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Bea Johnson: Das Zero-Waste-Büro

Bea Johnson: Das Zero-Waste-Büro

Interview mit Bea Johnson über das Zero-Waste-Büro

Bea Johnson: Das Zero-Waste-Büro

Bea Johnson ist die Autorin des Buches »Zero Waste Home« und hat damit die weltweite „Null-Müll-Lebensstil-Bewegung“ losgetreten. Zusammen mit ihrer vierköpfigen Familie erzeugt sie seit 2008 nur ein Marmeladenglas voll Müll – pro Jahr! Auch ihr Büro ist nahezu müllfrei. Wie das geht, wollten wir von ihr wissen …

Was brauchst du zum Arbeiten?

In meinem Büro gibt es nur einen Computer, eine Arbeitstisch, einen gebrauchten Drucker, einen Radiergummi und einen wieder befüllbaren Stift, um Bücher zu signieren. Außerdem habe ich eine Fernbedienung, um mit meinem Rechner Präsentationen geben zu können und einen USB-Stick aus Bambus. Aber das ist wirklich auch schon alles, was ich für meine Arbeit brauche. Es gibt keine Papierakten, Ordner, Klebeband, Büroklammern oder Textmarker.

Du machst dir nie Notizen auf Papier?

Nein, ich arbeite komplett papierlos. Das geht natürlich nicht über Nacht. Man braucht dafür eine ganze Weile und muss einiges an seinen Arbeitsgewohnheiten ändern. Man muss sich selbst und seine Aufgaben anders organisieren. Ich bin dadurch zu einem großen Fan der Google-Produkte geworden. Ich nutze Gmail für meine Emails, aber auch den Kalender und die Aufgabenverwaltung. Das Ganze läuft synchron mit meinem Smartphone. Also wenn ich zum Beispiel unterwegs bin und mir in meinem Smartphone Notizen mache, dann erscheinen diese später auch auf meinem Computer.

Aber Teil des Zero-Waste-Lebensstils ist es nicht nur, sich über die physischen Dinge Gedanken zu machen, sondern auch über den digitalen Müll. Das heißt ich bin auch auf meinem Computer eine Minimalistin. Ich habe nichts auf meinem Desktop. Und ich nutze zwar Dropbox, um Daten in der Cloud zu speichern. Aber ich limitiere mich selbst, indem ich nur die kostenfreie Version mit begrenztem Speicherplatz nutze. Dadurch muss ich achtsam sein, was ich speichere. Denn alles, was ich auf dem Computer habe, habe ich auch auf der Dropbox. Dadurch habe ich immer ein Backup für meinen Rechner.

Was waren die größten Hindernisse auf dem Weg zum müllfreien Büro?

Das war ganz klar der Papierberg, den wir bis dahin angesammelt hatten. Dazu kommt, dass es manchmal gar nicht so leicht ist andere dazu zu bringen, ebenfalls papierlos zu arbeiten. Zum Beispiel hatte der Verlag, für den ich mein erstes Buch schrieb, zuvor noch niemals einen papierlosen Vertrag abgeschlossen. Aber wir haben das gemeinsam organisiert: Vom Vertrag bis hin zum Manuskript.

Und vermeidest du Plastik?

Wir haben leider keinen Computer aus Holz. Aber wir haben unseren Plastikverbrauch ganz dramatisch reduziert, indem wir ganz ganz viele elektronischen Geräte einfach nicht in unserem Haus haben. Für unseren müllfreien Lebensstil haben wir fünf Regeln: Refuse, Reduce, Reuse, Recycle und Rot. Und diese Regeln wenden wir in allen Aspekten an – inklusive im Büro und bei Elektrogeräten. Deshalb haben wir viele Geräte, die die meisten Leute in ihren Büros haben, nicht. Wir haben keinen Scanner, keinen Drucker, keine Kameras – noch nicht mal so etwas wie einen Tacker haben wir. Wir haben keinen Tesafilm, keine Radiergummis, keinen Ventilator aus Plastik. Jeder von uns hat einen wieder befüllbaren Stift. Und selbst die versuchen wir aus zweiter Hand zu bekommen. Auch die Elektronik versuchen wir aus zweiter Hand zu bekommen.

So haben wir gelernt zu ganz vielen Dingen schlicht »Nein« zu sagen. Wir haben eben nicht die neuesten Apple Gadgets. Und wenn zum Beispiel mein Smartphone kaputtgeht, dann versuchen wir es zunächst zu reparieren. Und wenn das nicht geht, dann kauft uns unser Händler das Gerät ab, um die Bestandteile für andere Reparaturen weiterzuverwenden. Dafür kaufen wir bei ihm dann ein anderes Second-Hand-Gerät. Es ist wichtig, dass man mit dem Verkauf eines alten Smartphones nicht wartet. Denn die Einzelteile können jetzt als Ersatzteile weiterverwendet werden. In fünfzehn Jahren sieht das vielleicht schon wieder ganz anders aus.

Übrigens haben meine Kinder ihre eigenen Computer selbst gebaut. Sie haben dafür auch Teile aus alten Geräten gekauft. Das ging nicht bei allen, aber bei vielen. Und nun ist das Tolle, dass sie ihre Updates und Reparaturen selbst durchführen können. Für ein Upgrade kaufen sie sich einfach das entsprechende Teil und müssen nicht mehr das gesamte Gerät austauschen. Für meinen Mann haben wir neulich einen aufbereiteten Second-Hand-Rechner gekauft. Und es gibt mittlerweile eine ganze Reihe von Unternehmen, die das anbieten. Selbst bei Apple gibt es auf der Homepage mittlerweile einen Bereich für wiederaufbereitete Computer. Also man muss nicht immer das Neueste kaufen.

Wie hat all das deine Arbeit verändert?

Das ist der eigentliche Grund, warum man ein einfaches, minimalistisches Leben führt. Denn papierlos zu leben ist ein Bereich des Minimalismus, den wir uns für unseren einfachen, müllfreien Lebensstil angeeignet haben. Dabei geht es vor allem um das »Refuse« und »Reduce«. Also darum, die Dinge loszulassen, die man in Wirklichkeit gar nicht braucht. Und wenn man so Schritt für Schritt lernt, »Nein« zu den Dingen zu sagen, die man nicht braucht – dann entdeckt man eben dieses einfache Leben.

Und dieses einfache Leben macht Platz für das, was einem im Leben am wichtigsten ist. Es erleichtert es einem, sich wirklich auf das zu konzentrieren und zu fokussieren, was einem wirklich wichtig ist: Auf die Familie, die Freunde, die Arbeit. Man sieht auf einmal die Prioritäten im Leben viel klarer.

Was sind gut erste Schritte?

Der erste und wichtigste Schritt ist es, sich zu verweigern. Es ist wichtig, dass man die oben genannten Regeln in dieser Reihenfolge angeht: Je mehr man ablehnt, desto weniger muss man reduzieren. Je weiter man die Dinge reduziert, desto weniger muss man wiederverwenden oder reparieren. Deshalb ist der allererste Schritt – zuhause und im Büro – »Nein« zu sagen.

In unserer Konsumgesellschaft wollen und müssen uns viele Unternehmen dazu bringen, immer wieder neue Produkte zu kaufen. Aber jedes Mal, wenn wir diese akzeptieren, erschaffen wir eine weitere Nachfrage. Deshalb ist es wirklich sehr wichtig, dass wir lernen auf der Stelle »Nein« zu all diesen Dingen zu sagen. Und so kann man nicht nur die Nachfrage nach mehr stoppen, sondern auch verhindern, dass all diese Dinge in die eigenen vier Wände gelangen und zu einem Müllproblem werden.

Also wenn du das nächste Mal Werbepost bekommst, dann unternimm etwas, damit diese Unternehmen dir keine Werbepost mehr schicken. Sag ihnen, sie sollen deine Adresse aus ihrer Datenbank nehmen und deine Daten auch nicht weitergeben. Denn ansonsten bekommst du künftig noch von weiteren Unternehmen Werbesendungen. Oder wenn du das nächste Mal bei einer Konferenz bist und einen Werbestift oder ein anderes Geschenk angeboten bekommst, dann sage »Nein«. Selbst bei einer Visitenkarte.

Wer diese Dinge akzeptiert, erzeugt eine Nachfrage nach mehr und ein Müllproblem. Nein zu sagen ist nicht immer einfach. Da muss man manchmal einen guten Weg finden, wie man das machen kann. Also zum Beispiel, wenn mir jemand eine Visitenkarte geben will, dann sage ich »Nein, danke – aber ich fotografiere sie gerne ab, dann habe ich Ihre Kontaktdaten«.

Bea Johnson

erzählt in ihrem Buch »Zero Waste Home – Glücklich leben ohne Müll«, wie sie ihr Leben vereinfachte, indem sie ihren Müll zu Hause drastisch reduzierte. Heute produzieren Bea, ihr Ehemann und ihre zwei Söhne nur noch ein Glas voll Abfall im Jahr. Dennoch - oder eigentlich gerade deswegen hat sich ihr Leben positiv verändert: Sie haben mehr Zeit für sich, ihre Ausgaben sind um 40 % pro Jahr geschrumpft, und sie sind gesünder, als je zuvor.

Das Buch ist voller Insider-Tipps und Tricks. Es enthält viele hunderte praktische Ratschläge, sodass jede und jeder ohne Müll leben kann: Vom Einkauf bis zum Kochen; vom Waschen bis zum Pflegen; vom Schenken bis zum Reisen. https://zerowastehome.com | Buch bestellen bei buch7.de

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