches, ärgerliches, irgendwie negatives Thema zu sein. Auch John Croft – dem Initiator der ganzheitlichen Projekt-Management-Methoden „Dragon Dreaming“ (MEHR ERFAHREN …) – ging es nicht anders, bevor er „Empowered Fundraising“ entdeckte. Im Jahr 1997 hatte er zusammen mit zwölf anderen Menschen die Idee, in Erinnerung an die Kinder von Novosybkov eine Tour durch Australien zu machen – und zwar aus folgendem Grund:Nach dem Unglück von Tschernobyl war die radioaktive Wolke erst in Richtung Schweden gezogen, dann in Richtung Schwarzes Meer (Türkei) und schließlich hielt sie direkt auf Moskau zu. Rund 8 Millionen Einwohner*innen waren somit in Gefahr. Deshalb beschloss die sowjetische Führung, dass sie die Wolke lieber mit Hilfe von Flugzeugen „impfen“ und so auf eine Stadt Novosybkov mit „nur“ 50.000 Einwohnern abregnen lassen wollten. Damit die Bevölkerung nicht in Panik geriet, sollten alle Parteifunktionäre ihre Kinder draußen im Regen spielen lassen. Alle Kinder starben innerhalb weniger Wochen …Gut zehn Jahre später sollten also Eltern von verstorbenen Kindern zu den Uranminen Australiens reisen, an Veranstaltungen teilnehmen und die Australier*innen vor den Gefahren von Atomkraftwerken warnen. 100.000 Dollar brauchte die Gruppe um John Croft herum für ihr Vorhaben. Zehn Wochen hatten sie Zeit, um diese Summe zusammen zu bekommen. Doch nach vier Wochen waren sie bei gerade mal 400 Dollar angelangt. Allen war klar: Wenn sie so weitermachten würden sie es nicht schaffen.Glücklicherweise hatte Johns Frau Vivienne die rettende Idee: Sie bat die professionelle Fundraiserin Kathy Burke um Hilfe und lud zu ihrem Geburtstag einfach alle zwölf Mitstreiter*innen zu einem Workshop bei ihr ein. Nachdem sie hier gelernt hatten, wie Empowered Fundraising funktioniert, bekamen sie sogar mehr als die notwendige Summe zusammen – und konnten sich so auch noch ein Kamera-Team leisten, das einen Film von der Tour drehte. Ist das nicht eine wunderbare Erfolgsgeschichte?Die Mythen des GeldesBevor wir nun dazu kommen, wie Empowered Fundraising praktisch funktioniert, möchte ich erst einmal auf den philosophischen Hintergrund eingehen. Dieser ist aus meiner Sicht nämlich besonders wichtig. Genauso wie bei der Anwendung der Dragon-Dreaming-Methoden braucht es dazu nämlich eine Win-Win-Haltung. Was das bedeutet? Nun, dass du – bevor du Empowered Fundraising machen kannst – erst einmal über deine Gedanken- und Emotionsmuster in Bezug auf Geld nachdenken und diese so verändern solltest, dass es keine Verliere*innen gibt.Als gedankliche Grundlage helfen uns dabei die Erkenntnisse der amerikanischen Fundraiserin Lynn Twist (ich kann dir hier die Lektüre des Buches „Die Seele des Geldes“ empfehlen). Sie hat im Laufe ihres Lebens Milliarden von Dollar zur Bekämpfung des Hungers in unserer Welt gesammelt. Auf diese Weise hatte sie es in ihrem Leben mit unglaublich reichen, unglaublich armen und allen möglichen Menschen dazwischen zu tun. Überall stieß sie auf die gleichen drei negativen Glaubenssätze oder auch Mythen in Bezug auf Geld:Es ist nicht genug für alle daMehr ist besserEs gibt keine AlternativenWin-Win-Kultur in Bezug auf GeldEs sind (unter anderem) diese drei Mythen, die in uns ein unfreies, unausgewogenes, zum Teil sogar schmerzhaftes, beängstigendes, in jedem Fall aber negatives Verhältnis zum Geld hervorrufen. Denn wenn wir (unbewusst) davon ausgehen, dass es nicht genug (Geld) für alle gibt – dann ist es zwar bedauerlich, dass wir im Kampf um unser eigenes (soziales) Überleben andere zu Verlierer*innen machen müssen. Aber es lässt sich nun mal nicht ändern, weil wir sonst selbst verlieren. Deshalb ist mehr immer besser (sicherer). Und die unbewusste Vorstellung, dass es zu all dem keine Alternativen gibt, das eine andere Welt oder ein anderer Umgang mit Geld nicht möglich ist, sorgt schließlich dafür, dass dieses Win-Loose-System stabil bleibt.Um eine Win-Win-Kultur des Geldes zu erreichen, müssen wir also eine andere Haltung verinnerlichen. Zunächst einmal geht es darum zu erkennen, dass wir diese Mythen unbewusst ausleben. Als zweiten Schritt müssen wir erkennen zu welchen Schlussfolgerungen, Entscheidungen und Handlungen uns das bringt. Und schließlich fragt sich, wie wir uns anders verhalten könnten. Und zwar so, dass wir der Vorstellung/Überzeugung folgen:Es ist genug für alle daMehr ist nicht besserEs gibt jede Menge AlternativenDie ersten beiden Vorstellungen („es ist genug für alle da“ und „mehr ist nicht besser“) befreien uns von der Notwendigkeit des Kampfes. Denn wenn genug für alle da ist, dann brauche ich jemand anderem nichts mehr wegzunehmen. Ich brauche nicht gegen andere zu konkurrieren. Ich brauche keine Angst und keine Sorgen mehr zu haben. Ich kann mit anderen vertrauensvoll kooperieren. Und ich kann erzielte Überschüsse leichten Herzens weitergeben an Menschen oder Projekte, die das Geld gerade gebrauchen können. Mit anderen Worten: Ich weiß, dass mehr nicht immer besser ist. Ich weiß, dass ich nur so viel Geld zusammentragen muss, wie ich gerade jetzt brauche.Die dritte Vorstellung („es gibt jede Menge Alternativen“) ist wiederum ein Anlass für Kreativität. Kommt auf die eine Weise das Geld für mein Projekt nicht zustande, gelingt es vielleicht auf eine der vielfältigen anderen Arten. Diese Idee brachte John Croft dazu zu sagen:„Kein Projekt scheitert am Geld – es scheitert höchstens an einem Mangel an Motivation und Kreativität.“Die Herausforderung in der PraxisNatürlich sind diese drei Gegenentwürfe Ideale. Und natürlich ist es gar nicht so einfach, diese zu verinnerlichen – also nicht nur im Kopf zu denken, sondern auch emotional und intuitiv zu leben. Von Kindheit an sind wir nämlich an die drei negativen Geldmythen gewöhnt. Wir sind mit ihnen aufgewachsen. Sie sind tief in unserem Unbewussten verankert. Deshalb haben wir bei gemeinnützigen, künstlerischen und/oder öko-sozialen Projekten oft das Gefühl, Bittsteller*in zu sein: Wer das Geld hat, gehört irgendwie automatisch zu den „Gewinner*innen“. Und wer Geld braucht und darum bittet, ist irgendwie ein*e „Verlierer*in“ – und muss sich folglich schlecht fühlen.Beim Empowered Fundraising geht es darum, diese Vorstellung loszulassen. Eine wichtige Erkenntnis dafür ist, dass es nicht das Geld das ist, das unserem Leben Sinn gibt. Zufriedenheit, Lebenssinn und damit auch Lebensglück ergeben sich dann, wenn wir etwas tun, was für andere (Lebewesen) wichtig ist. Wen es für andere einen positiven Unterschied macht, ob wir aktiv und tätig sind oder nicht: Jemanden pflegen. Ein tolles Konzert geben. Ein Buch schreiben, das Augen öffnet. Jemanden lecker bekochen. Und noch vieles mehr. Geld ist dabei meist eine Ressource unter vielen. Aber es ist eben immer Mittel zum Zweck – und nicht der Sinn selbst.Deshalb „bettelt“ beim Empowered Fundraising auch niemand um Geld. Stattdessen geben dabei Menschen mit einer guten Idee anderen Menschen mit Geld (aber möglicherweise keiner Zeit) die Gelegenheit, Teil ihres tollen, sinnstiftenden Projektes zu werden. Geld ist dabei eine von vielem Möglichkeiten, wie Menschen aktiv zum Gelingen beitragen können. Und dass sie dazu beitragen können, macht sie wichtig. Es erfüllt ihr Leben mit Sinn und schenkt ihnen Bedeutung. Deshalb handelt es sich dabei um ein gegenseitiges Geben. Ja, es sollte in gewisser Weise eine Form von Schenk-Ökonomie sein: Jede*r gibt, was er oder sie bereits ist zu schenken – Geld und/oder Sinn.Diese innere Haltung ist nicht ganz leicht zu entwickeln. Sie erfordert innere Arbeit. Du musst dich zum Beispiel selbst ehrlich hinterfragen und mit anderen Menschen darüber austauschen. Das ist nicht immer leicht. Nicht ohne Grund ist Geld in unserer Gesellschaft ein großes Tabu. Doch wenn du dich auf den Weg machst, wirst du merken, dass das auch ein heilsamer Prozess ist. Ein Prozess, der dir Gelassenheit, Vertrauen und innere Freiheit schenkt. Du kannst auf diese Weise die Prioritäten in deinem Leben neu überdenken: Wie wichtig ist dir Geld und materieller Wohlstand tatsächlich? Was möchtest du damit eigentlich für Bedürfnisse stillen? Ließen sich diese nicht auf andere Weise (besser) befriedigen? Und was würde deinem Leben echten Sinn verleihen?Die Praxis des Empowered FundraisingFür die Methode des Empowered Fundraising machst du folgende Schritte:Schritt 1Wähle zehn Menschen aus deinem Umfeld aus, die du in den nächsten drei Wochen persönlich treffen und einlädst, sich mit Geld an deinem Projekt zu beteiligen. Beginne mit Menschen, die du bereits kennst (Freunde, Nachbarn, Familie, Arbeitskolleg*innen etc.). Wenn du sicher bist im Umgang mit Empowered Fundraising kannst du dies aber auch mit Menschen machen, die du (noch) nicht kennst. Lass dich dabei nicht von dem Gedanken bremsen „den/die kann ich unmöglich fragen!“. Notiere dir alle Namen in einer Liste.Schritt 2Lege für jeden einzelnen Mensch einen sogenannten Balance-Punkt fest. Dabei handelt es sich um einen bestimmten Geldbetrag. Dieser Betrag sollte für diesen Menschen weder so klein sein, dass er oder sie es als „Kleingeld“ empfindet und allzu leichtfertig gibt. Noch sollte er so groß sein, dass es für diesen Menschen ein richtiges Opfer wäre. Es hilft, wenn du dir dazu überlegst, wie viel Geld ins Leben dieser Person monatlich ungefähr hinein- und hinausfließt. Frage dich, wie viel von diesem Betrag dieser Mensch möglicherweise zu deinem Projekt beitragen würde. Schreibe dir die Beträge zu den Namen auf deiner Liste und errechne den Gesamtbetrag.Schritt 3Vereinbare mit diesen Menschen ein persönliches Treffen. Berichte ihnen authentisch von deinem Projekt bzw. deinem Anliegen. Sage dann, dass dir bewusst ist, dass du das Projekt niemals alleine umsetzen kannst und dass du dich daher freuen würdest, wenn dein Gegenüber einen Beitrag dazu leisten könnte – und zwar in Form von XX Euro (die Summe deines zuvor überlegten Balance-Punktes). Schweige dann und warte die Antwort deines Gegenübers ab.Schritt 4Egal wie dieser Mensch antwortet – also ob er oder sie eine große, eine kleine Summe oder überhaupt kein Geld geben möchte: Jede Antwort sollte dir willkommen sein. Dies ist deine Gelegenheit, um dich in der Vorstellung der drei Mythen zu üben: „Es ist genug für alle da“. „Mehr ist nicht besser“. Und: „Es gibt viele Alternativen“. Es ist in diesem Fall nicht wichtig, dass dein Gegenüber eine Summe X gibt – sondern dass eure Beziehung gedeiht. Deshalb ist ein „ja“ genauso gut wie ein „nein“. In vielen Fällen ist es aber auch so, dass Menschen bereit sind mehr Geld zu geben, als du dir als Balance-Punkt überlegt hast.Schritt 5Zum Abschluss des Gespräches ist es wichtig, dass du eine Verbindung in die Zukunft baust. Deshalb ist deine nächste Frage: „Möchtest du, dass ich dich über die Fortschritte meines Projektes auf dem Laufenden halte?“ Das vertieft eure Beziehung. Natürlich musst du dieses Versprechen dann auch halten. Und als letzten Schritt deines Empowered-Fundraising-Gesprächs fragst du: „Kennst du jemanden, die oder der an diesem Projekt Interesse haben könnte? Würdest du mich ihr oder ihm vorstellen?“ Diese Fragen öffnen den Raum für Neues und den Aufbau eines großen Netzwerkes.

Botschaft von Frauke Godat, Art of Hosting

Frauke Godat, Art of Hosting

Liberating Structures: 33 Mikrostrukturen für bessere Zusammenarbeit
Elena Tzara: Die Veränderung beginnt in uns

Elena Tzara

Premium-Kollektiv: Wirtschaft anders machen

Elena Tzara ist ein kreativer Mensch, der Lust auf Abwechslung hat und ihr Leben in Kollektiven und Gemeinschaften organisiert: Sie lebt in einem Wohnprojekt in Hamburg-St.-Pauli, hat die Organisation Foodsharing mitgegründet und arbeitet für das Premium-Kollektiv. Sie weiß also, wie man kooperativ etwas auf die Beine stellt. Dazu haben wir sie befragt …Wie bist du zum Leben und Arbeiten in Gemeinschaft gekommen?Ich habe damals in Berlin die Plattform Foodsharing.de – die da noch Lebensmittelretten.de hieß – mitgegründet. Foodsharing ist eine Community, die Lebensmittel rettet. Sie verhindert also, dass diese weggeworfen werden und verteilt sie. Ich habe im ersten Jahr im Geldstreik gelebt. Auch um deutlich zu machen, wie verrückt das ist, in was für einem Überfluss wir hier in Deutschland leben. Dass mensch in dieser Gesellschaft nur von dem Ausschuss leben kann. Und gleichzeitig auch, dass es ein extrem starkes Gefälle gibt zwischen den Menschen, die so etwas aus freien Stücken wählen und denen, die sich gezwungen und dadurch degradiert fühlen, karitative Angebote annehmen zu müssen. Eine Überwindung dieser Klassenverhältnisse und Begegnungen auf Augenhöhe hat unsere Gesellschaft dringend nötig.So habe ich mich in Richtung Non-Profit-Organisationen und alternative Unternehmensformen orientiert. 2014 habe ich dann das Premium-Kollektiv kennengelernt und dort, parallel zu meinem Engagement bei Foodsharing, angefangen. Wir stellen Cola, Limonade, Mate und Bier her. Das Besondere am Premium-Kollektiv ist, dass alle Mitarbeiter*innen, Partner*innen und Kund*innen alles gemeinsam entscheiden. Das finde ich sehr spannend, weil es für mich eine Lücke schließt. Ich habe immer schon gemerkt, dass es mir mehr Freude macht wenn ich an etwas arbeiten kann, dass in irgendwas Großem endet. Und die aktuelle kapitalistische und am Wachstum orientierte Wirtschaft ist für mich ganz klar eines der größten Probleme, die wir zurzeit haben und die dringende Wandelprozesse erschwert.Lange stand ich vor der Frage: Wie ändern wir die Wirtschaft? Das ist einfach superschwierig und sehr abstrakt für einen kleinen Menschen. Und dann habe ich das Premium-Kollektiv kennengelernt und hatte sofort das Gefühl, dass ich hier an einem Modellprojekt mitarbeiten kann, das beweist, dass heute schon alles anders gemacht werden kann. Würden das viele Unternehmen machen, es Teil gesellschaftlicher Normalität werden und es dann schlussendlich auch entsprechende Gesetze geben, dann hätten wir eine komplett andere Welt.Was läuft im Premium-Kollektiv anders?Formal gesehen ist das Premium-Kollektiv ein Getränkehersteller. Aber in Wirklichkeit sagen viele von uns, dass das Premium-Kollektiv eigentlich eher der Beweis, dass Wirtschaft auch anders gemacht werden kann – und dass das der eigentliche Mehrwert des Unternehmens ist. Deshalb werden wir auch sehr viel angefragt für Workshops, Vorträge und Beratungsleistungen. So können wir weitergeben, was wir in den über 17 Jahren Premium-Kollektiv gelernt haben.Gegründet hat es Uwe Lübbermann mehr oder weniger aus Versehen. Er hatte eine Protestgruppe initiiert, die sich gegen eine Rezeptänderung eingesetzt hat – jedoch wurden diese langjährigen, treuen Kund*innen vom Unternehmen in ihrem Protest nicht ernst genommen. Sie haben dann einen Tipp bekommen, wie sie das Getränk selbst abfüllen lassen können. Daraufhin gab es eine Umfrage, bei der alle angeben konnten, wie viele Flaschen sie wollten – und auf einmal hatten sie ein Produkt. Dann waren die Flaschen leer, es sollten neue produziert werden und auf einmal war da ein Unternehmen, das Entscheidungen forderte: Wie teuer ist denn die Flasche? Wie sieht sie aus? Und wie werden die Leute bezahlt, die dafür arbeiten? Und so weiter.Nun gab es von Anfang an den Ansatz, es ganz anders zu machen als der zuvor bekämpfte Getränkehersteller. Und das Ganze als Projekt auf die Spitze zu treiben. So entstand die Idee, dass alle Entscheidungen im Konsent getroffen werden sollten. Und zwar nicht nur unternehmensintern, sondern mit allen Beteiligten. Also mit allen, die irgendwie von dem Produkt betroffen sind: Die Endkund*innen, die Abfüller*innen, die Spediteur*innen. Und das konsentdemokratisch über alle Belange des Unternehmens. Viele Leute denken »Wie soll das denn gehen? Das fährt doch direkt gegen die Wand!« Aber es hat sich gezeigt: Das ist möglich! Und nach 17 Jahren, in denen sich das Premium-Kollektiv in einem so konkurrenzstarken Markt wie der Getränkebranche behauptet hat, kann sicherlich gesagt werden: der Beweis steht, dass das funktionieren kann.Das Premium-Kollektiv ist seitdem langsam, aber stetig gewachsen. Das ist deshalb interessant, weil das Unternehmen von sich eigentlich von einer Wachstumslogik entkoppelt ist. Alle, die bei Premium arbeiten, arbeiten dort für einen Einheitslohn und es gibt keine klassischen Besitzer*innen. Natürlich müssen wir formale Strukturen einhalten, aber Entscheidungsmacht oder Gewinnabschöpfung einzelner Personen sind bei uns ausgehebelt.Wenn das Premium-Kollektiv wächst, ist das natürlich trotzdem schön, weil sich die Vision verbreitet und mehr Menschen für das Premium-Kollektiv arbeiten können. Als ich 2014 dazu kam, waren wir fünf Leute. Jetzt sind wir elf, die zentral in einer Art Orga-Rat die Aufgabe haben, Premium als Projekt auf Kurs zu halten. Drum herum gibt es etwa 30 Sprecher*innen, die lokale Kontakte sind. Und dann gibt es 1.700 gewerbliche Partner*innen, die mal mehr und mal weniger eng mit uns zusammenarbeiten. Sie alle sind eingeladen, gemeinsam mit uns zu entscheiden. Auch die mehreren zehntausend Endkund*innen.Eine Mischung aus diesen Interessensgruppen findet sich im sogenannten Board wieder. Das ist unser Online-Forum. Die Mitglieder bezeichnen wir als Kollektivist*innen. Aktuell gibt es etwa 250, die von ihrem Recht Gebrauch machen, mitzureden.Was ist deine Aufgabe bei Premium?Wir haben keine festen Positionen, sondern verschiedene Aufgabengebiete. Und die können auch sehr fluide sein. Also wenn jemand von uns zum Beispiel sagt, dass die Person gerne Buchhaltung lernen würde, dann wird sie eingearbeitet um einige Aufgaben von der bisherigen Buchhalterin zu übernehmen. Ich mache sehr gerne neue Sachen. Wenn die zu Alltagsaufgaben werden, dann gebe ich die gerne wieder ab. Deshalb habe ich sehr viel gewechselt.Ich habe zum Beispiel ein lokales Einladungssystem etabliert, mit dem Kollektivist*innen und andere Interessierte zu lokalen und kostenfreien Veranstaltungen eingeladen werden. Oder ich habe das Board für die Kommunikation innerhalb des Kollektivs eingerichtet, zudem wir von der damaligen Mailling-Liste gewechselt sind. Außerdem habe ich die wissenschaftlichen Arbeiten, die es über das Premium-Kollektiv gibt, strukturiert. Das sind bisher über 100 wissenschaftliche Arbeiten insgesamt.Das heißt, du suchst dir etwas, was du gerne machen möchtest – und dann entscheidet ihr im Konsent, ob das klargeht?Das klingt jetzt sehr einfach. Ein bisschen schwieriger ist es natürlich schon. Denn natürlich stellen wir uns die Frage: Brauchen wir das wirklich? Da muss mensch schon etwas beharrlich sein und überzeugen. Aber ja, im Endeffekt kann jede*r neue Ideen vorschlagen und wenn niemand etwas dagegen hat, diese dann umsetzen.Insgesamt können wir beim Premium-Kollektiv sehr, sehr flexibel arbeiten. Nicht nur, was die Aufgabenbereiche angeht, sondern auch weil wir örtlich und zeitlich ungebunden sind. Wir stellen uns frei, was wir arbeiten wollen, wann wir arbeiten wollen und wie viel wir arbeiten wollen. Das Premium-Kollektiv hat das Kredo „Die Arbeit richtet sich nach dem Menschen“. Also schauen wir immer, dass es für die Menschen auch tatsächlich passt. Einige haben regelmäßige Aufgaben mit einem regelmäßigen Einkommen. Andere arbeiten flexibler.Mir war zum Beispiel wichtiger, dass ich im Sommer weniger und im Winter mehr arbeiten kann. Und ich brauche nicht so viel Geld zum Leben. Aber wir alle arbeiten mit einem Einheitslohn, rechnen stundenweise und auf Vertrauensbasis ab. Also wir alle rechnen unsere Stunden selbst zusammen. Keiner kontrolliert das. Denn es würde früher oder später auffallen, wenn jemand das System ausnutzt. Also macht es wenig Sinn alle zu kontrollieren, nur weil es vielleicht mal eine Person geben könnte, die mit so viel Vertrauen nicht umgehen kann.Das klingt sehr utopisch. Wie entsteht denn so eine Gemeinschaft voller Vertrauen?Das braucht meiner Meinung nach vor allem zwei Sachen: Das eine ist eine gemeinsame Vision. Also ein Ziel, auf das mensch sich einigen kann. Das muss nicht identisch sein. Beim Premium-Kollektiv gibt es immer wieder unterschiedliche Blickwinkel. Manche Leute wollen in einem Unternehmen arbeiten, das korrekt ist und Menschen gleichwertig behandelt. Andere wollen ein cooles Getränk machen. Und die nächsten wollen die Weltwirtschaft verändern. Das geht auch, wenn diese Visionen kompatibel sind. Erst wenn sich etwas gegenseitig widerspricht, wird es schwierig.Das zweite ist, dass Menschen auf jeden Fall an sich selbst und an ihrer Teamfähigkeit arbeiten müssen. Das ist heute leider etwas, was wir selten wirklich lernen. Auch an Schulen. Kinder werden hier oft auf Konkurrenz und sich Durchsetzen getrimmt – und nicht darauf, dass sie Dinge gemeinsam lösen können. Doch wir Menschen müssen erkennen, dass sich unsere Ziele nur umsetzen lassen, wenn wir andere Menschen mitnehmen.Das ist beim Premium-Kollektiv auch der Witz am Konsent: der ist nur zu erreichen, wenn bei Vorschlägen der Bedarf aller am Projekt beteiligten Menschen mitbedacht wird. Ansonsten wirst du nur Dinge vorschlagen, die abgeblockt werden. Dann bist du frustriert und die anderen sind frustriert. Wenn es dir jedoch gelingt, alle einzubeziehen, dann kannst du gute Entscheidungen treffen und dann wirst du damit auch zufrieden sein. Dieser Prozess bewirkt, dass Entscheidungen viel nachhaltiger sind. Sie sind umsichtiger, als hätte jemand alleine entschieden. Und sie sind effizienter. Das hat eine Doktorarbeit herausgefunden. Wir brauchen zwar etwas länger in der Entscheidungsfindung, aber diese haben dann eine deutlich längere Haltbarkeit. Im Endeffekt bringen sie uns tatsächlich dorthin, wo wir hinmöchten.Schließlich ist es wichtig, dass bei Gruppenprozessen Moderationstechniken anwendet werden. Das ist super einfach und jeder kann sie verstehen. Trotzdem werden sie immer wieder außer Acht gelassen. Das sind so einfach Dinge, wie dass mensch sich gegenseitig wirklich ausreden lässt, dass mensch aufeinander hört, dass niemand versucht die Leute umzubiegen. So etwas zieht viel Energie von allen. Aber auch Selbstreflexion ist wichtig. Eher laute und dominante Personen müssen lernen, sich aktiv zurückzunehmen. Leisere Personen müssen wirklich den Mut aufbringen, sich zu äußern und sich einzubringen. Denn wer sich nicht einbringt, kann auch den Prozess nicht mit gestalten.Was ist deine Utopie von Wirtschaft?Die geht in die Richtung "Think global, act local". Das heißt, wir würden die globale Perspektive im Blick haben, aber im Lokalen handeln. Wirtschaft soll im Endeffekt ja Bedürfnisse befrieden. Sie ist ein großer Umschlagplatz, um zu zeigen, was es gibt und zu suchen, was gebraucht wird. Doch davon hat sich die Wirtschaft heute weit entfernt. Die derzeitige Macht- und Ressourcenakkumulation hat mit dieser Marktplatzidee überhaupt nichts mehr zu tun. Wenn wir jedoch die Entscheidungs-, Besitz- und Machtverhältnisse verändern, folgt fast automatisch ein System, bei dem Menschen das bekommen, was sie brauchen. Das zeigt das Premium-Kollektiv. Wahrscheinlich bekommt jede*r zwar weniger. Doch dieser jetzige Überfluss ist eine Vorstellung, von der sich Menschen lösen können.Gleichzeitig würden wir weder unsere Mitmenschen noch die Natur ausbeuten. Das ist wieder dieser Gemeinschaftsaspekt: Wir müssen uns als einen kleinen Teil von etwas Größerem verstehen. Uns müsste das Wohl der Anderen viel mehr am Herzen liegen. Dieses Gemeinschaftliche gäbe es in einer utopischen Wirtschaft.Wie kommen wir dahin?Die Gesellschaft hat sich immer verändert. Deshalb ist es auch gar nicht so utopisch dorthin zu kommen. Wie wir Gemeinschaft oder Arbeit definieren, wie wir leben oder was wir als wichtig erachten, hat sich immer schon entwickelt. Das ist alleine durch aktuelle Tendenzen wie Urbanisierung oder Digitalisierung spürbar.Natürlich gibt es auch viele Horrorszenarien der Zukunft. Aber das ist nicht die einzige Option. Wir müssen uns den Glauben erhalten, dass wir eine positive Zukunft gestalten können. Sonst würde es sich ja gar nicht lohnen, sich für irgendetwas einzusetzen oder überhaupt noch Kinder zu kriegen – und es würde deutlich schwerer sein, ein glückliches Leben zu führen. Aber genau diese Energie aus einem zufriedenen Leben brauchen wir für den Wandel!Damit wir noch rechtzeitig einer positiven Zukunft entgegensteuern können, reicht es jedoch nicht einfach nur ein bisschen grüner zu konsumieren oder ein paar politische Mechanismen gegen den Klimawandel einzusetzen. Dazu brauchen wir einen grundlegenden Wandel, wie Menschen sich und ihre Umwelt wahrnehmen. Wir Menschen müssen lernen anders zusammenarbeiten. Wir müssen aufhören zu einer Arbeit zu gehen, die uns viel Energie zieht, aber wenig gibt. Dafür brauchen wir dringend gute Alternativen die nicht nur sowieso privilegierten, sondern allen Menschen zugänglich sind.Wir hätten eine andere Welt, würden wir Menschen in sich gegenseitig stärkenden Gemeinschaften zusammen leben. Und auch in ähnlichen Kontexten arbeiten, die uns Energie geben. Wenn wir es uns vielleicht auch leisten könnten, weniger Zeit in Erwerbsarbeit zu stecken, dann hätten wir genug Zeit, um die Welt umzubauen.Auf der persönlichen Ebene sollten wir aber in der Zusammenarbeit mit Anderen die kleinen Mikrokosmen erschaffen, die jeder Mensch braucht. Und Menschen, die in Gemeinschaften auf Augenhöhe zusammenkommen, entwickeln ein gemeinsames Gefühl davon, was ethisch korrekt ist und was nicht. Das was uns nah ist, ist immer unser Referenzrahmen. Und Menschen deren Lebensrealitäten wir einsehen und nachvollziehen können, denen vertrauen wir. Dann ist auch die Gleichwertigkeit von Menschen kein rein abstraktes Konstrukt mehr. So können wir ein größeres Gefühl von Freiheit durch Geborgenheit erfahren, als sich viele Menschen das heute vorstellen können.Das Premium-KollektivDas Premium-Kollektiv umfasst theoretisch alle, die in irgendeiner Weise an der Herstellung der Getränke beteiligt sind: Hersteller*innen, Spediteur*innen, Händler*innen, Gastronom*innen und insbesondere auch Konsument*innen. Kurz: alle, die mal eine Flasche getrunken haben, können mitlesen und -reden. Theoretisch zumindest. Praktisch können nur die Menschen mitentscheiden, die mindestens einen vorhandenen Kollektivisten persönlich kennengelernt haben und für okay befunden wurden (immerhin öffnen das Premium-Kollektiv u.a. auch sein Bankkonto). Weitere Infos zum Premium-Kollektiv findest du auch unter: https://www.premium-cola.de/kollektiv

Art of Hosting: Die Kunst des Gastgebens und Erntens guter Gespräche
Art of Hosting

Sinnvolle und ergebnissreiche Gespräche in Gruppen führen

Wie können wir gemeinsam tiefe, gute Gespräche führen? Gespräche, die zu gegenseitigem Verständnis und kreativen Lösungen führen? Die Mitglieder der weltweiten Community „Art of Hosting“ üben genau das mit Hilfe kreativer Gruppenmethoden. Viele Menschen, mit denen wir über die Herausforderungen unserer Zeit sprechen, nennen als eine der größten Schwierigkeiten, dass wir in unserer Gesellschaft unsere Diskursfähigkeit mehr und mehr verlieren. Das bedeutet, dass es uns immer schwerer fällt, mit Menschen anderer Meinung in einen fruchtbaren und ergebnisreichen Dialog zu treten. Es wäre also ziemlich hilfreich, wenn wir das lernen und üben würden. Die Mitglieder der weltweiten Bewegung „Art of Hosting“ tun genau dies: Sie üben die Kunst des Gastgebens – und damit der Kunst, gute Gespräche (unter den Gästen) zu fördern. Was ist Art of Hosting? Auf diese Frage gibt es viele Antworten – zumindest, wenn man die Vertreter der Bewegung fragt. Die einen sprechen davon, dass es sich dabei um eine bestimmte Haltung oder Philosophie handelt. Nämlich die einer Gastgeberin oder eines Gastgebers, die oder der seinen Gästen die bestmögliche Umgebung schaffen möchte. Eine Umgebung, in der Vertrauen, Wohlfühlen und eben auch gute Gespräche möglich sind. Für andere ist es eine Art Betriebssystem, um in selbstorganisierten Netzwerken und Organisationen eine partizipative und lebendige Führung auszuprobieren. Die Methoden des Art of Hosting Für weitere Menschen ist Art of Hosting ein Set an Dialog- und Großgruppenmethoden. Allen voran kommen dabei die folgenden Moderationsmethoden zum Einsatz: World Café OpenSpace Appreciative Inquiry Außerdem finden die meisten Gespräche in Form von Kreisgesprächen statt. Das bedeutet: Alle sitzen in einem Kreis. Es gibt einen Redestein oder etwas ähnliches. Und wer diesen Gegenstand hat, redet. Alle anderen hören zu und sind still. Allerdings entwickelt die Community ihre eigenen Praktiken immer weiter. Weitere Methoden, die die Art-Of-Hosting-Mitglieder anwenden sind: Action learning Collective mind-mapping Collective Story Harvest Pro Action Café Graphic Facilitation Theorie U [weitere Infos] Der Prozess des Art of Hosting Außerdem beschreibt Art of Hosting auch eine bestimmte Prozessgestaltung (ähnlich wie auch beim Design Thinking). Dabei gibt es Phasen, in denen in die Breite gedacht wird (diverses Denken mit entsprechenden Methoden). Und es gibt Phasen, in denen destilliert, analysiert und ausgewählt wird (divergentes Denken). Ein wichtiges Prozess-Element des Art of Hosting ist zudem die sogenannte „Ernte“ (Harvesting). Das bedeutet, dass die Gespräche immer wieder ausgewertet und die wichtigsten Ergebnisse zusammengefasst und dokumentiert werden. Außerdem steht beim Harvesting immer auch die Frage im Raum: Wie kann unsere Ernte Anstoss für Gespräche in der Zukunft oder Anlass für weitere Treffen sein – auch mit Personen, die beim Treffen nicht anwesend sind? Art of Hosting in der Praxis Art of Hosting wird mittlerweile in vielen Bereichen angewandt. Zum Beispiel gibt es Gruppen, die Art of Hosting im Bildungsbereich, im Gesundheitswesen, im öffentlichen Dienst, in NGOs, in Gemeinschaften, in Unternehmen und auch im privaten Bereich (z.B. in der Familie) anwenden. Mein Fazit Wer sich in den o.g. Methoden schon auskennt, der weiß auch wie Art of Hosting geht. Für erfahrene Moderator*innen und Facilitator*innen gibt es hinsichtlich der Methoden selbst sicherlich nicht wahnsinnig viel neues zu lernen. Vielmehr ist die Community der Gewinn."Denn unter dem 'Eisberg der Methoden' verbergen sich Haltungen, Praktiken, Modelle, die viele Moderator*innen noch nicht kennen und die erst im Austausch mit anderen Praktikern sichtbar und bewusst werden", meint Art-of-Hosting-Mitglied Frauke Godat. Dazu arbeitet die Community mit dem Ansatz "Community of Practice" nach E. Wenger). "Wir generieren also gemeinsam Wissen aus der Alltagspraxis und da gibt es immer etwas zu lernen", so Frauke Godat. Was mir besonders gut gefällt ist, dass hier vor allem Leute aus den unterschiedlichsten Bereichen zusammenkommen. Oft sind das keine professionellen Moderator*innen oder Facilitator*innen. Sondern es sind Menschen, die diese Methoden und Prozesse für einen ganz bestimmten Zweck lernen und üben wollen. So kommt es zu einem sehr spannenden und weitreichenden Austausch.Art of Hosting lernenWenn du dich dafür interessierst, Art of Hosting zu üben, zu praktizieren und weiter zu entwickeln, dann such am besten nach einem Workshop in deiner Nähe. Außerdem gibt es Gruppen von Art-of-Hosting-Mitgliedern, die zusammenkommen, um verschiedene Methoden auszuprobieren. Hier eine Liste der deutschen Communitys.Die Website: http://www.artofhosting.org/de/

Nachhaltiger Aktivismus: Resilizenstrategien für den öko-sozialen Wandel
Martin Kirchner, Pioneers of Change

Martin Kirchner, Pioneers of Change

Design Thinking: Vom Problem zum Prototyp

Aus Träumen richtig gute Ideen machen

The Work: Lieben was ist von Byron Katie
Wir verlosen 5 mal ein Exemplar "Faironomics" an Menschen, die anderen eine Freude machen wollen.
Verlosung: Verschenke ein Buch

Kennst du einen Menschen, der eine super Idee hat für eine öko-soziales Projekt – oder der ein ganz tolles Projekte für den öko-fairen Wandel bereits am Laufen hat? Und würdest du diesem Menschen gerne eine Freude machen, ihm Inspiriation, Ermutigung und Anregungen schenken?Dann mach mit bei unserer Verlosung!Zum Start unseres neuen Buches "Faironomics" verlosen wir 5 x 1 Exemplar.Du kannst bis zum 10. Juni 2019 (24 Uhr) teilnehmen. Und so einfach geht das:Schritt 1: Wer soll das Buch bekommen?Schreibe unter diesem Beitrag als Kommentar, auf Facebook oder per Email, wem du warum das Buch schenken möchtest. Du kannst dabei Namen und Projekt nennen (inklusive Website oder Facebook-Seite) – oder das Ganze anonym machen (so nach dem Motto "Mein Nachbar organisiert ein Repair-Café" oder "Meine Schwester will sich mit einem Unverpackt-Laden selbständig machen")Schritt 2: Wie lautet die Widmung?Schreibe uns – wenn du möchtest – auch deinen Text für die Widmung! Das ist deine Gelegenheit, ihm oder ihr zu sagen, warum du es so toll findest, was er oder sie macht!Schritt 3: Gewinne mit etwas Glück!Schreibe uns bis zum 10 Juni 2019 um 24 Uhr! Denn am 11. Juni ziehen wir die fünf Gewinner*innen! Wir nehmen Kontakt zu dir auf. Wenn du eine Widmung möchtest, schreiben wir sie dir ins Buch und senden es dir zu.Wir wünschen dir viel Glück und drücken dir die Daumen!!!

Business Modell Canvas

Öko-faire Geschäftsmodelle entwickeln

Gerald Hüther: Warum unser Gehirn Veränderungen verhindert und wie wir das ändern können
Gerald Hüther: So geht Umdenken

Wieso fällt es uns so schwer, unser Leben zu verändern – obwohl es doch offensichtlich höchste Zeit wäre?Schöner und auch wissenschaftlich nachweisbar wäre es zu fragen: Menschen haben ein so formbares Gehirn, dass sie dort Vernetzungen aufbauen können, die sie in die Lage versetzen überall dort zu leben, wo andere Menschen auch schon mal gewesen sind. Das reicht vom Amazonasindianer bis zum New-York-City-Bürger. Es gibt kein anderes Lebewesen auf der Erde, das so veränderbar und unterschiedlich in der individuellen Ausprägung wie der Mensch. Denn wir Menschenkönnen im Laufe unseres Lebens Erfahrungen machen und sie auch noch im Gehirn verankern. Dadurch entsteht eine enorme Vielfalt menschlicher Daseinsweisen und neurobiologischer Vernetzungen im Hirn. Oder anders gesagt: Wir Menschen können alles werden.Aber warum halten wir dann so fest an dem, was wir vorfinden? Das hat einen anderen Grund. Nämlich den, dass unser Gehirn dem zweiten Hauptsatz der Thermodynamik folgt und deshalb seinen Energieaufwand so gering wie möglich hält. Alles, was im Gehirn passiert, ist daraufhin optimiert. Nun ist der Energieverbrauch sogar im Ruhezustand mit rund 20 Prozent der vom Körper bereit gestellten Energiereserven immens.Sobald jemand anfängt nachzudenken, ein Problem zu lösen oder sich gar zu verändern und dabei in eine ungewisse Zukunft zu blicken, steigt der Energieverbrauch. Und das führt dazu, dass wir so etwas lieber lassen. Am wenigsten Energie verbraucht das Gehirn, wenn es in einem Zustand ist, in dem alle passt und den wir „in Kohärenz“ nennen. Diesen Zustand wollen wir unbewusst immer anstreben. Der Versuch, sein Leben zu verändern, wird deshalb als Störung, als Inkohärenz wahrgenommen. Man weiß nicht, ob die Veränderung gelingt und ob man hinterher besser dasteht als vorher. Das verbraucht eine Unmenge von Energie. Und deshalb versuchen wir dann schnell wieder alles passend zu machen – meist mit dem Griff nach dem Altbekannten. Deshalb verharren wir lieber in unglücklichen Zuständen, als uns ins Neue hinauszuwagen.Was kann uns denn dennoch dazu bringen?Dazu gibt es nur eine Antwort: Wir sind dazu bereit, wenn wir wissen, wozu es gut ist. Mit anderen Worten: wenn wir ein in die Zukunft weisendes, Kohärenz stiftendes Anliegen haben. Also wenn uns das, was in ferner Zukunft liegt, wichtiger ist, als das, was der Augenblick uns an Beruhigungspillen liefert.Wie ein Lebenssinn, eine Gemeinschaft oder ein gemeinsames, höheres Ziel?Ja, in früheren Jahren waren das über viele Generationen hinweg religiöse Überzeugungen. Da wollte man in den Himmel kommen oder was weiß ich was. Als diese Vorstellung kaputt ging, suchten die Menschen ihr Heil in kurzfristigeren Zielen. Das nutzt die Wirtschaft aus und bedient dieses Bedürfnis.Wollen sie das auch mit der Akademie für Potentialentfaltung erreichen?Ihre Frage deutet an, dass Sie – unserem heutigen Trend folgend – die Potentialentfaltung als ein individuelles Geschehen betrachten. Die Antwort heißt aber: Es gibt den einzelnen Menschen gar nicht. Es gibt auch nicht das einzelne Gehirn. Es hängt immer noch ein Körper dran und ein ganzes soziales Erfahrungsnetzwerk. Daher kann man seine Potentiale – also diese wunderbare Möglichkeit, dass unser Hirn Zeit unseres Lebens immer wieder etwas Neues dazu lernen kann – nur in Gemeinschaft mit anderen zur Entfaltung bringen. Deshalb arbeiten wir in der Akademie für Potentialentfaltung an der Frage: Wie ist es möglich, dass Menschen in Gemeinschaften so zusammenwirken, dass es zur Entfaltung der im Einzelnen angelegten Möglichkeiten kommt?Die Gemeinschaften, die wir bisher kennen, sind hierarchisch organisiert. Einer macht sozusagen den Anführer und die anderen folgen ihm. Wir haben keine Erfahrung damit, wie wir eine Gemeinschaft bauen können, in der die Menschen einander vertrauen und in die Kraft helfen. Wir kommen kurzfristig mit Gleichgesinnten zusammen, um gegen irgend etwas anzurennen. Das halten wir dann schon für eine Gemeinschaft. Doch im Grunde ist das eine Kampfgruppe. Doch wie wir Gemeinschaften aufbauen, in denen jeder den anderen dabei unterstützt, seine Potentiale zu entfalten, müssen wir erst noch lernen.Der Schlüssel ist, dass das nur geht, wenn sich Menschen als Subjekte begegnen. Und wenn sie sich gegenseitig nicht in hierarchischen Ordnungsstrukturen zwangsläufig zum Objekt ihrer Begierde, ihrer Absichten und Ziele, ihrer Bewertungen, Erwartungen, Maßnahmen und Belehrungen machen. Wenn jemand erleben muss, dass er zum Objekt gemacht wird, kommt es zur schwerwiegendsten Kohärenzstörung in seinem Hirn. Das ist sozusagen die schwierigste seelische Verletzung, die man jemandem antun kann, denn dies verletzt gleichzeitig seine beiden Grundbedürfnisse: Das nach Verbundenheit und das nach Autonomie. Da das aber ein Kennzeichen aller hierarchischen Ordnungsstrukturen ist, ist es auch das, was die Menschen seit zehntausdenden Jahren beschäftigt. Aus diesem Objektrollen herauszufinden, kann uns nur gemeinsam gelingen. Wer versucht, alleine eine Lösung zu finden, macht meist die anderen zum Objekt seiner Lösung.Und haben Sie schon Erkenntnisse, wie wir so eine echte Gemeinschaft bekommen können?Wir haben zwei Ansätze, mit denen wir das versuchen. Eine hat sich als nicht ganz so brauchbar erwiesen. Dabei geben sich alle Menschen einer Gemeinschaft das Versprechen, dass sie sich gegenseitig eine Woche lang nicht zum Objekt machen. Danach kann alles wieder weiter gehen wie vorher. Wenn es jemandem in dieser Woche dann doch passiert, können die anderen ihn daran erinnern, dass sie das ja diese Woche nicht tun wollten. Das funktioniert im Prinzip schon. Aber meistens machen die Leute das mit einem starken kognitiven Anteil. Dann streiten sie sich darüber, ab wann man denn den anderen zum Objekt macht. Deshalb sind wir davon wieder abgekommen.Was viel besser funktioniert ist, dass man die Subjekt-Subjekt-Begegnungen in einer Gemeinschaft als einen sich selbst organisierenden und zwangsläufig einstellen Effekt erzeugt. Das geht, indem die Mitgliedern einer Gemeinschaft ein gemeinsames Anliegen entwickeln. Wenn allen Menschen einer Gemeinschaft – und interessant dabei ist, dass es umso besser ist, je unterschiedlicher sie sind – etwas wirklich am Herzen liegt und das nur zu verwirklichen ist, wenn sich alle in echter Gemeinschaft auf den Weg machen – dann kann keiner mehr den anderen zum Objekt machen. Dann muss man den anderen stärken. Sonst kriegt man das gemeinsame Anliegen nicht hin.Wie findet man so ein gemeinsames Anliegen?Wir legen weniger Wert auf die Gestaltung des Prozesse, als auf die Intention. Zunächst muss jemand zunächst einmal eine Stimmung erzeugen, in der die Menschen der Gemeinschaft darüber nachdenken, ob es überhaupt ein gemeinsames Anliegen gibt und was das sein könnte. Dann passiert es häufig von allein, dass die Menschen die Dimension begreifen und ihnen auch die Möglichkeiten aufgehen, die sie nur gemeinsam haben. Deshalb muss sich das ganze Augenmerk darauf richten, dass so ein Zustand entsteht.Zum Beispiel begleite ich hier in der Nachbarschaft mit der Akademie eine Kleinstadt. Ihr gemeinsames Anliegen ist es, die freundlichste Stadt in ganz Nordhessen zu werden. Und jetzt merken Sie, was das bedeutet. Jeder kann überlegen, ob das, was er da wollte, tatsächlich dazu führt, dass sie die freundlichste Stadt in ganz Nordhessen werden. Da gibt es eine junge Gruppe von Transition-Town-Leuten, die alles mögliche wollen. Die ganze Welt wollen die verändern. Und die kommen dann und sagen: Ja, aber da müssen wir jetzt noch mal nachdenken, was von dem vielen, was wir da wollen, überhaupt dazu beiträgt, dass unsere Stadt freundlicher wird. Und schon gibt es da einen gemeinsamen Boden der Realität. Das gilt auch für den Seniorenverein und den Kindergarten. Und dann geht es nur noch darum, dass man viele unterschiedliche Initiativen und Aktivitäten so unterstützt, dass etwas Spürbares in der Kommune daraus erwächst.Führt so eine Gemeinschaft automatisch zu einem öko-sozialen Wandel?Ich glaube, dass das der einzige Weg ist. All die anderen Versuche der letzten fünfzig Jahren – mit Appellieren und Aufklären, Demonstrieren und Fordern und Gesetze erlassen und Belohnungen aussetzen – sind Unsinn. Denn wir machen damit die Menschen immer zu Objekten. Wir müssen aber eine Form finden, in der die Menschen sich als Subjekte entscheiden können. Und das geht nur in einer Subjekt-Subjekt-Gemeinschaft.Wenn sich die Menschen dieser Stadt zum Beispiel dafür entschieden haben, ihre Stadt zur Freundlichsten in ganz Nordhessen zu machen, hat das viele unbeabsichtigte Nebeneffekte. Zum Beispiel, dass die Geburtenrate steigt. Oder dass es auf einmal wieder Zuzug gibt. Dass dann auch die Geschäftslage und damit das Budget der Kommune besser wird. Und auch, dass die Menschen bewusster miteinander umgehen. Dass führt dann dazu, dass sie bewusster mit den natürlichen Ressourcen umgehen. Als Nebeneffekt. Viele Weltretter halten das nicht aus, weil sie glauben, dass das zu lange dauert. Aber es nützt ja auch nichts, etwas schnell zu machen, das nichts bewirkt.Und im Augenblick versuche ich ein Anliegen in der Öffentlichkeit breit zu machen, das ist ja auch interessant. Man könnte mit den anderen zusammen ja auch versuchen darauf zu achten, dass die eigene Würde nicht verletzt wird. Da sind wir bei diesem Würdekompass, das haben Sie bestimmt auch gesehen. Und da ist ja auch so etwas. Da bemüht man sich gemeinsam um etwas, was man aber so gar nicht jemals so hundertprozentig erreichen kann. Aber wenn man das Thema Würde in der Öffentlichkeit so hochhebt, dann immer häufiger auch zur Diskussion stellt und sich immer mehr Leute fragen müssen, wie sie das mit ihrer Würde halten, dann kriegen Sie bald eine Situation, wo ein Bauer, der Glyphosat auf seine Felder versprüht, von irgendjemand gefragt wird, wie er das mit seiner Würde vereinbaren kann. Als Bauer, als Mensch, als Vater, als Bewohner dieses Ortes. Und da muss er dann erst einmal eine Antwort drauf finden.Denn eigentlich hat er sich diese Frage noch nie stellen müssen, weil da keine öffentliche Meinung da war. Weil das so tabuisiert worden ist diese Frage, dass er machen konnte, was er wollte. Er brauchte das nur ökonomisch zu rechtfertigen. Das als Mensch zu rechtfertigen ist eine völlig neue Dimension. Und das kann man auch für Investmentbanker machen und für Monsanto-Hersteller und weiß der Kuckuck was.Könnte das Thema „Würde“ ein gemeinsames Anliegen in unserer Gesellschaft insgesamt sein, das zu einer Subjekt-Subjekt-Gesellschaft führt?Dieses Anliegen versuche ich im Augenblick mit dem Würdekompass in der Öffentlichkeit breit zu machen. Dabei ist Würde aber immer etwas, was jeder für sich selbst bestimmt. Und dann braucht man andere, mit denen man das gemeinsam umsetzen kann. Wer das macht, ist als Konsument für diese Welt gewissermaßen untauglich. Der ist nicht mehr verführbar. Der macht andere Leute nicht mehr zu Objekten und stellt sich selbst auch nicht mehr selbst als Objekt zur Verfügung. Damit wird man automatisch jemand, an dem sich diese Konsumgesellschaft die Zähne ausbeißt.Dr. rer. nat. Dr. med. habil Gerald Hütherist Neurobiologe, Sachbuchautor und seit 2015 Vorstand der Akademie für Potentialentfaltung.Seine beruflichen Stationen sind: Biologiestudium, Forschungsstudium und Promotion an der Universität Leipzig, Habilitation an der Medizinischen Fakultät der Universität Göttingen. Wissenschaftliche Tätigkeit am Zoologischen Institut der Universität Leipzig und Jena, am Max-Planck-Institut für experimentelle Medizin Göttingen, als Heisenbergstipendium der DFG und an der Psychiatrischen Klinik der Universität Göttingen.Zu seinen wissenschaftlichen Themenfeldern gehören: Einfluss früher Erfahrungen auf die Hirnentwicklung, Auswirkungen von Angst und Stress und Bedeutung emotionaler Reaktionen.

"Wer seine Würde bewahren will, müßte aufhören sich selbst und andere wie Objekte zu behandeln”, Gerald Hüther

Gerald Hüther, Akademie für Potentiale ...

"Glaube an Dich, vertraue den Menschen und liebe die Welt!", Marek Rohde, faironomics.de

Marek Rohde, faironomics.de

Timo Luthmann über Nachhaltigen Aktivismus
Timo Luthmann: Nachhaltiger Aktivismus

Wie kann ich mich in dieser Welt mit all seinen Sachzwängen, aber ohne Zeit wirklich etwas bewegen ohne auszubrennen? Der Aktivist und Bildungsreferent Timo Luthmann hat ein Konzept: Es nennt sich Nachhaltiger Aktivismus!Seit über zwanzig Jahren ist Timo Luthmann bereits als Aktivist politisch aktiv – in den letzten paar Jahren vor allem beim Klimaschutz im Allgemeinen und beim Klima*Kollektiv (https://klimakollektiv.org) im Speziellen. Als solcher hat er sicherlich alle Höhen und Tiefen erlebt, die der politische Aktivismus mit sich bringt: Die aufreibende Arbeit und der Frust, wenn sich dennoch scheinbar kaum etwas bewegt. Das ständige Gefühl noch mehr leisten und noch wirkungsvoller sein zu müssen – immerhin geht es um Viel. Und schließlich das Loch, in das man stürzen kann, wenn es einfach nicht mehr weitergeht. Wenn die Gesundheit nicht mehr mitspielt, die Seele streikt.Über viele Jahre hinweg hat sich Timo Luthmann daher damit beschäftigt, wie es besser gehen könnte: Wie können wir uns politisch so engagieren, dass wir nicht ausbrennen? Wie sieht ein politischer Aktivismus aus, der kein individuelles Strohfeuer von einigen Jahren (etwa während des Studiums) ist, sondern eine lebenslange Bereicherung? Timo hat dazu jede Menge Bücher gelesen, die daraus gewonnenen Erkenntnisse weiter entwickelt und systematisiert – und ein Buch geschrieben, das wir für absolut lesenswert halten. Ja, es war so spannend, dass wir unbedingt mit ihm persönlich sprechen wollten. Und hier ist das Interview:Wer bist du und was machst du?Timo Luthmann: Ich bin Bildungsreferent und politisch tätiger Mensch. Gerade konzentriere ich mich auf aber auf die Bildungsarbeit für Aktivist*innen, habe das Handbuch für Nachhaltigen Aktivismus geschrieben und biete seit mehreren Jahren verschiedene Kurse an. Dabei geht es mir um eine strategische Schulung von Menschen, die interessante Multiplikator*innen sind und die an der Basis etwas bewegen wollen. Das können 1,5- bis 2-Stunden-Veranstaltungen sein, Halb- oder Ganztages-Workshops sowie Wochendendseminare – oder auch zehntägige Retreats für Aktivist*innen. Wer sich dafür interessiert, kann meinen Newsletter abonnieren, um auf dem Laufenden zu bleiben: https://nachhaltigeraktivismus.orgWas ist Nachhaltiger Aktivismus?Timo Luthmann: Nachhaltiger Aktivismus ist ein Konzept, das ein langfristiges, politisches Engagement unterstützt. Nach meiner Definition besteht es aus drei Säulen: Die erste Säule ist Reflexion über soziale Veränderungen und Strategien. Also wie stellen wir uns soziale Veränderung eigentlich vor? Und wie sieht die Praxis dazu aus?Die zweite Säule sind individuelle Resilienzstrategien. Resilienz bedeutet – etwas salopp ausgedrückt – so viel wie Widerstandskraft. In dieser Säule geht es darum, was ich als Individuum tun kann, um mit schwierigen Situationen besser umgehen zu können. Um besser in Balance zu bleiben und mehr Energie für einen langen Atem zu haben.Die dritte Säule sind kollektive Resilienzstrategien. Also die Frage, was wir gemeinsam tun können, um nicht auszubrennen. Das bezieht sich einerseits auf eine Gruppe oder einen Zusammenhang – also dort, wo jemand direkt aktiv ist. Es lässt sich aber auch größer betrachten, zum Beispiel innerhalb einer sozialen Bewegung: Welche Dinge können sie widerstandsfähiger oder stabiler machen? Und schließlich lässt sich das auch noch mal auf gesamtgesellschaftlicher Ebene sehen.Ist der Begriff des Nachhaltigen Aktivismus neu?Timo Luthmann: Nein, den Begriff gibt es schon länger. Allerdings eher im angloamerikanischen Raum. Mir war es wichtig im deutschsprachigen Raum dazu eine Einführung zu geben und die Diskurse rund um den Nachhaltigen Aktivismus zugänglich zu machen. Deshalb habe ich alle mögliche englischsprachige Literatur dazu gelesen. Dann habe ich das Konzept noch einmal genauer definiert und zum Beispiel die drei Säulen entwickelt.Warum ist Nachhaltiger Aktivismus notwendiger denn je?Timo Luthmann: Weil es ein Schlüsselrezept ist, um als Soziale Bewegung erfolgreich zu sein. Soziale Bewegungen haben das Problem, dass sie keine starken Institutionen haben. Das bedeutet, wenn Menschen ausscheiden – aus welchen Gründen auch immer – entstehen dort zum Teil riesige organisatorische Lücken. Wissen geht verloren und Netzwerke. Und dann fängt alles wieder von vorne an und der oder die Nächste muss alles wieder aufbauen. Nachhaltiger Aktivismus will dem entgegenwirken und zwar auf individueller und kollektiver Ebene.Denn soziale Bewegungen sind in meinen Augen die entscheidende Triebfeder Sozialer Innovationen: von der Frauenbewegung über die Ökologie- und Arbeiterbewegung bis hin zur Gender-Gerechtigkeit war immer das Maßgebliche die Kraft von unten. Und deshalb ist es total wichtig, dass wir reflektieren, wie wir uns die Veränderung vorstellen und wie sie funktioniert. Nachhaltiger Aktivismus kann diese Arbeit sehr viel erfolgreicher machen, in dem er individuelle und kollektive Resilienzstrategien empfiehlt, die politisches Engagement dauerhafter machen.Für das Individuum geht es aber auch darum, dass jede und jeder von uns mit den großen Herausforderungen, vor denen wir täglich stehen, besser umgehen können. Es geht auch darum, dass wir als Einzelne ein glückliches Leben führen und trotzdem politisch aktiv sein können. Und dass es nicht nur um eine Phase von ein paar Jahren geht – zum Beispiel während des Studiums. Sondern dass wir uns langfristig politisch engagieren können ohne auszubrennen.Angesichts der gesellschaftlichen Herausforderungen vor denen wir stehen, ist das eine immense Aufgabe. Denn egal ob man sich die Klimakrise ansieht oder den Rechtsruck und den aufkommenden Rassismus: Der Druck auf den Einzelnen, die Gemeinschaft und die Gesellschaft ist hoch und wird auch noch steigen. Da einen kühlen Kopf zu bewahren wird immer schwieriger, ist aber eben umso wichtiger, wenn wir politisch tatsächlich etwas bewirken wollen.Bist du Pessimist oder Optimist?Timo Luthmann: Unser produktives Potential ist enorm. Aber wir haben auch eine kolossale Zerstörungskraft entwickelt. Da müssen wir ethisch erst einmal hinterherkommen. Wenn ich mir die Klimakrise anschaue, dann laufen wir sehr schwierigen Zeiten entgegen. Da sieht es gerade sehr schlecht aus. Das multipliziert aber wiederum alle sozialen Krisen: Wenn sich das Klima verschlechtert werden wir mehr Ernteausfälle haben, Regen wird ausbleiben oder zu viel sein. Die Biodiversität wird sinken und die Ressourcen insgesamt weniger werden. Dann brauchen wir die kulturell bisher einmalige Leistung, darauf nicht reaktionär, sondern progressiv zu reagieren. Das ist die Herausforderungen, vor der wir stehen.Der Nachhaltige Aktivismus versucht nun die Grundwerkzeuge zu liefern, um für die unterschiedlichsten Situationen gut aufgestellt zu sein. Er schafft erst einmal eine Grundlage – jede und jeder kann sich dann mit den verschiedenen Teilaspekte immer tiefer auseinandersetzen. Nachhaltiger Aktivismus liefert aber eben schon mal die verschiedensten Werkzeuge, Methoden und Erzählungen, die uns auf jeden Fall stärken können. So können wir dann auch mit schwierigen Situationen umgehen.Wen sprichst du mit deinem Buch vor allem an?Timo Luthmann: Meine Motivation war es, jungen Menschen, die gerade erst anfangen, gewisse Fallstricke zu ersparen. Natürlich muss jede und jeder ihre oder seine Erfahrungen selbst machen. Aber ich glaube mit dem Handbuch lassen sich doch viele Zusammenhänge erkennen. Und dann gibt es in dem Buch immer noch Tipps, wo man weiterlesen kann. So soll die Lernkurve einfach steiler werden. Für die erfahrenen Leute ist es einfach ein Werkzeugkasten, wie sie ihre Praxis reflektieren können.Allerdings wendet es sich nicht nur an die sogenannten Vollzeitaktivist*innen. Die sind natürlich das Salz in der Suppe der Sozialen Bewegungen. Doch Nachhaltiger Aktivismus zeigt, dass wir alle gemeinsam ziemlich viel bewegen können, wenn viele ein bisschen was machen. Das soll auch die Menschen ermutigen zu denken „Ich kann zwar nicht an dem ganz großen Rad drehen – aber das in meinem Stadtteil oder diese kleine Aufgabe, da kann ich mich drauf konzentrieren und das bringt auch etwas“. Ich möchte die Menschen ermutigt ihre Lücke zu finden, in der sie das ganz große Puzzle bereichern können.Was sind denn die Resilienzstrategien für den Einzelnen?Timo Luthmann: Wichtig sind vor allem Pausen- und Ruhezeiten, auch für die Reflexion. Dass man sich immer wieder fragt: Was mache ich? Was stresst mich? Wo bekomme ich meine Energie her? Ich halte insgesamt sehr viel von dem Konzept der Achtsamkeit. Das ist für mich eine Schlüsselkompetenz, die zu kultivieren ein sehr großes Potential hat und sich auf die verschiedensten Bereiche auswirkt.Dann ist es wichtig, dass man sich auch Ziele steckt – denn nur so können wir sie erreichen und das motiviert unheimlich, schafft Zufriedenheit und zeigt, dass wir etwas verändern können. Dabei ist auch wichtig, dass wir lernen, bewusst mit unserer Aufmerksamkeitsökonomie umzugehen. Wir sind ja ständig von Medien umgeben, die unsere Aufmerksamkeit wollen – aber wie können wir sie auf die wirklich wichtigen Dinge lenken und dabei bleiben?Und dann sind auch noch ganz banale Dinge wichtig wie genug trinken, gesund essen und ausreichend Bewegung. Dass wir gut mit unserem Körper umgehen ist unheimlich wichtig, Über ihn bekommen wir auch Zugang zu unseren Emotionen und Gefühle sind eine ganz große Ressource. Die sollten wir als unsere Freundin betrachten, auch wenn sie manchmal etwas unbequem sind. Doch da steckt eine ganz große Kraft drin.Spiritualität ist mir persönlich ebenfalls wichtig. Andere die Menschen sind eher philosophisch veranlagt. Wichtig ist nur, dass man etwas hat, was dem eigenen Handeln Sinn gibt. Über den Sinn kommen wir dann wiederum zu Strategiefragen, also: was muss ich tun, damit ich tatsächlich etwas bewegen kann? Wie kann ich tatsächlich eine Wirkung erzielen? Da verknüpft sich dann die persönliche Dimension mit der strategischen Dimension. Dass ich glaube, etwas bewegen zu können und wirkmächtig zu sein gibt sehr viel Energie und Kraft zum Weitermachen.Eine weitere Ebene ist die Verbindung der kollektiven mit der individuellen Ebene: Freundschaften und Netzwerke. Weil wir eben soziale Tiere sind, bekommen wir ganz viel Kraft und Motivation, wenn wir ein unterstützendes Umfeld haben. Wenn wir in der Gruppe aktiv sind, in der wir eine positive Resonanz erfahren. Das ist sehr motivierend. Und so gibt es da auch eine Verknüpfung zur kollektiven Ebene.Was macht eine Gemeinschaft oder Gruppe resilient?Ein ganz wichtiger Faktor ist die Kommunikation: Wie gehen wir miteinander um? Wie reden wir miteinander? Wie wird Wertschätzung verteilt? Wie geben wir Feedback? Wie kritisieren wir uns? Und wie gehen wir mit Konflikten um? Konflikte sind ja völlig normal und in ihnen entsteht ganz viel – allerdings nur, wenn wir konstruktiv damit umgehen. Das Gleiche gilt für die Art und Weise, wie wir soziale Emanzipation erstreiten.Deshalb ist es wichtig, das wir da genau hingucken. Hier spielt wieder die individuelle Fähigkeit der Achtsamkeit eine wichtige Rolle: Mit ihr sind wir sensibel für diese Dimension. Man weiß dann, was man gerade spürt. Oder wie man mit anderen kommuniziert. Oder wie man auf sie wirkt. Oder wie man mit Dissenz in der Gruppe umgeht.Auch die Projekte selbst zu reflektieren und sie gemeinsam gut zu beenden ist wichtig. Manchmal kommt es vor, dass eine Gruppe von Projekt zu Projekt springt und keines so richtig beendet. Das zieht manchmal noch weiter Energie. Auch eine passende Organisationsform und Entscheidungsstruktur zu finden ist ein wichtiger Aspekt für die gemeinschaftliche Resilienz. So können Gruppen viel Konfliktpotential gut gemeinsam lösen.Und schließlich spielt die Kommunikationskultur eine wichtige Rolle: Also gibt es bei Treffen eine Moderation? Ein schwieriger, aber auch sehr wichtiger Aspekt ist, wie eine Gruppe mit Ausschlusskriterien umgeht oder auch mit Unterdrückung aufgrund von Geschlecht, Klasse oder Hautfarbe. Um über solche Themen in der Gemeinschaft nachdenken zu können braucht es Mut, Achtsamkeit und auch Vertrauen. Aber das ist für Menschen auch ein sehr hoher Frustfaktor und lässt sie ausbrennen. Wer Ausschlüsse abbauen kann, der eröffnet dem Projekt neue Potential, denn dann können mehr Menschen daran mitwirken. Und das macht es natürlich auch stärker oder resilienter.Das bedeutet, dass sich soziale Bewegungen auch mit ihren dunklen Seiten auseinandersetzen müssen. Das braucht aber auch eine Form von emotionaler Sicherheit und eine Konfliktkultur, die trotzdem noch wertschätzend bleibt und es eine Fehlertoleranz gibt. Das ist ganz wichtig, denn wenn wir die Gesellschaft verändern wollen, dann müssen wir bei uns selbst anfangen. Erst dann können wir die Werte glaubhaft vertreten. Das steckt wiederum andere an und macht eine Gruppe attraktiver für Menschen, die dann auch mitmachen wollen.Hast du einen Appell an die Leser*innen?Timo Luthmann: Ja: Gehe deinen Weg eigenständig. Frage dich: Was möchte ich wirklich? Und dann suche danach und erschließe dir deine Kraftquellen. Schau dich auch um, wo du diesen Weg gemeinsam mit anderen gehen kannst. Und sei solidarisch mit Menschen, die vielleicht beiseite stehen. Die zum Beispiel Hilfe brauchen, weil sie sich stark engagiert haben und nun einfach mal Ruhe brauchen. Oder die in einer prekären Situation sind. Oder die Kinder bekommen haben und eine Babypause machen oder sich verstärkt um ihren Nachwuchs kümmern.Politisch aktiv sein und bleibenHandbuch Nachhaltiger Aktivismusvon Timo LuthmannISBN 978-3-89771-250-8424 Seiten |  Softcover | 19,80 EuroUnrast Verlag Münster

Tiefe Ökologie

Mit Verzweiflung umgehen und sich ermutigen

Story Based Strategies: Wandel durch Geschichten

Storytelling strategisch nutzen

Community Canvas: Vorlagen ausdrucken und Gemeinschaft planen
Konsens: Entscheidungsfindung im Team

Wie Konsens funktioniert und was ihn ausmacht

Soziokratie, Holokratie und S3
Soziokratie

Organisationsstruktur in Kreisen

Wie können sich Organisationen anders als in Hierarchien organisieren? Wie können wir Verantwortung und Macht gerecht verteilen? Der Holländer Gerard Endenburg hat dafür erstmals ein Regelwerk entwickelt – das Soziokratische Kreismodell (SKM). Später kamen die Holokratie und die Soziokratie 3.0 (S3) dazu. Kennt ihr das auch: Organisationen, in denen der Kampf und das Misstrauen zwischen „denen da oben“ und „denen da unten“ herrscht? Dann entscheiden die Führungskräfte unter sich, was gemacht wird, und teilen unangenehme Entschlüsse lieber erst kurz vor knapp dem Rest der Belegschaft mit. Die sieht gar nicht ein, dass sie – aus ihrer Sicht unsinnige und einseitig getroffene – Entscheidungen umsetzen soll und boykottiert die Sache mal mehr und mal weniger. Wieso brauchen wir die Soziokratie? Wir haben das in der Verlagswelt leider nur allzu oft beobachtet, erlebt und – ja leider – auch mitgemacht. Irgendwann hat auch der Letzte verstanden: Wenn ich nicht ständig das Objekt sein will, das hin und her geschoben wird und über dessen Kopf hinweg andere entscheiden – dann muss ich Macht erlangen. Und das geht nur, wenn ich andere zum Objekt mache. Doch wenn wir mit anderen in einer Subjekt-Objekt-Beziehung stecken bleiben, kann nie ein echter Austausch, echtes Verständnis, Empathie und eine echte Verbindung entstehen. Oder anders gesagt: Wir werden nie wirklich miteinander voller Vertrauen und gutem Willen kooperieren können. Deshalb ist die Struktur öko-sozialer Organisationen von entscheidender Bedeutung. Denn was nützt es, wenn ein Unternehmen super öko-faire Produkte verkauft oder wenn eine NGO für einen guten Zweck kämpft – aber die Belegschaft voller Misstrauen, Angst oder gar Feindschaft ist, sich gegenseitig bekämpft und behindert? Solche Organisationen werden nie ihr volles Potential erreichen. Sie werden immer viel zu viel Zeit und Energie an eigentlich unsinnige Grabenkämpfe verlieren, anstatt sie in echte Veränderungen stecken zu können. Die Soziokratie als Lernort Doch leider steckt diese Subjekt-Objekt-Sichtweise tief in uns. Das bedeutet, dass sie zu unserer Gewohnheit geworden ist. Wir müssen nach und nach anders zu denken und zu handeln lernen. Aus diesem Grund sollte jede öko-soziale Organisation auch ein idealer Lernort sein, an dem Menschen genau das entdecken und üben können: Niemand anderen zum Objekt ihrer Anliegen, Bedürfnisse oder Ziele zu machen. Also niemanden zu etwas überreden, auszunutzen oder (durch sozialen Druck, ein schlechtes Gewissen oder etwas anderes) dazu zu zwingen, das zu tun oder zu sagen, was ich mir wünsche. Zu akzeptieren, dass ein „Nein“ zu einer meiner Bitten genauso wertvoll ist wie ein „Ja“. Wenn wir es schaffen, eine Organisation zu einem Ort zu machen, an dem die Menschen lernen können, dass Zusammenarbeit auch dann funktioniert, wenn die Bedürfnisse aller gleich wichtig sind. An dem ich nicht kämpfen muss. An dem mir die Erfüllung der Bedürfnisse anderer gleichermaßen am Herzen liegen kann, ohne dass ich befürchten muss, zu kurz zu kommen. Dann kann ein Projekt, eine Organisation oder ein Unternehmen in meinen Augen auch dann absolut erfolgreich sein, wenn es den eigentlichen Zweck seiner Unternehmung nicht erreicht – also die Kampagne nicht erfolgreich ist, das Unternehmen nicht profitabel oder das Projekt nicht verwirklichbar … Denn dann haben alle Beteiligten bei der Zusammenarbeit schon so viel wertvolle Erfahrungen gemacht, dass es sich aus diesem Grund schon gelohnt hat.Die Geschichte der SoziokratieEine Möglichkeit, wie wir Macht – vor allem Entscheidungsmacht – besser verteilen können, ist die Soziokratie. Ursprünglich hat der französische Philosoph und Soziologe August Comte diesen Begriff Anfang des 19. Jahrhunderts geprägt. Er wurde mitten in die Französische Revolution hineingeboren, erlebte die industrielle Revolution und die Gesellschaftsumbrüche, die damit einher gingen. Viele Menschen überlegten damals, wie sich die Bürgerinnen und Bürger besser, also gerechter organisieren könnten. Comte entwickelte dazu eine Theorie für eine inklusive Regierungsform und nannte sie „Soziokratie“.Später führte der amerikanische Soziologe Lester Frank Ward die Idee weiter zu einer idealen Gesellschaft. Im frühen 20. Jahrhundert entdeckte dann der holländische Friedensaktivist Kees Boeke diese Ideen für sich. Er gründete ein Internat, in dem er die soziokratischen Prinzipien erstmals praktisch umsetzte. In seinem Buch „Soziokratie: Demokratie – wie sie sein könnte“ beschreibt er:„Wir sind so an das Mehrheitsprinzip gewöhnt als einen notwendigen Teil der Demokratie gewöhnt, dass es schwierig ist, sich vorzustellen, irgend ein demokratisches System würde ohne dieses funktionieren. Es ist zutreffend, dass es besser ist Köpfe zu zählen, als diese zu zerstören. Und die Demokratie, sogar wie sie heutzutage ist, ist verglichen mit früheren Methoden zu empfehlen. Es hat sich aber herausgestellt, dass das Parteiensystem sehr weit davon entfernt ist, die Träume der Menschen von einer optimalen Demokratie zu unterstützen. Seine Schwachstellen sind klargeworden: endlose Debatten im Parlament, Großveranstaltungen, in denen die primitivsten Leidenschaften hervorgerufen werden, das Überstimmen individueller Sichtweisen durch Mehrheiten, unberechenbare und unglaubwürdige Wahlergebnisse, Regierungsangelegenheiten werden durch hartnäckige Minderheitenopposition ineffizient umgesetzt. Seltsame Missbräuche schleichen sich ein. Nicht nur kann eine Partei sich durch hinterhältige Methoden Stimmen verschaffen, sondern genauso, wie wir alle wissen, kann ein Diktator eine Wahl mit erstaunlichen Mehrheiten durch Einschüchterung gewinnen.“ (Boeke 1945)Boeke schrieb das unter dem Eindruck des Nationalsozialismus. Das Manuskript für dieses Buch hatte er in der Tasche, als er von den Nazis verhaftet wurde. Und dennoch liefert diese Textpassage durchaus Dinge, die wir in der heutigen Form unserer Demokratie wieder finden können …Gerard Endenburg und das soziokratische KreismodellGerard Endenburg war einer der Schüler, die die soziokratische Schule Boekes besuchten. Danach wurde er Ingenieur für Elektrotechnik und 1968 schließlich Geschäftsführer des elterlichen Betriebes „Endenburg Electrotechniek“. Seine Besonderheit war nun, dass er das Systemdenken mit der Idee der Soziokratie verband und daraus erstmals ein Regelwerk entwickelte, mit dem die Soziokratie auch in Gemeinschaften angewendet werden konnte, wo es keine speziellen persönlichen Bindungen gab – wie etwa in der Schule von Boeke oder bei der Religionsgemeinschaft der Qäker, die die Regeln Boekes ebenfalls anwandten. Seine Motivation war es, die Mitarbeiter zu mehr Verantwortung und das Unternehmen zum Erfolg zu führen. Und „wenn wir Verhalten verändern wollen, müssen wir das System verändern“, schreiben Barbara Strauch und Annewiek Reijmer in ihrem Buch über die Soziokratie.Dazu entwickelte Endenburg das sogenannte Soziokratische Kreismodell. Es hat vier Basisprinzipien:1. Prinzip: Entscheiden im KonsentDer Konsens, wie ihn Boeke in seiner Schule und die Qäker bei ihren Versammlungen anwendeten, funktioniert nach Endenburg nur, wenn die Menschen jahrelange gemeinsame Erfahrungen damit machen und sich in der dazu notwendigen Haltung üben. In einem Unternehmen, in dem Angestellte, Manager und Investoren gemeinsam Entscheidungen treffen müssen, würde das nicht funktionieren. Deshalb erdachte er in einer dreiwöchigen Klausur den sogenannten Konsent.Der entscheidende Unterschied: Dem Konsens liegt die Frage zugrunde: „Sind alle dafür?“ Beim Konsent lautet die Frage hingegen: „Hat jemand einen schwerwiegenden Einwand gegen diese Entscheidung?“. Wer diesen hat, muss ihn gut begründen können. Auf diese Weise dient jeder Einwand auch der Verbesserung des bisherigen Vorschlages. (Weitere Infos zu den unterschiedlichen Formen der Entscheidungsfindung liefert dir der Beitrag Entscheidungsfindung im Team: Konsens, Konsent & Co).2. Prinzip: Die KreisstrukturIn herkömmlichen Organisationen trifft das Management oder die Führung die grundlegenden Entscheidungen und delegiert deren Umsetzung von „oben“ nach „unten“. Im soziokratischen Kreismodell ist das anders. Hier setzt sich die Organisation aus vielen Gruppen – Kreise genannt – zusammen, in denen Manager*innen, Abteilungsleiter*innen und Angestellte gleichberechtigt im Konsent entscheiden. „Jeder Kreis in einer Organisation hat sein eigenes Ziel und plant seine eigene Arbeit, um Produktivität und Wirtschaftlichkeit sicherzustellen“, erklären Barbara Strauch und Annewiek Reijmer im bereits erwähnten Buch.3. Prinzip: Die doppelte VerknüpfungWeil die Anzahl von Menschen, die in einem Kreis zusammenkommen können, natürlich begrenzt ist, braucht es eine weitere Komponente, damit viele Menschen gemeinsam im Konsent Entscheidungen treffen können. Genauer gesagt braucht es ein System der Verbindungen zwischen den Kreisen. Weil aber eine Verbindung nicht ausreicht – das folgerte Endenburg auf Basis der Kybernetik – braucht es zwei Verbindungen: Die eine ist der von oben eingesetzt Leiter, der die Informationen von oben nach unten weitergibt. Die andere ist eine vom unteren Kreis gewählte Vertretung, die die Informationen von unten nach oben trägt. Diese doppelte Verknüpfung ist ganz wesentlich für die Soziokratie: Sie dient der Qualitätssicherung, denn sie ermöglicht Feedback-Schleifen. Diese braucht es, um ein sich selbst regulierendes System zu erhalten.Soziokratie in der PraxisSeit Endenburg das soziokratische Kreismodell (SKM) entwickelt hat, gibt es immer mehr Unternehmen, Bildungseinrichtungen und Organisationen, die sich nach diesen Prinzipien aufstellen. In der Praxis ist die ganze Sache natürlich noch viel komplexer, als hier in dieser Zusammenfassung angedeutet. Wer daran interessiert ist, das SKM selbst in die Tat umzusetzen, sollte sich genauer informieren – und im Idealfall auch einen externen Berater oder eine externe Beraterin engagieren, die Erfahrung mit dem SKM hat. Dafür gibt es entsprechende Ausbildungen.An dieser Stelle möchten wir auch noch kurz erwähnen, dass der amerikanische Unternehmer Brian Robertson das SKM in seiner Firma „Ternary Software Corporationdas“ zur sogenannten Holokratie (Holacracy) weiter entwickelt hat. Vor einigen Jahren gingen der Agile Coach Bernhard Bockelbrink und der Organisationsberater James Priest noch einen Schritt weiter: Sie kombinierten die Agile Arbeitsweise mit der Soziokratie und erschufen daraus die sogenannte Soziokratie 3.0 (oder kurz auch S3). Diese steht unter Creative Commons – alle können sie also lizenzfrei nutzen. Weitere Infos dazu findest du unter https://sociocracy30.orgLesetippSoziokratieKreisstrukturen als Organisationsprinzip zur Stärkung der Mitverantwortung des EinzelnenBarbara Strauch und Annewiek Reijmer. Mit einem Vorwort von Gerard EndenburgISBN 978-3-8006-5416-1, Vahlen Verlag, 29,80 EuroBestellen bei buch7.de

David Allen: Getting Things Done!
Ilona Koglin, faironomics.de: Eine bessere Welt ist jetzt sofort möglich – wenn du es willst!

Ilona Koglin: Faironomics.de

Vivian Dittmar: Über innere Arbeit

Wer sich für eine bessere Welt engagieren will, muss auch sich selbst verändern. Der muss mit sich, seinen eigenen Bedürfnissen und Impulsen in Kontakt kommen, meint die Gründerin der „Be The Change Stiftung" Vivian Dittmar. Wie das geht? Das hat sie uns erzählt. Wie finde ich heraus, was ich in meinem Leben wirklich tun will?Es ist ein Phänomen unserer Kultur, dass die meisten von uns nicht wirklich wissen, was sie in ihrem Leben machen wollen. Das hat viel damit zu tun, wie wir Menschen bilden. Kleine Kinder haben ständig Impulse, was sie wollen und gehen ihnen nach: Handlungsimpulse, Spielimpulse, Lernimpulse, Kreativimpulse, Beziehungsimpulse … Dann kommt die Schule. Sie ist letztlich ein ganz großes Trainingslager, in dem sie lernen sollen diesen Impulsen nicht mehr nachzugehen. Statt dessen sollten sie das tun, was von außen vorgegeben wird, was andere für wichtiger halten.Dieses Training durchlaufen Kinder über viele Jahre, viele Stunden am Tag mit großer Konsequenz. Und das in einer Zeit, in der Menschen extrem formbar sind. Am Ende kommen da Menschen heraus, die nicht mehr im Kontakt mit sich sind. Das haben sie über Jahre abtrainiert. Und nach der Schule sollen sie dann aber auf einmal wissen, was sie wollen. Da sind viele total verloren. Entweder sie merken das gleich oder in der Midlife-Crisis oder irgendwo dazwischen.Die Erkenntnis „Ich weiß eigentlich gar nicht, was ich wirklich will und alles, was ich glaube zu wollen, ist doch irgendwie von außen aufgesetzt“ ist erstmal sehr schmerzhaft. Sie ist aber auch ein wichtiger Startpunkt. Von dort aus können sich Menschen auf den Weg machen. Das erlebe ich als einen inneren Klärungsprozess, der auf der einen Seite auf einer emotionalen Ebene stattfindet und auf der anderen Seite auf einer Willensebene.Und wie finde ich nun heraus, was ich wirklich will?Ganz wichtig ist, dass das kein intellektueller Prozess ist. Wir haben meist gelernt, Probleme intellektuell anzugehen und sich irgendwelche Fragen zu stellen. Das ist auch gut und schön. Doch wenn die Antworten nur auf einer intellektuellen Ebene kommen, hat das so eine Beliebigkeit. Der Verstand kann ja alles mögliche in alle möglichen Richtungen argumentieren. Irgendwann kommt man so nicht mehr weiter.Dann muss man den Modus wechsel und vom Denken zum Spüren kommen. Denn im Spüren offenbaren sich andere Denkweisen. Denkweisen, die ich das „transrationale Denken“ nenne. Authentische Impulse spüren wir über den Körper und die innere Wahrnehmung. So können wir zwischen einem echten, uns eigenen Impuls unterscheiden und einem Impuls, der von außen kommt. Das kann der Intellekt nicht.Wenn Menschen anfangen zu spüren, kommen die meisten von ihnen mit einem ganzen Haufen von Emotionen in Kontakt. Denn im Laufe der Zeit, haben sich viele nicht gefühlte Gefühle aufgestaut. Dadurch kommen sie zunächst gar nicht mit dem transrationalen Denken in Kontakt – also mit den Impulsen, der Intuition und ihrer Inspiration. Statt dessen sind nicht alle, aber viele Menschen mit etlichen Gefühle konfrontiert, die sie gar nicht fühlen wollen. Sie müssen dann diesen ganzen Emotionswust erst einmal aufräumen.Darunter verbergen sich die Bedürfnisse. Sie sind meistens erst einmal in einem sehr unreifen Zustand, weil sie so lange nicht gefühlt wurden. Und darunter befinden sich dann erst die authentischen Impulse. Deshalb geht es darum, dass wir lernen zu fühlen, zu integrieren, zu heilen und dadurch die Gefühle wieder frei klingen zu lassen. Wir müssen ein Bewusstsein dafür entwicklen, was unser eigentliches Bedürfnis in einer Situation ist. Und dann müssen wir tiefer gehen und zu schauen: Was ist da jetzt ein wirklich authentischer Impuls? Und was ist einfach so ein Ego-Bedürfnis oder ein unreifes Ach-das-hätte-ich-jetzt-gerne-mal ...?Wie lerne ich praktisch meine Impulse wieder zu spüren?Ich plädiere sehr für eine regelmäßige Praxis. Am besten ist es, sich ganz bewusst Räume zu schaffen, um das Spüren zu üben. Außerdem müssen wir das gemeinsam tun. Man kann versuchen, es alleine zu üben – aber das ist nicht sehr effizient. Es ist einfacher, wenn wir uns zusammentun und wenn wir uns gegenseitig unterstützen, indem wir uns zuhören. Denn das Zuhören hat eine große Macht. Das ist wie beim Momo.Das heißt ich plädiere dafür, dass wir uns gegenseitig regelmäßig zuhören. Dass wir ganz bewusst Räume schaffen, wo der eine zuhört und der andere in sich hinein lauscht und dem Worte gibt, was da auftaucht, aus dem Körper heraus, aus dem Spüren. Das ist ein Klärungsprozess, der Zeit braucht. Sich dafür fünf Minuten pro Tag zu nehmen, ist ein guter Zeitraum. Das ist zwar nicht viel, aber es kommt auch sehr auf die Regelmäßigkeit an. Auf diese Weise gelingt so eine Art emotionale Hygiene, durch die Menschen immer mehr mit sich in Kontakt kommen können. Gleichzeitig lernen sie durch das Zuhören, jemanden anderen wirklich wahrzunehmen und einfach ganz dasein zu lassen. Das ist eine Praxis, die ich sehr empfehle, um die Emotions- und die Bedürfnisebene zu klären.Bedeutet so ein innerer Klärungsprozess auch automatisch, dass die Menschen umweltbewusster und sozialer leben?Das ist eine spannende Frage. Ich habe jedoch keine eindeutige Antwort. Ich erlebe, dass bei Menschen, die stärker mit sich in Kontakt kommen, automatisch auch Bedürfnisse auftauchen wie: „Ich will das es allen gut geht“. Aber das ist nicht bei jedem so. Ich sehe auch Menschen, die sich in ihrer Selbstverwirklichung verlaufen, und diese zum Selbstzweck machen. Allerdings wird das dann auch zu einer Frustration. Da verstrickt sich die Selbstverwirklichung in sich selbst. Auf jeden Fall gilt: um in unserer Welt wirksam zu sein, brauchen wir die innere Arbeit. Und die innere Arbeit braucht auch den äußeren Zweck. Das ist so eine wechselseitige Abhängigkeit.Wie komme ich aus dem Dilemma heraus, dass ich die Welt verändern will – und mich nicht davon frusten lasse, dass so viele nicht mitmachen?Ich gucke eher mit einer großen Verwunderung und auch Demut in die Welt und denke: „Ha, das ist ja interessant, dass es viele Menschen gibt, die diesen klaren Ruf spüren. Und dass es noch mehr gibt, die es im Moment noch nicht spüren“. Ich habe ein ganz tiefes Vertrauen und einen ganz tiefen Respekt vor dem, wie sich jedes einzelne Leben zeigt und entfaltet, dass ich mir gar nicht anmaße zu sagen, dass sollte anders sein. Es war ein wichtiger Schritt für mich zu sagen: „okay, ich verstehe das nicht. Und gleichzeitig kann ich nur zur Kenntnis nehmen, dass es so ist“. Das hat viel mit dem Vertrauen in die innere Führung jedes einzelnen zu tun.Gleichzeitig ist meine Aufgabe meinem Impuls zu vertrauen und mich zum Beispiel hinzustellen und zu sagen: „Wir brauchen einen öko-sozialen Wandel und zwar jetzt!“ Das spüre ich in jeder Faser meines Wesens. Und dann kann es sein, dass andere sich davon angesteckt fühlen und sagen: „Ja, genau, ich will etwas ähnliches“. Es kann aber auch sein, dass das nicht so ist. Das müssen wir meiner Meinung nach aushalten. Für mich das eine gute Übung in Demut.Menschen, die einen großen Drang haben zu missionieren, kompensieren damit oft die innere Arbeit, die sie nicht gemacht haben. Solche Menschen haben oft einen Absolutheitsanspruch. Und der ist immer ganz eng verknüpft mit Emotionen. Deshalb sieht man in einem unreifen Aktivismus ganz viel Anklage, ganz viel Verurteilung, ganz viel „es sollte anders sein“, „die Welt sollte anders sein“ und „die Politiker sollten anders sein“ und so weiter. Es ist aber eine unreife Haltung nicht zu schauen, was ich selbst tun kann, sondern zu erwarten, dass Mama und Papa etwas für mich tun – oder übersetzt die Großen und Mächtigen.Deshalb sind Absolutheitsansprüche immer mit unreifen Urteilen in uns verknüpft, mit nicht gefühlten Gefühlen, die wir nicht in uns ausgesöhnt haben. Und anstatt uns denen zuzuwenden und diese zunächst schwierigen Emotionen auszuhalten, gehen wir auf die Barrikaden und schreien unseren Schmerz in die Welt hinaus. Das ist auch vollkommen in Ordnung und ich will das auf keinen Fall verurteilen. Das kann man so machen. Doch es ist meines Erachtens gut, zwischen dieser Form von Aktivismus und einem echten Sich-Einbringen zu unterscheiden – einem reifen oder auch heiligen Aktivismus. Oft wird ein unreifer Aktivismus zum Teil des Problems, anstatt zum Teil der Lösung.Vivian Dittmar begleitete Menschen viele Jahre lang bei ihrer Persönlichkeitsentwicklung. Dann wurde ihr klar, dass wir Menschen uns nur dann voll entfalten können, wenn wir in gesunden, positiven und lebensbejahenden Strukturen leben können. Deshalb gründete sie die Be the Change Stiftung, um den gesamtgesellschaftlichen, kulturellen Wandel zu unterstützen. Dort gibt es Bildungsangebote für Menschen, die den öko-sozialen Wandel lebendig werden lassen wollen. Außerdem ist sie Beraterin beim Terra Institut und begleitet als solche Unternehmen bei ihren Transformationsprozessen hin zu einer nachhaltigen Kultur. Schließlich schreibt sie Ratgeber für Gefühle und Beziehungen. https://viviandittmar.net

Vivian Dittmar: Wer Träume verwirklichen will, muss Spüren lernen.

Vivian Dittmar: Spüren lernen

Die Theory von Otto Scharmer
Theory U

Ideen Methode Träumen

Wie können wir echte soziale und ökologische Innovationen entwickeln und den so dringend nötigen Wandel gemeinsam schaffen? Durch einen U-förmigen Prozess meint der MIT-Senior-Dozent Otto Scharmer. Und zwar mit seiner Theory U. Die Theorie U ist eine Methode für Veränderungen in Unternehmen und Organisationen- Entwickelt hat sie der Senior Dozent am Massachusetts Institute of Technology (MIT) Otto Scharmer. Schon während seines Doktorstudiums an der Universität Witten/Herdecke studierte Scharmer eine ähnliche Methode in den Klassen des österreichischen Ökonomen Friedrich Glasl. Später nahm er die Grundprinzipien der Methode auf und erweiterte sie zu einer Theorie des Lernens und des Management. Er nannte sie „Theorie U“.Seinen Namen erhielt die Methode aufgrund des U-förmigen Prozesses. Am linken Ende des Us steht eine Diagnose des gegenwärtigen Zustandes. Und am rechten Ende liegen die Zukunftsvisionen. Dazwischen durchlaufen die Menschen einen U-förmigen Tiefgang, der aus vier Ebenen und sieben Phasen besteht.Die drei Bewegungsebenen der Theory UGewohnheitswelt: In der gewohnten Welt befinden wir uns in einem Zustand, den Otto Scharmer als „Downloading“ bezeichnet. Wir nehmen nur wahr, was wir ohnehin schon kennen, wissen und denken. Dieser Zustand gleicht einem Haus mit herunter gelassenen Rolladen.Dingwelt: Öffnen wir unser Denken, halten inne und sehen wirklich hin, dann können wir auf einer faktischen Ebene neue Informationen aufnehmen. Wir lernen neue Dinge, erkennen neue Zusammenhänge oder erfahren neue Informationen.Du-Welt: Öffnen wir unser Fühlen (unser Herz), können wir von der Ding- in die Du-Welt gelangen. Wir fühlen uns in andere ein, nutzen unsere empathischen Fähigkeiten und können die Welt aus der Perspektive anderer (auch emotional) wahrnehmen.Quelle: Der Übergang zu dieser Ebene geschieht, wenn wir unseren Willen öffnen, loslassen und eine absichtslose Leere annehmen. Dann können wir in einen Zustand des „Presencing“ gelangen, wie Scharmer dies nennt. Mit dieser Wortschöpfung aus „Present“ und „Sensing“ beschreibt er einen Zustand des Flow oder der Inspiration, in der die Weisheit aus einer nicht rational greifbaren Quelle in unser Bewusstsein gelangt. Oft ist dies eine kollektive Erfahrung.Die sieben Phasen der Theory UEinen Überblick über die vier Ebenen und die darin befindlichen sieben Phasen gibt die folgende Grafik. Der Prozess der Theory U sieht eine Bewegung von links oben über die Mitte unten nach rechts oben vor. Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch die Erkenntnis, dass wir normalerweise versucht sind in direkter Gerade von links oben nach rechts oben zu gehen – also den tiefen, bewusstseinsverändernden Weg durch das U auszulassen. Dadurch, so Scharmer, gelangen wir aber immer nur zu Lösungen, die „mehr vom Selben“ sind. Wir denken uns dann immer nur Dinge aus, die es schon gibt.Wirkliche Innovation – wie wir sie brauchen, um einen echten öko-sozialen Wandel in Unternehmen, Organisationen, Institutionen und der Gesellschaft hinzubekommen – gelingen so aber nicht. Dazu brauchen wir nach Scharmer eben den U-Prozess, während dem sich tiefere Schichten der Realitätswahrnehmung eröffnen. Dadurch gelangen wir laut Scharmer in einen Zustand, in dem wir Ideen aus der Zukunft heraus erdenken und entwickeln können (und nicht auf Basis unserer Erfahrungen, also der Vergangenheit).Theory U erlernenOtto Scharmer vermittelt die Theory U in weltweiten MOOCs (Massiv Open Online Courses). Dazu gehören Online Live-Sessions mit Scharmer selbst, Aufgaben und vorbereitete Videos. Außerdem gibt es parallel zu den laufenden Kursen Nutzer*innengruppen in vielen Städten, die sich die Live-Sessions gemeinsam anschauen und auch die Übungen gemeinsam durchführen. Die Infos zur Vernetzung findest du, wenn du an dem Kurs teilnimmst. Weitere Infos findest du unter: https://www.presencing.org

Interview mit Bea Johnson über das Zero-Waste-Büro
Bea Johnson: Das Zero-Waste-Büro

Bea Johnson ist die Autorin des Buches »Zero Waste Home« und hat damit die weltweite „Null-Müll-Lebensstil-Bewegung“ losgetreten. Zusammen mit ihrer vierköpfigen Familie erzeugt sie seit 2008 nur ein Marmeladenglas voll Müll – pro Jahr! Auch ihr Büro ist nahezu müllfrei. Wie das geht, wollten wir von ihr wissen … Was brauchst du zum Arbeiten? In meinem Büro gibt es nur einen Computer, eine Arbeitstisch, einen gebrauchten Drucker, einen Radiergummi und einen wieder befüllbaren Stift, um Bücher zu signieren. Außerdem habe ich eine Fernbedienung, um mit meinem Rechner Präsentationen geben zu können und einen USB-Stick aus Bambus. Aber das ist wirklich auch schon alles, was ich für meine Arbeit brauche. Es gibt keine Papierakten, Ordner, Klebeband, Büroklammern oder Textmarker. Du machst dir nie Notizen auf Papier? Nein, ich arbeite komplett papierlos. Das geht natürlich nicht über Nacht. Man braucht dafür eine ganze Weile und muss einiges an seinen Arbeitsgewohnheiten ändern. Man muss sich selbst und seine Aufgaben anders organisieren. Ich bin dadurch zu einem großen Fan der Google-Produkte geworden. Ich nutze Gmail für meine Emails, aber auch den Kalender und die Aufgabenverwaltung. Das Ganze läuft synchron mit meinem Smartphone. Also wenn ich zum Beispiel unterwegs bin und mir in meinem Smartphone Notizen mache, dann erscheinen diese später auch auf meinem Computer. Aber Teil des Zero-Waste-Lebensstils ist es nicht nur, sich über die physischen Dinge Gedanken zu machen, sondern auch über den digitalen Müll. Das heißt ich bin auch auf meinem Computer eine Minimalistin. Ich habe nichts auf meinem Desktop. Und ich nutze zwar Dropbox, um Daten in der Cloud zu speichern. Aber ich limitiere mich selbst, indem ich nur die kostenfreie Version mit begrenztem Speicherplatz nutze. Dadurch muss ich achtsam sein, was ich speichere. Denn alles, was ich auf dem Computer habe, habe ich auch auf der Dropbox. Dadurch habe ich immer ein Backup für meinen Rechner. Was waren die größten Hindernisse auf dem Weg zum müllfreien Büro? Das war ganz klar der Papierberg, den wir bis dahin angesammelt hatten. Dazu kommt, dass es manchmal gar nicht so leicht ist andere dazu zu bringen, ebenfalls papierlos zu arbeiten. Zum Beispiel hatte der Verlag, für den ich mein erstes Buch schrieb, zuvor noch niemals einen papierlosen Vertrag abgeschlossen. Aber wir haben das gemeinsam organisiert: Vom Vertrag bis hin zum Manuskript. Und vermeidest du Plastik? Wir haben leider keinen Computer aus Holz. Aber wir haben unseren Plastikverbrauch ganz dramatisch reduziert, indem wir ganz ganz viele elektronischen Geräte einfach nicht in unserem Haus haben. Für unseren müllfreien Lebensstil haben wir fünf Regeln: Refuse, Reduce, Reuse, Recycle und Rot. Und diese Regeln wenden wir in allen Aspekten an – inklusive im Büro und bei Elektrogeräten. Deshalb haben wir viele Geräte, die die meisten Leute in ihren Büros haben, nicht. Wir haben keinen Scanner, keinen Drucker, keine Kameras – noch nicht mal so etwas wie einen Tacker haben wir. Wir haben keinen Tesafilm, keine Radiergummis, keinen Ventilator aus Plastik. Jeder von uns hat einen wieder befüllbaren Stift. Und selbst die versuchen wir aus zweiter Hand zu bekommen. Auch die Elektronik versuchen wir aus zweiter Hand zu bekommen. So haben wir gelernt zu ganz vielen Dingen schlicht »Nein« zu sagen. Wir haben eben nicht die neuesten Apple Gadgets. Und wenn zum Beispiel mein Smartphone kaputtgeht, dann versuchen wir es zunächst zu reparieren. Und wenn das nicht geht, dann kauft uns unser Händler das Gerät ab, um die Bestandteile für andere Reparaturen weiterzuverwenden. Dafür kaufen wir bei ihm dann ein anderes Second-Hand-Gerät. Es ist wichtig, dass man mit dem Verkauf eines alten Smartphones nicht wartet. Denn die Einzelteile können jetzt als Ersatzteile weiterverwendet werden. In fünfzehn Jahren sieht das vielleicht schon wieder ganz anders aus. Übrigens haben meine Kinder ihre eigenen Computer selbst gebaut. Sie haben dafür auch Teile aus alten Geräten gekauft. Das ging nicht bei allen, aber bei vielen. Und nun ist das Tolle, dass sie ihre Updates und Reparaturen selbst durchführen können. Für ein Upgrade kaufen sie sich einfach das entsprechende Teil und müssen nicht mehr das gesamte Gerät austauschen. Für meinen Mann haben wir neulich einen aufbereiteten Second-Hand-Rechner gekauft. Und es gibt mittlerweile eine ganze Reihe von Unternehmen, die das anbieten. Selbst bei Apple gibt es auf der Homepage mittlerweile einen Bereich für wiederaufbereitete Computer. Also man muss nicht immer das Neueste kaufen. Wie hat all das deine Arbeit verändert? Das ist der eigentliche Grund, warum man ein einfaches, minimalistisches Leben führt. Denn papierlos zu leben ist ein Bereich des Minimalismus, den wir uns für unseren einfachen, müllfreien Lebensstil angeeignet haben. Dabei geht es vor allem um das »Refuse« und »Reduce«. Also darum, die Dinge loszulassen, die man in Wirklichkeit gar nicht braucht. Und wenn man so Schritt für Schritt lernt, »Nein« zu den Dingen zu sagen, die man nicht braucht – dann entdeckt man eben dieses einfache Leben. Und dieses einfache Leben macht Platz für das, was einem im Leben am wichtigsten ist. Es erleichtert es einem, sich wirklich auf das zu konzentrieren und zu fokussieren, was einem wirklich wichtig ist: Auf die Familie, die Freunde, die Arbeit. Man sieht auf einmal die Prioritäten im Leben viel klarer. Was sind gut erste Schritte? Der erste und wichtigste Schritt ist es, sich zu verweigern. Es ist wichtig, dass man die oben genannten Regeln in dieser Reihenfolge angeht: Je mehr man ablehnt, desto weniger muss man reduzieren. Je weiter man die Dinge reduziert, desto weniger muss man wiederverwenden oder reparieren. Deshalb ist der allererste Schritt – zuhause und im Büro – »Nein« zu sagen. In unserer Konsumgesellschaft wollen und müssen uns viele Unternehmen dazu bringen, immer wieder neue Produkte zu kaufen. Aber jedes Mal, wenn wir diese akzeptieren, erschaffen wir eine weitere Nachfrage. Deshalb ist es wirklich sehr wichtig, dass wir lernen auf der Stelle »Nein« zu all diesen Dingen zu sagen. Und so kann man nicht nur die Nachfrage nach mehr stoppen, sondern auch verhindern, dass all diese Dinge in die eigenen vier Wände gelangen und zu einem Müllproblem werden. Also wenn du das nächste Mal Werbepost bekommst, dann unternimm etwas, damit diese Unternehmen dir keine Werbepost mehr schicken. Sag ihnen, sie sollen deine Adresse aus ihrer Datenbank nehmen und deine Daten auch nicht weitergeben. Denn ansonsten bekommst du künftig noch von weiteren Unternehmen Werbesendungen. Oder wenn du das nächste Mal bei einer Konferenz bist und einen Werbestift oder ein anderes Geschenk angeboten bekommst, dann sage »Nein«. Selbst bei einer Visitenkarte. Wer diese Dinge akzeptiert, erzeugt eine Nachfrage nach mehr und ein Müllproblem. Nein zu sagen ist nicht immer einfach. Da muss man manchmal einen guten Weg finden, wie man das machen kann. Also zum Beispiel, wenn mir jemand eine Visitenkarte geben will, dann sage ich »Nein, danke – aber ich fotografiere sie gerne ab, dann habe ich Ihre Kontaktdaten«. Bea Johnsonerzählt in ihrem Buch »Zero Waste Home – Glücklich leben ohne Müll«, wie sie ihr Leben vereinfachte, indem sie ihren Müll zu Hause drastisch reduzierte. Heute produzieren Bea, ihr Ehemann und ihre zwei Söhne nur noch ein Glas voll Abfall im Jahr. Dennoch - oder eigentlich gerade deswegen hat sich ihr Leben positiv verändert: Sie haben mehr Zeit für sich, ihre Ausgaben sind um 40 % pro Jahr geschrumpft, und sie sind gesünder, als je zuvor.Das Buch ist voller Insider-Tipps und Tricks. Es enthält viele hunderte praktische Ratschläge, sodass jede und jeder ohne Müll leben kann: Vom Einkauf bis zum Kochen; vom Waschen bis zum Pflegen; vom Schenken bis zum Reisen. https://zerowastehome.com | Buch bestellen bei buch7.de

Bea Johnson: Ein müllfreies Leben hat fünf Regeln, Refuse,reduce, reuse, recycle und rot

Bea Johnson: Zero Waste

Duncan Green: Den Wandel planen

Dr. Duncan Green berät Oxfam strategisch und lehrt an der London School of Economics. Er hat das Buch »How Change Happens« darüber geschrieben, wie sozialer Wandel funktioniert. Das wollten wir natürlich von ihm wissen. Wir alle wollen wissen, wie wir die Welt verändern können! Haben Sie eine Antwort?Ich denke schon. Oder zumindest habe ich ein paar Erkenntnisse, die besonders für Aktivisten relevant sind. Allen voran die, dass Veränderungen nicht geschehen, weil es einen bestimmten Menschen gibt. Sie entstehen unbeabsichtigt und im Rahmen eines Systems. Das bedeutet: Menschen, die absichtlich Veränderungen voranbringen wollen, müssen sich in Bescheidenheit üben. Sie müssen erkennen, dass sie einem Prozess, der ohnehin abläuft, nur ein bisschen etwas hinzufügen oder entziehen können.Außerdem ist Veränderung kein kontinuierlicher Prozess. Es gibt Momente der Chancen und Momente der Risiken. Während dieser Schlüsselmomente können Aktivisten mehr Reaktionen hervorrufen, als normalerweise. Aber sie können nicht in Form von Projekten vorgehen oder einen guten Plan für die nächsten drei Jahre entwickeln. Sie können sich nur an diesen Momenten, diesen Fenstern orientieren. Alles andere ruft keine großen Veränderungen hervor. Deshalb ist meine Antwort auf Ihre Frage auch keine große Theorie. Vielmehr stelle Sie vor ein paar Herausforderungen, über die Sie nachdenken können: wie können Sie sich sinnvoll verhalten?Wieso sind Projektpläne ein Problem?Das Risiko ist, dass Aktivisten zu professionell werden. Sie verbringen dann viel Zeit damit, ihre Techniken als Aktivist zu optimieren. Der eine setzt sich zum Beispiel mit großen Unternehmen zusammen, um sie von einem gemeinsamen Projekt zu überzeugen. Ein anderer weiß vielleicht, wie man am besten eine Demonstration organisiert oder die beste Online-Kampagne macht. Aber diese Fähigkeiten werden irgendwann zu einer Zwangsjacke. Denn die Leute denken dannmehr darüber nach, was sie tun werden – das nenne ich die Theorie der Aktion – und weniger, wie sich die Welt gerade verändert – das ist die Theorie des Wandels.Und sobald sich die Aktivisten ins Zentrum ihrer Überlegungen stellen, sind sie sich weniger des Systems um sie herum bewusst. Dann nehmen sie die Chancen und Möglichkeiten der Veränderung nicht mehr wahr. Das führt dann dazu, dass Menschen sagen: »Wir haben doch immer dieses und jenes organisiert – lass uns das hier auch wieder machen.« Doch das hat viel weniger Einfluss auf Veränderungen, als wenn Aktivisten wissen, wie sie mit einem System tanzen können. Man spricht dann von einer agilen Projektplanung, mit der sie sich geschickt auf die Veränderungen in ihrem Umfeld einstellen können.Wie können wir dann den Wandel planen?Also, als erstes: Gut schlafen! Ausreichend Pausen machen. Nicht denken, dass wenn wir noch zwei Stunden mehr pro Tag arbeiten, würden wir die Veränderungen bewirken können, die wir uns wünschen. Wir sollten aufhören, über uns selbst nachzudenken und stattdessen die Welt beobachten. Nun gibt es unterschiedliche Möglichkeiten des Beobachtens. Man kann das Leben der anderen leben. Wenn man zum Beispiel in der ländlichen Entwicklung arbeitet, kann man mal eine Weile in einem typischen Dorf leben – ohne irgendetwas ändern zu wollen. Einfach nur, um alles zu beobachten und wahrzunehmen und Teil dieser Welt zu sein. Das gibt einem viele neue Ideen und Einsichten.Dann kann man durch Lesen beobachten, das ist ganz wichtig – und zwar nicht nur Kampagnenbücher. Und vor allem kann man gut beobachten, in dem man genau zuhört! Aktivisten sind ja oft in einem Sendemodus und nicht in einem Empfängermodus. Daher müssen die meisten lernen, besser zuzuhören. Mein Sohn arbeitet zum Beispiel für eine NGO mit dem Namen »Citizens UK« und er macht tatsächlich Zuhör-Kampagnen. Dabei fragen sie zum Beispiel Menschen aus London: „Was macht dein Leben schwierig?“ Und erst auf Basis dessen, was sie da zu hören bekommen, machen sie ihre eigentliche Kampagne. Das ist ein Zugang, der meiner Meinung nach viel besser funktioniert, als zu sagen »Wir wissen, was zu tun ist«. Nicht zuhören zu können, kann unglaublich blind machen.Aber irgendwann muss man doch in Projekten denken. Wie plant man ohne zu planen?Man muss für die Ungewissheit planen. Das ist fast so, als würde man planen ohne einen Plan. Natürlich plant man. Man investiert Geld in eine bestimmte Richtung und organisiert Menschen und Ressourcen für einen bestimmten Zweck. Aber man weiß, dass das, was man als seine Ausgangsposition annimmt, nur eine erste Vermutung ist. Und dass man mehr dazu lernt, sobald man mit dem Projekt beginnt. Dadurch gestaltet man eine Kampagne oder anderes so, dass immer wieder neue Aspekte, die man unterwegs erfährt und lernt, mit einfließen können.Das ist vor allem eine Frage der Geisteshaltung. Zum Beispiel kann man dann alle drei Monate einen Tag freihalten, an dem das Team darüber diskutieren kann, was gerade um sie herum geschieht. Ob sie sich damit identifizieren können. Was funktioniert und was nicht. Was sie gelernt haben. Was sich verändert hat. Und wie sie die Kampagne an diese neuen Erkenntnisse anpassen können. Und dann arbeiten sie wieder drei Monate und treffen sich dann erneut. Das bedeutet also nicht, dass man gar keinen Plan hat und alles komplett offen ist. Aber man etabliert ein System, das das Nachdenken und Überarbeiten ermöglicht.Dabei besteht allerdings die Gefahr besteht, dass man eine Analyse-Paralyse erleidet. Dann diskutieren die Menschen endlos, was am besten funktionieren würde. So klappt das mit den Veränderungen auch nicht. Vielmehr brauchen die Leute den Rückhalt, dass sie Dinge ausprobieren und auch mal damit scheitern können. Dazu braucht es einen sicheren Ort, an dem sie ihre Aktivitäten reflektieren und auswerten können. Wo sie Zweifel und Überlegungen für Veränderungen einbringen können.Das bedeutet, dass wir eine gute Balance zwischen „Activism“ und „Reflectivism“ brauchen. Wenn es zu viel „Activism“ gibt, dann tun die Menschen möglicherweise viele Dinge, die keine Wirkung haben. Und wenn es zu viel „Reflectivism“ gibt, dann endet man so wie ich und macht sich nur noch Gedanken über alles mögliche (lacht).Wie kommt man zu einer guten Balance zwischen „Activism“ und „Reflectivism“?Ich habe kein Rezept, das zeigt, was man tun muss, um ein erfolgreicher Weltveränderer zu sein. Ich denke, wir müssen vielmehr einen bestimmten mentalen Zustand anstreben. Und dieser mentale Zustand zeichnet sich durch Neugier aus. Manchmal sind Aktivisten einfach müde. Wenn man ihnen von etwas Neuem erzählt, sagen sie einfach »Ich will nur noch mit meiner Kampagne weitermachen.« So wird es keine Veränderungen geben.Aktivisten müssen einfach neugierig sein. Das bringt uns wieder zu der Tatsache, dass Arbeitstage von 20 Stunden nicht sinnvoll sind. Wenn man so viel arbeitet, ist man nicht mehr neugierig. Dann ist man nur noch überlastet und müde. Daher ist die Fähigkeit der Selbstfürsorge wichtig. Und die Art und Weise, wie man auf das eigene Leben blickt.Außerdem müssen Aktivist bescheiden sein. Und da geht es um eine Bescheidenheit, die auf dem Wissen basiert, dass man in einem so komplexen System niemals wissen kann, was geschieht und wie sich Veränderungen auswirken werden. Das ist für Aktivisten oft sehr schwer zu akzeptieren. Denn ein Teil ihrer Persönlichkeit ist es, große Zuversicht auszustrahlen und den anderen zu sagen »Ihr könnt mir folgen, ich kenne die Antworten.«Das ist die wahrscheinlich schwierigste Erkenntnis des Buches, dass Aktivisten in einer dissonanten und widersprüchlichen Welt leben müssen. Auf der einen Seite müssen sie Führungsqualitäten zeigen und auf der anderen müssen sie die Mehrdeutigkeit und Ungewissheit akzeptieren. Das ist wohl auch ein Grund, warum Aktivisten oft so gestresst sind.Und wenn es um die Fragen geht – das steht nicht in dem Buch, aber da geht es um Fragen wie: Wie verändert sich das System ohne mich? Wie verstehe ich Macht in dieser Situation? Wer sind die Protagonisten? Was könnte sie überzeugen, etwas zu verändern? Also alle Fragen, die helfen zu verstehen, wie man Veränderungen bewirken könnte. Und dann natürlich sich danach zu orientieren.Wie kann ich am besten verstehen, wie ein System funktioniert?Das hängt von dem System ab. Da sollte man Bücher lesen, mit eine möglichst großen Bandbreite an Menschen sprechen, offen sein. Man muss so eine parlamentarische Haltung entwickeln, mit der man für die unterschiedlichsten Sichtweisen und Informationen offen ist. Geht es um ein kleines, lokales System, dann sollte man mit den Nachbarn sprechen. Und zwar nicht nach dem Motto »Sind sie auf meiner Seite oder nicht?«Es geht auch darum, Menschen zu finden, die nicht so sind wie du, um mit ihnen zu arbeiten. Bei Aktivisten gibt es oft eine Monokultur. Da findet man große Gruppen von Menschen, die exakt gleich denken: »Wir halten den Brexit für eine fürchterliche Idee«, »Wir mögen niemanden, der religiös ist« und so weiter. Und so gibt es da Gruppen, die irgendwann die Verbindung zu den realen Menschen in der realen Welt um sie herum verloren haben.Bist du ein Optimist oder ein Pessimist?Beides! Das hängt von der Zeitskala ab, die man betrachtet. Wenn wir uns anschauen, was seit dem 2. Weltkrieg geschehen ist: Die Dekolonisierung – da gibt es 70 Jahre eines atemberaubenden Fortschritts. Allein die Medizin ist so weit wie noch nie zuvor in der Geschichte der Menschheit. Also Gesundheit, Bildung, Recht. Das ist erstaunlich. Wenn man sich das ansieht, dann kann man nicht anders, als ein Optimist zu sein.Aber wenn man sich einen kürzeren Zeitraum anschaut, dann sieht man eine ganze Reihe von negativen Trends: Bei der Demokratie, den Rechten sogar bei Konflikten – die gingen die ganze Zeit zurück, doch in den letzten drei Jahren haben sie wieder zugenommen. Also da gibt es schon genug Anlass, um weniger optimistisch zu sein.Wenn man in die Zukunft schaut gibt es massive Risiken. Ich weiß nicht, was die größere Gefahr ist: ein nuklearer Krieg oder die Klimakrise. Aber beide sind sehr groß. Und die entscheidende Frage hierbei ist, ob wir genug Intelligenz als Organisation einer Spezies haben, um mit diesen systemischen Gefahren umzugehen. Und ehrlich gesagt: Ich habe keine Ahnung. Gerade bei der Klimakrise sieht man, wie es eine Mischung aus Technik und Desaster gibt und die Politik nicht in der Lage ist, damit umzugehen. Ich glaube nicht, dass die Menschheit ausgelöscht wird. Aber die Klimakrise wird sehr unangenehm und garstig.Dr. Duncan Greenarbeitet für die internationale Hilfsorganisation Oxfam als strategischer Berater. Außerdem ist er Professor „in practise“ an der London School of Economics. Dort hält er Vorlesungen im Master-Studiengang für internationale Entwicklung. Daneben hat er das Buch „How Change Happens“ geschrieben. Das kannst du dir in gedruckter Version bestellen oder als PDF kostenlos herunterladen: http://how-change-happens.com

Audio-Interview: Silke Helfrich über Commons
Silke Helfrich: Über Commons

Silke Helfrich beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Theorie der Gemeingüter – oder auch Commons, wie sie es lieber nennt. Sie bloggt regelmässig unter www.commons.wordpress.org, hat zahlreiche Bücher zum Thema veröffentlicht und ist viel gefragte Rednerin zu dem Thema. Mit der digitalen Ära sieht nicht nur sie eine Renaissance der Gemeingüter – sie sieht auch eine neue Welle der Einhegung: die klassischen Nutznießer der Privatgüterwirtschaft versuchen ihre Pfründe erneut einzuzäunen. Angeblich, weil die Menschen nicht in der Lage seien, Gemeingüter zu pflegen und zu erhalten (man spricht hierbei euch von der Tragik der Allmende).Doch spätestens die Wikipedia sowie zahlreiche andere, freie OpenSource-Projekte zeigen: Gemeingüter müssen nicht immer tragisch enden wie dies der britische Ökonomie-Professor William Foster LLoyd postiliert hatte. Nein, berühmt wurde die Ökonomin Elinor Ostrom, weil sie durch langjährige Studien bewies: Es gibt weltweit und zu jeder Zeit in allen Kulturen Commons, Gemeingüter oder auch Allmenden, die – ganz ohne staatliche oder wirtschaftliche Kontrolle – hervorragend funktionieren! Das war eine so spektakuläre Arbeit, dass sie dafür sogar als erste Frau den Wirtschaftsnobelpreis erhielt.Doch – was sind Gemeingüter eigentlich genau? Wie funktionieren sie? Welche Vorteile haben sie? Und wie kann man sie in seinem Alltag umsetzen und fördern? Über diese und andere Fragen sprachen wir mit Silke Helfrich in diesem rund 30 minütigen Gespräch.

Dr. Duncan Green: How Change happens

Dr. Duncan Green: How Change Happens

Vorlage zur Erstellung einer Marken-Persona
Marken-Persona: für die öko-faire Kommunikation

individuell ökologisch sozial

Auch das noch so tolle Projekt des öko-sozialen Wandels wird nicht von alleine bekannt und erfolgreich. Es braucht eine gute, durchdachte Kommunikation. Die Markenpersona ist dabei ein wichtiger Grundstein. Wer andere für seine Idee, sein Projekt, seine Organisation oder sein Unternehmen begeistern will, muss im Getöse der heutigen Werbe- und Medienwelt mitspielen. Wer darauf hofft, dass sich öko-faire Produkte oder wichtige Anliegen von selbst verkaufen (nach dem Motto „sie sind doch fair und ökologisch, das muss doch jede*r sehen und zugreifen“), wird mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit enttäuscht werden. Auch wir mussten das einsehen. Auch wenn wir keineswegs Fans der nach Aufmerksamkeit eifernden Marketing- und Werbewelt sind.Werte und Taten entscheidenKommunikation, Marketing und Werbung sind also notwendig – das bedeutet aber nicht, dass man mit allen Mitteln mitmachen muss. Im Gegenteil. Aus unserer Sicht ist es entscheidend, dass du dir frühzeitig Gedanken machst, welche Werte deine Marke eigentlich hat – und was das in Taten konkret bedeutet. Authentizität und Glaubwürdigkeit entstehen nur dann, wenn sich deine Werte und deine Taten decken! Das ist unheimlich wichtig. Im echte Leben genauso wie in der professionellen Kommunikation!Weil wir beide Journalisten und Autoren sind, liegt uns das Geschichten erzählen besonders am Herzen. Immer überlegen wir uns: Welche Emotionen wollen wir bei unseren potentiellen Mitstreiter*innen und/oder Kund*innen wecken? Welche Botschaft, welche Mission, welche Werte und welche Vision wollen wir übermitteln? Und in welche Geschichte könnten wir dies alles am besten ausdrücken? Ja, und dann machen wir uns auf die Suche nach der richtigen Geschichte. Mal sind wir die Protagonisten (zum Beispiel in unserem Buch „Faironomics“), mal sind es Stellvertreter unserer Mitstreiter*innen oder Kund*innen. Mal ist es die Marke selbst, die sich ins Abenteuer wagt und eine Heldenreise durchlebt.Die Marken-PersonaDrucke die PDF-Vorlage aus und entwickele eine Persona für deine Organisation, dein Unternehmen, dein Angebot oder deine Aktion.Marken-Persona (PDF) Was ist eine Marke und Persona?Der erste wichtige und hilfreiche Schritt ist, dass du eine Persona für deine Marke entwickelst.Eine Marke ist die Gesamtheit aller Eigenschaften deiner Idee, deines Produktes, deines Services oder deiner Organisation, die sie von anderen Ideen, Produkten, Services oder Organisationen unterscheidet. Das sind Dinge wie Aussehen, Name oder Werte.Eine Persona ist im Kommunikationsbereich eine fiktive Figur, die einen Kunden, einen Mitstreiter, einen Stakeholder oder auch eine Marke repräsentiert. Es ist ein bisschen so, als ob du dir für einen Roman die Heldenfigur ausmalst – nur dass du dich bei den Eigenschaften etc. an deiner Marke, den Zielgruppen o.ä. orientierst.Entwickle deine MarkenpersonaUm eine Persona für deine Marke zu entwickeln, kannst du folgendermaßen vorgehen: Lade dir das PDF mit der Vorlage für deine Markenpersona herunter und drucke sie dir aus. Suche dir einen Ort, an dem du ungestört eine Stunde lang an deiner Persona arbeiten kannst. Gehe dann folgendermaßen vor:1. Der NameWie lautet der Name deiner Markenpersona? Das ist in der Regel der Name deines Produktes, deiner Organisation, deines Unternehmens, deiner Dienstleistung, deiner Veranstaltung, deiner Kampagne oder anderes. Überlege dir, ob der Name aussagekräftig ist: Weiß man sofort, worum es geht, wenn man ihn hört – etwa wie bei „Fair Coffee“ oder „Susanne Schmidt Umweltberatung“?Oder ist es ein Fantasiename, wie zum Beispiel „Welluu“? Dann musst du sicherlich mehr Zeit und Arbeit aufwenden, um den Namen bekannt zu machen und den Menschen die richtige Assoziation dazu zu geben. Bei der Auswahl eines Namens kannst du dich fragen, ob er die richtigen Emotionen transportiert, sich leicht merken lässt, schon vergeben ist und ob es dazu eine Web-Domain gibt.2. Die VisionWie sieht die Welt aus, wenn deine Kampagne erfolgreich war? Wenn dein Produkt angewendet wird? Wenn dein Service in Anspruch genommen wird? Wenn deine Organisation tätig wird? Wenn deine Initiative ihre Ziele erreicht hat? Welche Verheißung kann deine Marke bzw. deine Persona deinen Mitstreiter*innen in Aussicht stellen. Wichtig: Diese muss sich selbstverständlich erfüllen. Versprichst du zum Beispiel mit einem Produkt das Blaue vom Himmel, weil es sich gut anhört, kannst das in Wahrheit aber gar nicht einhalten, ist das natürlich höchst kontraproduktiv.3. Die WerteWelche Werte prägen deine Markenpersona? Lege dazu eine Liste an, in der du alle Werte sammelst. Überlege dann, welche der Werte du mit vergleichbaren Produkten, Organisationen, Initiativen etc. teilst – und welche davon deine Markenpersona unterscheiden. Unterstreiche diese. Überlege dir dann, welche drei differenzierenden Werte besonders wichtig sind – für dich, aber auch für deine Zielgruppe. Hebe sie hervor. Durch welche Taten kann deine Markenpersona diese Werte zum Ausdruck bringen? Es ist besser, seine Werte im Handeln zu zeigen, als darüber zu reden!4. Die MissionWas tut deine Markenpersona, um ihre Vision zu erreichen? Bietet sie einen Workshop an? Verkauft sie ein bestimmtes Produkt? Organisiert sie eine Demo? Macht sie Veranstaltungen? Ggf. kannst du dich fragen (vor allem bei Kampagnen), wie deine Mitstreiter*innen deine Markenpersona bei ihrer Mission unterstützen können, damit sie ihre Vision auch tatsächlich erreicht.5. Das AussehenWas für ein Symbol, Zeichen oder Logo gibt deine Markenpersona wieder? Welche Farben passen zu ihr? Welche Schriftart gibt sie gut wieder? Hier geht es um die visuelle Ausdruckskraft deiner Markenpersona. Uns hilft es darüber hinaus auch, wenn wir uns für die Markenpersona tatsächlich ein Wesen ausmalen. Das kann ein Mensch sein, muss es aber nicht. Manchmal ist auch ein Tier die richtige Wahl oder ein Fabelwesen. In jedem Fall visualisieren wir ihn mit Haut und Haar :-)6. Die SpracheAuch die Sprache charakterisiert eine Markenpersona auf der subtile und zugleich intuitive, eindrückliche Weise. Über die Wahl einer gewissen Tonalität kannst deine Markenpersona ihre Werten und Charaktereigenschaften ausdrücken, ohne dies direkt sagen zu müssen. Eine jugendliche Sprache in Verbindung mit einer Du-Anredeform hat zum Beispiel eine ganz andere Wirkung, also eine Sie-Anrede und etwa eine akademische Sprache. Hierbei gibt es kein gut oder schlecht – es ist vor allem wichtig, dass die Wahl zu deiner Persona passt.7. Die EssenzWas ist der Existenzgrund deiner Marke – zusammen gefasst in einem Satz? Manche Existenzgründer*innen formulieren hierfür auch den sogenannten Elevator-Pitch. Die Idee dahinter ist: Mit welchem Satz könntest du einem wildfremden Menschen, den du für rund 60 Sekunden im Aufzug triffst, vermitteln, worum es bei deiner Marke geht und warum sie spannend für ihn oder sie ist?8. Das VersprechenDas Versprechen oder auch Werteversprechen bringt auf den Punkt, warum dein Angebot, deine Idee, deine Organisation oder Initiative für eine bestimmte Zielgruppe überhaupt wichtig ist. Welches Problem dieser Menschen löst es? Wobei kann sie ihnen helfen? Wie macht sie ihr Leben schöner, angenehmer, sinnvoller, besser? Versuche die Botschaften so gut es geht zu zuspitzen und auf den Punkt zu bringen – aber bleibe realistisch. Eventuell kann es dir helfen, deine Sätze noch einmal mit Vertreter*innen deiner Zielgruppen gegen zu checken, um so nach und nach zu der richtigen Formulierung zu kommen.Tipp: Persona deiner Mitstreiter*innenEine Persona von deinen Mitstreiter*innen kann dir bei der Ideenentwicklung und Kommunikation ebenfalls sehr hilfreich sein. Eine Vorlage dafür findest du in der Übung „Ideen prüfen – das Ideen Canvas“.

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Dein Kosten-Canvas

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Dragon Dreaming

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Die Karte der Mitstreiter: Vorlage zum Herunterladen und Ausfüllen
Karte der Mitstreiter

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Du hast einen Traum, ein Projekt, eine Idee oder eine Initiative, die Mitstreiter braucht? Dann nutze die Karte der Mitstreiter, um deine Strategie für ein tragfähiges Unterstützernetzwerk zu entwickeln. Niemand kann einen Traum, eine Idee oder ein Projekt alleine verwirklichen. Wir alle brauchen dafür andere Menschen, die uns unterstützen – und sei es auch nur mit einem offenen Ohr und ermutigenden Worten. Dabei haben wir im Laufe der Zeit immer wieder gemerkt, dass sich viele schwer damit tun, ihr Unterstützernetzwerk zu finden. Sie schaffen es vielleicht zwar eine zeitlang, einen Kreis von Menschen um sich zu scharen und für die Sache zu begeistern. Doch nur allzu schnell ist das Interesse auch schon wieder erloschen und sie wenden sich anderen Dingen zu.Versetzt man sich auf die Seite der anderen, so wird auch schnell klar, warum das so ist: Unser aller Leben ist voll mit Erfordernissen, Sachzwängen, Möglichkeiten und Verpflichtungen. Hand auf's Herz – die meisten von uns sind doch froh, wenn endlich alles Notwendige getan ist und man einfach mal Zeit für sich hat. Sich dann noch für ein weiteres Projekt zu verpflichten oder auch nur zu interessieren, fällt vielen nicht gerade leicht. Da muss es sich schon um eine ganze besondere Sache und/oder ganz besonders tolle Gruppe von Menschen handeln, die da in einem Unterstützernetzwerk zusammenkommen.Wenn du also Mitstreiter für ein Projekt, eine Idee oder eine Sache suchst, ist das nicht gerade leicht. Deshalb ist es wichtig, dass du dir dazu einige Gedanken machst – und dir genau überlegst, wie du mit den unterschiedlichen Gruppen umgehen könntest. Unsere „Karte der Mitstreiter“ hilft dir dabei, eine durchdachte Strategie zum Aufbau deines Unterstützernetzwerkes zu entwickeln.VorlageLade dir das PDF herunter und drucke es aus, um eine Vorlage für deine Karte der Mitstreiter zu haben.Karte der Mitstreiter (PDF)So erstellst du deine Karte der MitstreiterNimm dir rund 45 Minuten Zeit und such dir einen ruhigen Ort. Lade dir die Vorlage für die Karte der Mitstreiter herunter und drucke sie dir aus. Trage nun ein:1. Deine WidersacherAuf der linken Seite deiner Vorlage findest du vier Kästchen mit einem Bizeps darin. Das sind die Felder für deine Widersacher. Überlege dir, welche deiner Widersacher aktiv sind – also konkret gegen dein Projekt, dein Thema oder deine Idee vorgehen, durch Worte und/oder Tagen. Diese kommen ganz nach links. Unterteile sie in die aktiven Widersacher, die viel Einfluss haben (sie kommen in das Kästchen oben) und in diejenigen mit wenig Einfluss (sie kommen in das Kästchen unten). Genauso gehst du mit den passiven Widersachern um. Das sind Menschen, Organisationen oder Institutionen, die zwar gegen deine Sache eingestellt sind, aber nichts konkret dagegen unternehmen.2. Deine MitstreiterAuf der rechten Seite findest du vier Kästchen für deine Mitstreiter. Sie enthalten alle ein Herz. Auch hier gibt es passive Mitstreiter, die zwar für deine Sache sind, aber nicht aktiv werden – und aktive Mitstreiter, die sich mit Worten und/oder Tagen für dien Projekt, deine Idee oder dein Thema engagieren. Oben trägst du wieder jeweils die passiven oder aktiven Mitstreiter mit viel Einfluss ein, unten diejenigen mit wenig Einfluss.3. Deine StrategieDu kennst nun deine Pappenheimer. Nun geht es darum, eine Strategie zu entwickeln, wie du aus aktiven Widersachern passive machst – aus passiven Widersachern passive Mitstreiter – und aus passiven Mitstreitern aktive. Versuche also alle Menschen, Organisationen und Institutionen von links nach rechts zu bewegen, Schritt für Schritt. Das ist natürlich besonders bei denjenigen wichtig, die über viel Einfluss verfügen. Wichtig ist dazu, dass du diesen Menschen genau zuhörst: Was genau mögen sie an deiner Idee, deinem Projekt oder deinem Thema nicht? Hast du Mittel und Möglichkeiten, um sie davon zu überzeugen (sie also zu Mitstreitern zu machen)? Und wenn nicht: Was könntest du tun, um ihnen zumindest die Lust und Motivation zu nehmen, konkret gegen dich zu agieren? Diese Übung ist auch eine gute Maßnahme, um sich auf mögliche Shitstorms vorzubereiten.4. Ermächtige deine MitstreiterZeitgleich kannst du dir aber auch überlegen, wie du den aktiven Mitstreitern mit wenig Einfluss mehr Einfluss verschaffst: Was kannst du tun, um sie zu ermächtigen? Könntest du ihnen eine Stimme geben? Könntest du ihnen in Workshops die Fähigkeiten vermitteln, die sie brauchen, um gehört zu werden?Tipp: Nimm dir für diese Übung Zeit. Wenn du möchtest, kannst du auch aktive und passive Mitstreiter dazu einbinden. Je mehr Menschen, desto mehr Ideen kommen zusammen. Wähle im Anschluss daran aus, welche Maßnahmen jetzt gerade möglich und sinnvoll erscheinen, um dein Unterstützernetzwerk aufzubauen. Es lohnt sich auch, diese Übung immer mal wieder zu machen, weil sich das Umfeld um dein Projekt, deine Idee oder deine Initiative herum immer wieder verändert. 

Ikigai – japanische Lebenskunst

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Heldenreise Canvas

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Norbert Kunz: Interview über Soziale Innovationen
Norbert Kunz: Soziale Innovationen

Norbert Kunz ist Sozialunternehmer und sorgt als Geschäftsführer der Social Impact GmbH dafür, das in den Social Impact Labs jährlich jede Menge sozialer Innovationen entstehen. Wir haben ihn gefragt, wie aus einer ersten Idee ein gutes Konzept wird. Woran erkennen man eine Soziale Innovation?Wir unterscheiden zwischen Invention und Innovation. Auf der einen Seite schauen wir uns an, ob eine Idee wirklich neuartig ist: Gab es das am Markt noch nicht? Oder wodurch unterscheidet sich das von dem, was es bereits gibt? Manchmal muss man aber auch sagen, dass es bestimmte Ideen aus gutem Grund noch nicht gab. Oder es gab sie schon, aber sie konnten sich nicht durchsetzen, weil es dafür keinen Bedarf oder keine Nachfrage gibt. Das ist das Risiko, wenn man mit etwas ganz Neuem starten möchte. Man glaubt immer gerne, dass man der Erste ist mit dieser Idee. Es kann aber durchaus sein, dass es schon hundert andere Menschen gab, die diese Idee hatten und erkennen mussten, dass sie sich gar nicht umsetzen lässt.Deshalb schauen wir nicht nur auf die Neuartigkeit einer Idee, sondern auf ihren Nutzen für den Betroffenen, den Bedürftigen, die Umwelt: Stimmt hier die Kosten-Nutzen-Relation? Oder wäre ein Problem auch schon gelöst, wenn man ein anderes Projekt anders strukturieren würde? Wäre es zum Beispiel sinnvoller in andere Projekte zu investieren, um sie zu skalieren, als etwas ganz Neues auf den Markt zu bringen?Wie kommen Menschen auf neuartige Ideen?Also wenn wir so auf unsere Projekte im Social Impact Lab zurückschauen und beobachten, welche Erfolg hatten, dann stellen wir fest, dass es in ganz vielen Fällen einen biografischen Bezug gibt. Das kann Erlebnis sein oder etwas in der Familie. Etwa, weil jemand in Afrika irgend etwas gesehen hat und nun etwas tun muss. Oder, weil jemand in der Familie krank wurde oder ähnliches. In 70 Prozent der Fälle lässt sich so eine persönliche Beziehung erkennen zwischen der unternehmerischen Leistung und dem biografischen Hintergrund. Das ist ein sehr wichtiger Erfolgsfaktor. Denn dann entwickelt man eine Idee nicht für einen Markt oder weil man viel Geld verdienen will. Solche Erwartungen werden oft schnell enttäuscht und dann halten die Gründer das nicht durch.Doch woher kommt die Idee? Meist ist sie nicht erarbeitet. Sie fliegt den Menschen zu. Uns allen fliegen ja die ganze Zeit Ideen zu. Da steht man unter der Dusche und da fällt einem etwas ein. Und dann denkt man: „Oh, das könnte etwas sein“. Etwa dem Gründer von Discovering Hands Dr. med. Frank Hoffmann kam unter der Dusche die Idee zu seinem Sozialunternehmen, in dem blinde Menschen Brustkrebsvorsorge betreiben. Dann fragt sich, ob ich diese Frage aufgreife und daran arbeite – oder nicht. So kommen und gehen Ideen. Aber manche bleiben eben. Und manche Menschen fangen dann an, daran zu arbeiten.Das zu erkennen ist ganz wichtig: Eine Unternehmensgründung ist keine reine Inspiration, sondern sehr viel Arbeit. Dessen sollten sich Gründer bewusst sein. Die wichtigste Arbeit ist, Informationen zu gewinnen. Was man im Gründungskontext jedoch immer wieder feststellen kann ist, dass Gründerinnen und Gründer nicht hinreichend auf Fragen und Einwände eingehen. Sie sind so von ihrer Idee überzeugt, dass sie ungern Einwände oder kritische Fragen hören. Dabei sind sie wichtige Rohstoffe, für die Gründer dankbar dafür sein sollten. Ich glaube auch, dass ist der Grund, warum Frauen in der Regel bessere Gründer sind als Männer: sie sind sorgfältiger. Das kommt daher, dass sie meist etwas risikoscheuer sind. Deshalb stellen sie mehr Fragen und nehmen die Antworten ernster. Männer glauben hingegen öfter, dass sie alles schon längst wissen – und dass sie deshalb gar nicht mehr zu fragen brauchen.Wie komme ich von der Idee zur Umsetzung?Durch viel Arbeit. Dabei durchläuft man eine Welle: Man fängt oben an – man hat so eine uninformierte Euphoriephase. Man ist von seiner Idee total begeistert, hat aber keine Ahnung vom Umfeld, dem Kontext und dem Arbeitsfeld, das dahinter steckt. Dann fängt man an, an der Idee zu arbeiten und landet irgendwann in einer informierten Destruktionsphase. Dann ist man so gut informiert, dass man zweifelt , ob sich die Idee denn tatsächlich umsetzen lässt. Durch dieses Tal muss tatsächlich jeder hindurch. Dort kommt man automatisch hinein. So durchläuft man bei einer Gründung unterschiedliche Wellen. Und dazwischen findet viel Arbeit statt.Wie kann ich mit den Auf und Abs positiv umgehen?Das ist eine Frage, die wir am Anfang bei uns gar nicht so gesehen hatten. Aber es hat sich gezeigt, dass das Umfeld, das Gründungsklima bei uns in den Social Impact Labs ideal ist, um solche Stimmungen aufzufangen: Alle beginnen mit der gemeinsamen Euphorie, die Welt besser zu machen. Das führt zu einer sehr offenen und kollaborativen Stimmung. Das ist anders, als man das von klassischen Gründungszentren kennt, wo meist die Angst vorherrscht, jemand könnte die eigenen Ideen klauen.In den Social Impact Labs wollen die Leute ihre Ideen dagegen offenlegen, um einen den größtmöglichen gesellschaftlichen Nutzen zu erreichen. Man fragt sich gegenseitig: „Wie geht es dir eigentlich?“ Und wenn man dann hört: „Och, mir geht es ganz schlecht, ich weiß gar nicht, ob das zum Erfolg führt, was ich hier mache – und das funktioniert nicht und jenes nicht.“ kann man sagen: „Ja, so ging es mir auch schon, aber ich habe es geschafft“. Das hilft ganz wesentlich, durch die Täler zu kommen.Tatsächlich sind diese Wellenbäder wichtig, denn sie führen zu einer gewissen Resilienz. Das braucht man später auch als Unternehmer, denn da geht es ja auch immer auf und ab. Ich hab da gerade ein Projekt vor Augen, die vor zwei Jahren gestartet sind und nun total im Keller waren, weil sie kurz vor der Insolvenz standen Sie haben aber weiter gearbeitet und zwei Wochen später einen Investor gefunden, der die nächsten 2,5 Jahre durchfinanziert. Das ist so ein typisches Wellenbad. Da hilft eine Peer-Group, die ähnliche Phasen durchlebt und sagt, wie sie mit ähnlichen Situationen umgehen, viel mehr als Coaches und Supervisionen. Denn die sind natürlich viel authentischer.Kann ich also gar nichts planen?Doch natürlich. Allerdings arbeiten wir auf Basis des Business-Modell-Canvas. Das heißt, wir entwickeln die Projekte agil und erstellen keine Business-Pläne. Ansonsten läuft man schnell Gefahr, dass man nicht auf die Umwelt guckt. Uns geht es aber darum, agile Strukturen zu schaffen.In der Gründungsthematik nennt man das Effectuation. Das bedeutet, dass man zwei Schritte plant und nach vorne geht. Dann bewertet man diese Schritte und macht möglicherweise auch noch mal einen Schritt wieder zurück. Und dann wählt man den nächsten Ansatz. Das führt zu einem Lernprozess, der sich über mehrere Phasen erstreckt. Dabei versucht man herauszuarbeiten, wo die Chancen und Risiken eigentlich liegen, was der richtige Weg ist, wer die richtigen Partner sind und vieles mehr. Das ist ein sehr intensiver Prozess des Arbeitens und Ausprobierens sowie der Befragung von Kunden und Stakeholdern.Und was ist das Business-Modell-Canvas?Im BMC ist so eine Art Poster mit verschiedenen Themenbereichen, die alle wesentlichen Leistungsbestandteile andecken, die für die Geschäftsentwicklung wichtig sind. In diesen Bereichen sind idealerweise ganz viele Post-Its. Darauf stehen lauter Fragen, Annahmen und Thesen zu allen wesentlichen Leistungsmerkmalen. Diese hinterfragen die Gründer in so einer Art agilem System immer wieder und überarbeiten sie – bis sie irgendwann erste Antworten haben. Die prüfen sie dann und erhalten Ergebnisse. So konkretisieren sich nach und nach die einzelnen Leistungselemente des Unternehmens. In allen 8 Leistungsbereichen.Im Zentrum steht die Frage nach dem Kundennutzen. Da gibt es einen Customer-Value-Proposition-Bereich, an dem Gründer ganz intensiv arbeiten sollten: Was sind eigentlich die Needs meiner Kunden und wie gehen meine Kunden momentan mit ihrem Problem um? Was sind ihre Handlungsstrategien? Und was würden sie sich wünschen – also welche Form der Unterstützung, welches Produkt oder welche Dienstleistung? Dazu nutzen wir sogenannte Personas. Das sind exemplarische Kunden mit ganz konkreten biografischen Hintergründen und der Beschreibung, wie sie mit einem bestimmten Problem umgehen.Daneben gibt es weitere Leistungsbereiche: Wer sind meine Finanzierungspartner und wie sichere ich die Finanzierung? Wie baue ich meine Kommunikationskanäle auf? Was sind meine wichtigsten Stakeholder? Welche Ressourcen benötige ich zur Entwicklung dieses Geschäftskonzeptes? Und auf welche Ressourcen kann ich jetzt schon zugreifen? Auf welche Komponenten kann ich zugreifen? Wie muss mein Team ausgeprägt sein? Wie sieht unser Leitbild aus?Norbert Kunzberät und unterstützt seit über zwanzig Jahren Existenzgründer*innen und hat als Mitbegründer verschiedener Organisationen an der Entwicklung sozialer Innovationen mitgewirkt. Seit einigen Jahren konzentriert sich der Geschäftsführer der gemeinnützigen Social Impact GmbH auf den Aufbau einer Infrastruktur für soziale Innovationen und auf die Unterstützung von Social Startups: 2011 gründete er das erste Social Impact Labs in Berlin 2011. Heute gibt es bundesweit Social Impact Labs mit einer Vielzahl von Gründungsunterstützungsprogrammen.Für sein Engagement erhielt Norbert Kunz unter anderem eine Auszeichnung als Ashoka-Fellow, von der Schwab Foundation als Social Entrepreneur des Jahres 2010 und den Sustainable Entrepreneurship Award. https://socialimpact.eu/

Silke Helfrich: Anders denken und handeln? Frei, Fair und Lebendig? Commons!

Silke Helfrich

Norbert Kunz, Social Impact Lab: "Fragen und Kritik sind Rohstoffe für gute Ideen"

Norbert Kunz: Innovationen sind harte Ar ...

Übung: Verändere dich! Eine Anleitung für deine persönliche Transformation
Ideen prüfen und weiter entwickeln mit dem Ideen Canvas
Ideen prüfen – das Ideen Canvas

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Eine gute Idee für ein öko-soziales Projekt ist meistens das Ergebnis sorgfältiger Arbeit. Das Ideen Canvas hilft dir dabei, die wichtigsten Aspekte deiner Recherche zu berücksichtigen. Große Ideen sind meistens nicht das Ergebnis spontaner Einfälle, sondern harter Arbeit! Sicherlich gibt es den ersten zündenden Funken mal unter der Dusche, mal beim Joggen und mal in der Kneipe. Doch bis daraus eine fundierte Idee mit einem überzeugenden Konzept wird, musst du viel Zeit investieren, um zu recherchieren, nachzudenken, zu beobachten, zu erforschen und deine Idee immer wieder feinzuschleifen – bis sie nicht nur dich überzeugt, sondern am besten auch noch deine*n wichtigste*n Kritiker*in! Übung: Ideen prüfenDu kannst das Ideen Canvas und die Vorlage für die Persona nutzen, um die Ergebnisse aus der Übung „Ideen prüfen“ aus dem Buch „Faironomics“ zu dokumentieren. Die Quintessenz deiner Ergebnisse aus dem Schritt „Was denken die Menschen?“ kannst du ins Ideen Canvas eintragen. Auf Basis der Schritte „Was tun Menschen?“ und „Was sagen Menschen?“ kannst du mehrere Personas für relevante Vertreter*innen deiner Zielgruppe und deiner Stakeholder entwickeln. Nutze dazu die Vorlage für die Personas.Ideen Canvas (PDF)Persona Vorlage (PDF)So funktioniert das Ideen CanvasUm dir ein paar Leitplanken auf deinem Weg mitzugeben, haben wir das Ideen Canvas als PDF-Vorlage zum Ausdrucken entwickelt. Dort findest du einige erste, wichtige Bereiche, über die du dir im Laufe deiner Ideenentwicklung klar werden solltest. Dazu gehören folgende Felder:1. Die WirkungDieser Bereich ist von allergrößter Bedeutung. Warum? Weil du deine Idee ja nicht nur für dich alleine verwirklichst. Erst wenn sie für andere Menschen, andere Lebewesen, ja die Gemeinschaft, die Gesellschaft und die Welt insgesamt von positiver Bedeutung ist, wirst du Menschen finden, die sich von deiner Idee begeistern lassen und sich dafür einsetzen. Außerdem geben nur die Ideen deinem Leben Sinn, die über dich hinausweisen. Lebenssinn entsteht, wenn das, was du machst, auch wichtig für die anderen ist – denn damit bist du wichtig für die anderen. Ist deine Idee zwar eine tolle Sache für dich und einen kleinen Kreis von Menschen, schadet aber vielen anderen, der Natur und/oder dem sozialen Zusammenhalt, verwirklichst du kein öko-soziales, nachhaltiges und sinnstiftendes Projekt. Deshalb ist es von entscheidender Bedeutung, dass du die ökologische und soziale Wirkung deines Projektes genau kennst. Schreibe sie auf! (Weitere Infos zur Wirkungsplanung von Projekten findest du auch unter wirkung-lernen.de)2. Die ZielgruppeFür wen ist deine Idee eigentlich gedacht? Beschreibe die Menschen möglichst genau, die du mit deiner Idee erreichen willst. Wenn du möchtest, kannst du parallel zum Ideen Canvas auch die Vorlage für Personas nutzen. Wichtig: Eine Persona ist nicht mit einer Zielgruppe gleichzusetzen. Die Zielgruppe beschreibt einen Kreis von Menschen – eine Persona ist eine nicht-reale, aber realistische, konkrete Person. Ein Beispiel: Wenn deine Idee ein Bildungsangebot für Geflüchtete ist, dann ist deine Zielgruppe vielleicht „Kinder zwischen vier und sechs Jahren, die aus ihrem Heimatland vor Krieg und Terror geflohen sind“. Deine Persona bekäme hingegen einen Namen, ein Alter, ein Geschlecht, Hobbies, Charakterzüge, Vorlieben, ein Aussehen etc. Du würdest dir also einen ganz konkreten Menschen ausmalen. Beides hilft dir nicht nur, deine Idee auszuformulieren, sondern zum Beispiel auch bei deiner Strategieplanung und Kommunikation.3. Die StakeholderNeben der eigentlichen Zielgruppe sind jedoch noch weitere Menschen von deiner Idee betroffen – im positiven wie im negativen. Zu den Stakeholdern könnten im Beispielfall des Bildungsangebotes die Lehrer*innen einer Grundschule sein, in deren Räumen deine Workshops stattfinden sollen. Es könnten aber auch Politiker oder Sozialarbeiter sein, die für die Geflüchteten verantwortlich sind. Oder andere engagierte Bürger*innen und Bürgerinitiativen, mit denen du natürlich kooperieren und nicht konkurrieren solltest. Es könnten aber vielleicht auch die anderen Kinder der Grundschule sein oder deren Eltern. Überall kannst du Mitstreiter*innen und Widersacher finden (um mehr darüber herauszufinden kannst du auch die Übung „Die Karte der Mitstreiter“ machen).4. Dein TeamWer ist an der Umsetzung deiner Idee direkt beteiligt? Gibt es jemanden, der dir bei der Finanzierung hilft, bei der Kommunikation, dem Fundraising von Sachspenden, der für die Eltern der Kinder übersetzt und vieles mehr? Es ist wichtig, dass die Idee so geschaffen ist, dass sich alle Menschen in deinem Team damit identifizieren können. Denn nur so sind sie voll dabei, betrachten es auch als „ihre“ Idee und fühlen sich der Umsetzung ebenso verpflichtet wie du!5. / 6. Die Risiken und ChancenDie Umfeldanalyse ist ebenfalls eine wichtige Sache. Klassischerweise gibt es hier die sogenannte SWOT-Analyse, bei der du prüfst, welche Stärken und Schwächen du bzw. deine Organisation, dein Team mitbringe – und welche Chancen und Risiken das Umfeld für deine Idee bietet. Trage hier also ein, welche allgemeinen Entwicklungen, Einstellungen der Menschen, technischen Erfindungen etc. deine Idee unterstützen (Chancen) oder behindern (Risiken).7. Dein StoryboardEs hilft dir in der Regel ungemein, wenn du in einem kleinen Storyboard deine Idee in Form einer kleinen Kurzgeschichte umsetzt. Das bringt dich dazu, das Wesentliche auf den Punkt zu bringen. Und es erleichtert es anderen Menschen, das Besondere an deiner Idee zu verstehen. Jetzt, wo du die anderen Felder ausgefüllt hast, weißt du sicherlich schon, was besonders wichtig zu erzählen ist. Anstatt die Schritte aufzuschreiben, ist es besser, wenn du kleine Skizzen anfertigst – wie einen Comic. Diese müssen nicht toll gezeichnet sein. Es geht um die Idee, die Geschichte!Dein Feedback!Wir sind immer dabei, unsere Materialien zu aktualisieren und weiter zu entwickeln. Wir freuen uns deshalb, wenn du uns dein Feedback zum Ideen Canvas gibst und deine Erfahrungen und Tipps an andere Leser*innen dieses Beitrags weiter gibst. Schreibe dazu doch einfach einen Kommentar!