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Dynamic Facilitation - eine Anleitung
Art of Hosting: Die Kunst des Gastgebens und Erntens guter Gespräche
Design Thinking: Ein Prozess um vom Problem zu guten Lösungen zu kommen
Design Thinking: Vom Problem zum Prototyp

Aus Träumen richtig gute Ideen machen

Wie machst du aus einem spontanen Geistesblitz eine richtig gute Idee, die andere begeistert? Das Design Thinking bietet dazu hilfreiche Gedanken, Anleitungen und Schritte. Wie denken eigentlich wirklich kreative Menschen? Zum Beispiel Designer? Wie kommen die bloß immer wieder auf so genial einfache Lösungen für Probleme, bei denen man sich hinter fragt: Wieso hat sich das bloß noch keiner gedacht!?! Wenn es nach der Ideenschmiede IDEO und der D-School an der us-amerikanischen Universität Stanfort, dann lautet die Antwort darauf: Design Thinking!Diese haben nämlich untersucht, wie kreatives Denken funktioniert. Dabei haben sie herausgefunden: Es gibt einmal das divergente Denken – also das Denken, dass in die Breite geht, möglichst viele Fakten, Ideen, Einsichten, Erfahrungen und Antworten sammelt. Und dann gibt es das konvergente Denken – also das Denken, das selektiert und auswertet. Das nach Machbarkeit, Nützlichkeit, Finanzierbarkeit und noch vieles mehr fragt. Im Grunde ist das genauso wie bei der berühmten Kreativtechnik des Brainstorming: Erst sammelt man dabei möglichst viele Ideen – egal wie gut sie sind. Und dann bewertet man sie und wählt die besten aus.Die 6 Schritte des Design ThinkingDesign Thinking ist jedoch ein bisschen komplexer, als das Brainstorming. Es hat nicht nur zwei, sondern sechst Schritte. Und durch diese Schritte bewegt man sich auch nicht zwangsläufig linear hindurch. Vielmehr kann man darin auch Korrekturschlaufen und Gedankenkreise drehen. Die folgende Grafik zeigt die sechs Schritte, auf die wir dann darunter noch genauer eingehen:1. VerstehenIn dieser ersten Phase geht es darum, möglichst viele Informationen zu einem Problem, einer Situation oder einer Entwicklung zusammen zu tragen. Du solltest das Thema wirklich richtig gut verstehen lernen. Und nicht nur die Sache selbst, sondern auch sein Umfeld und alles. Das beinhaltet auch, dass du dir überlegst, wer eigentlich diejenigen sind, die von deiner Idee oder deinem Projekt betroffen sind (im positiven wie im negativen Sinne). Wir nennen sie im folgenden „Stakeholder“. Vielleicht klingen für dich aber auch Worte wie „Nutzer“ oder „Zielgruppen“ richtiger.Am Ende dieser Design-Thinking-Phase hast du deine Stakeholder und eine Reihe von Ausgangshypothesen bzw. offene Fragen. Im zweiten Schritt suchst du nach weiteren Antworten und überprüfst deine Hypothesen2. BeobachtenIm zweiten Schritt des Design-Thinking-Prozesses klärst du ab, ob das, was du dir in Schritt eins gedacht hast, auch wirklich mit der Realität übereinstimmt. Oft denken wir ja, dass wir eine super Idee haben, auf die die Welt nur gewartet hat. Sehr leicht „verliebt“ man sich dabei so in eine Idee, dass man sie nicht mehr richtig einschätzen kann. Wenn du sie dann umsetzt, ohne vorher einmal überprüft zu haben, ob du damit auch wirklich richtig liegst, dann kann das ein echtes Risiko für deinen Erfolg bedeuten (wie auch immer du diesen definierst!).Deshalb geht es beim Design Thinking nun nach draußen: Du verlässt dein Büro, deine Werkstatt oder wo auch immer du bislang über deiner Idee gebrütet hast, und beobachtest. Wie, wo und wen genau, das hängt natürlich von deiner Idee ab. Generell gesagt, hast du dabei folgende Möglichkeiten:Du befragst Menschen: Dabei solltest du darauf achten, dass du offene Fragen stellst und selbst nicht mehr als einen Redeanteil von 10 Prozent hast. Das bedeutet auch, das du schnell und gut auf den Punkt bringen musst, worum es bei deiner Idee geht und was du wissen willst. Dokumentiere deine Befragungen. Am besten gehst du dazu mit jemand weiterem gemeinsam los. Dann kann einer die Person befragen und der andere macht sich Notizen. Allerdings können nicht immer alle Menschen genau sagen, was sie sich eigentlich wünschen, was sie brauchen oder was aus ihrer Sicht die beste Lösung wäre. Deshalb lohnt es sich auch über die folgenden Möglichkeiten nachzudenken.Du begleitest Menschen: Zum Beispiel bei ihrer Arbeit, beim Einkaufen, bei ihrer Freizeitbeschäftigung – je nach dem, was du untersuchen möchtest. Planst du zum Beispiel einen Unverpacktladen, dann kann es vielleicht hilfreich sein, einen Tag lang auf einem Wochenmarkt zu verbringen und die Einkaufsbgewohnheiten der Menschen zu beobachten.Du lässt Menschen kreativ sein: Das kann bedeutet, dass du eine Art Workshop machst, in dem die Menschen gemeinsam einen Prototypen ihrer Idealvorstellung bauen (wie würde mein perfekter Unverpacktladen aussehen?). Oder du lädst sie ein, ein Tagebuch zu führen über ihre Gewohnheiten in Bezug auf deine Idee. Es gibt viele Möglichkeiten. Was genau passt, hängt von deiner Idee ab.3. SyntheseAus allen Informationen, die du in Schritt eins und zwei gesammelt hast, leitest du nun bei der Synthese deinen Sinn ab. Hier formulierst du die zentralen Herausforderungen, die du mit deiner Idee oder deinem Projekt lösen möchtest. Das ist in der Regel die zentrale Frage. Und wie heißt es so schön: Die richtige Frage zu stellen ist der wichtigste Punkt, wenn du eine Lösung finden willst.Deshalb ist es sehr wichtig, dass du diese Phase mit viel Sorgfalt, Zeit und Kreativität angehst. Lade dir doch Leute dazu ein, die dich dabei unterstützen können. Hilfreich ist es auch, wenn du kreativ wirst, und deine Gedanken, Informationen und Erfahrungen visualisierst. So ist es zum Beispiel eine gute Unterstützung, wenn du für deine Stakeholder Personas erschaffst.Dabei handelt es sich nicht um eine Zielgruppenbeschreibung. Vielmehr erfindest du konkrete Menschen – mit einem bestimmten Aussehen, bestimmten Eigenschaften, Charakterzügen, Vorlieben, Problemen, Wünschen und Ansichten. Diese helfen dir dann im weiteren Verlauf dir ganz konkret vorzustellen, wie sie mit deiner Idee oder deinem Projekt umgehen würden.Eine Anleitung zum Ideen prüfen und eine PDF-Vorlage zur Entwicklung einer Persona zum Herunterladen und Ausdrucken gibt es bei uns auf der Website übrigens auch. Folge einfach dem Button unten:Ideen prüfen & Persona Vorlage (PDF)4. Ideen entwickelnErst jetzt kommt das, was sich die meisten Menschen unter einem „Kreativprozess“ vorstellen: Es geht daran, Ideen zu entwickeln. Dabei gehst du wieder in die Breite und entwickelst so viele Ideen, wie du nur kannst. Die Qualität spielt erst mal keine Rolle – es kommt nur darauf an, dass es viele sind.Außerdem gilt dabei auch der Grundsatz, dass du lieber zu groß denken solltest, als zu klein. Denn es ist immer möglich „zu große“ Ideen kleiner zu machen. Doch kleine Ideen größer zu denken ist nicht immer möglich – oder jedenfalls schwieriger.Du kannst deinen Ideenfindungsprozess mit einer ganzen Reihe von Kreativitätstechniken unterstützen. Dazu gehören unter anderem das Brainstorming, das Brainwriting, das Mindmapping, das Clustering oder die Kopfstandmethode. Eine Liste von Kreativitätstechniken findest du auch bei Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Kreativit%C3%A4tstechniken5. Prototypen„Scheiter schnell und oft“ lautet ein Motto des Design Thinking. Gemeint ist dabei, dass du so schnell du nur kannst, deine in Schritt vier entwickelten Ideen wieder an der Realität misst – dir also Feedback von außen, vom Markt, von deinen Kunden, Mitstreitern, Politikern, Journalisten, Nachbarn etc. einholst – wer auch immer wichtig für den Erfolg deines Projektes ist. Das bedeutet, dass du nicht wartest, bis du dein Projekt verwirklicht hast – sondern dass du so früh wie möglich einen Prototypen oder auch Testdummy machst.Hilfreich ist dabei, dass du nicht wartest, bis du eine bestimmte Stufe an Durchdachtheit oder Perfektion erreicht hast. Setz dir lieber ein Datum wie „in einem Monat ist mein erster Prototyp fertig“ – egal wie unvollkommen er auch sein mag!Für Prototypen gibt es – ähnlich wie beim Schritt zwei, dem Beobachten – viele verschiedene Möglichkeiten. Einige sind:Bau ein 3D-Modell (zum Beispiel von einer Schütte deines Unverpacktladen und teste ihn auf dem Wochenmarkt)Zeichne ein 2D-ModellEntwerfe ein Comic, das zeigt, was passiert, wenn dein Projekt Wirklichkeit istErzähle eine Geschichte, die zeigt, was passiert, wenn dein Projekt Wirklichkeit istSpiele ein kleines Theaterstück vorMach einen Film (zum Beispiel so ein Pitch-Video, wie du sie vielleicht von Crowdfunding-Kampagnen kennst)Modelliere etwas aus KneteBau etwas aus Lego-SteinenKlebe eine Collage aus Bildern, die du aus Zeitschriften ausgeschnitten hastNimm einen Block und male auf die einzelnen Seiten die unterschiedlichen Zustände deiner App oder WebsiteNaja, und noch vieles mehr. Du wirst etwas finden. Du bist ja kreativ :-)6. TestenIm letzten Schritt des Design Thinking testes du deinen Prototypen. Das heißt du gehst – wie beim Beobachten in Schritt 2 – raus und holst dir ein Feedback auf deine Geschichte, dein Modell, dein Video etc. Wichtig ist, dass du den Leuten nicht sagst, was sie tun sollen. Nimm dich so weit wie möglich zurück. Beobachte vor allem und stelle fest, was die Leute verstehen und was nicht:Welche Fragen kommen? Welche Kritikpunkte gibt es? Nimm alles ernst und fühle dich davon nicht persönlich angegriffen. Mach dir bewusst, dass alle Kritik und alle Nachfragen Rohstoffe sind, mit denen du deine Idee weiter ausfeilen und verfeinern kannst. Denn mit dem, was du in dieser Phase sammelst, kannst du zum Beispiel wieder beim Schritt drei „Synthese“ einsetzen – oder auch beim Schritt vier „Ideen sammeln“.Oder vielleicht ist dein Prototyp auch schon so ausgereift, das du zu Schritt fünf zurück gehst und einen neuen Prototypen baust, in den die Ideen aus den Tests mit einfließen und den du dann wieder testest. So lange, bis du dir sicher bist, dass das, was du da in deinen Händen hast, auch wirklich das ist, was die Welt da draußen braucht!Fazit: Design ThinkingDesign Thinking findet in allen möglichen Bereichen Anwendung – also nicht nur für öko-soziale Projekte. Und doch hat sich gezeigt, dass allein der Austausch mit den „Menschen da draußen“ und die Suche nach ihren wahren Bedürfnissen dazu führt, dass sich Design Thinker oft ökologischen und sozialen Problemen stellen. Kein Wunder, das umgekehrt auch viele Social Entrepreneure diesen Prozess und diese Denkweise für sich entdeckt haben.Wir selbst halten uns mit unseren Projekten mal mehr und mal weniger an diese sechs Schritte. Nicht immer ist eine so starke Orientierung an dem, was andere sich wünschen sinnvoll. Also Künstler muss man beispielsweise auch einfach seine Botschaft in die Welt bringen – egal, wie viele Menschen das hören wollen. Und als Streiter*in für eine (gerechte) Sache zählen vielleicht auch einfach nur die Fakten – und nicht die (vielleicht unreflektierten) Ansichten der Mehrheit.Doch in sehr sehr vielen Fällen hat sich gezeigt, dass die Sicht von außen auf die eigene Idee, einen unheimlich weiterbringt. Deshalb können wir es nur jedem empfehlen, den Design-Thinking-Prozess zumindest einmal auszuprobieren. Prototypen in ihren unterschiedlichsten Formen alleine sind eine wertvolle Hilfe. Denn bereits bei ihrer Umsetzung merkt man oft schon, was so gar nicht funktioniert.Design Thinking lernenIn Deutschland wir Design Thinking in der School of Design Thinking am Hasso Plattner Institut (HPI) gelehrt. Dabei gibt es einen sogenannten „Basic Track“ und einen „Advanced Track“. Daneben gibt es die „Global Design Thinking Week“ während der Studierende des HPI zusammen mit Externen ein reales Projekt umsetzen. Als Externe*r kann sich jede*r bewerben. https://hpi.de/school-of-design-thinking.html

Norbert Kunz: Soziale Innovationen

Norbert Kunz ist Sozialunternehmer und sorgt als Geschäftsführer der Social Impact GmbH dafür, das in den Social Impact Labs jährlich jede Menge sozialer Innovationen entstehen. Wir haben ihn gefragt, wie aus einer ersten Idee ein gutes Konzept wird. Woran erkennen man eine Soziale Innovation?Wir unterscheiden zwischen Invention und Innovation. Auf der einen Seite schauen wir uns an, ob eine Idee wirklich neuartig ist: Gab es das am Markt noch nicht? Oder wodurch unterscheidet sich das von dem, was es bereits gibt? Manchmal muss man aber auch sagen, dass es bestimmte Ideen aus gutem Grund noch nicht gab. Oder es gab sie schon, aber sie konnten sich nicht durchsetzen, weil es dafür keinen Bedarf oder keine Nachfrage gibt. Das ist das Risiko, wenn man mit etwas ganz Neuem starten möchte. Man glaubt immer gerne, dass man der Erste ist mit dieser Idee. Es kann aber durchaus sein, dass es schon hundert andere Menschen gab, die diese Idee hatten und erkennen mussten, dass sie sich gar nicht umsetzen lässt.Deshalb schauen wir nicht nur auf die Neuartigkeit einer Idee, sondern auf ihren Nutzen für den Betroffenen, den Bedürftigen, die Umwelt: Stimmt hier die Kosten-Nutzen-Relation? Oder wäre ein Problem auch schon gelöst, wenn man ein anderes Projekt anders strukturieren würde? Wäre es zum Beispiel sinnvoller in andere Projekte zu investieren, um sie zu skalieren, als etwas ganz Neues auf den Markt zu bringen?Wie kommen Menschen auf neuartige Ideen?Also wenn wir so auf unsere Projekte im Social Impact Lab zurückschauen und beobachten, welche Erfolg hatten, dann stellen wir fest, dass es in ganz vielen Fällen einen biografischen Bezug gibt. Das kann Erlebnis sein oder etwas in der Familie. Etwa, weil jemand in Afrika irgend etwas gesehen hat und nun etwas tun muss. Oder, weil jemand in der Familie krank wurde oder ähnliches. In 70 Prozent der Fälle lässt sich so eine persönliche Beziehung erkennen zwischen der unternehmerischen Leistung und dem biografischen Hintergrund. Das ist ein sehr wichtiger Erfolgsfaktor. Denn dann entwickelt man eine Idee nicht für einen Markt oder weil man viel Geld verdienen will. Solche Erwartungen werden oft schnell enttäuscht und dann halten die Gründer das nicht durch.Doch woher kommt die Idee? Meist ist sie nicht erarbeitet. Sie fliegt den Menschen zu. Uns allen fliegen ja die ganze Zeit Ideen zu. Da steht man unter der Dusche und da fällt einem etwas ein. Und dann denkt man: „Oh, das könnte etwas sein“. Etwa dem Gründer von Discovering Hands Dr. med. Frank Hoffmann kam unter der Dusche die Idee zu seinem Sozialunternehmen, in dem blinde Menschen Brustkrebsvorsorge betreiben. Dann fragt sich, ob ich diese Frage aufgreife und daran arbeite – oder nicht. So kommen und gehen Ideen. Aber manche bleiben eben. Und manche Menschen fangen dann an, daran zu arbeiten.Das zu erkennen ist ganz wichtig: Eine Unternehmensgründung ist keine reine Inspiration, sondern sehr viel Arbeit. Dessen sollten sich Gründer bewusst sein. Die wichtigste Arbeit ist, Informationen zu gewinnen. Was man im Gründungskontext jedoch immer wieder feststellen kann ist, dass Gründerinnen und Gründer nicht hinreichend auf Fragen und Einwände eingehen. Sie sind so von ihrer Idee überzeugt, dass sie ungern Einwände oder kritische Fragen hören. Dabei sind sie wichtige Rohstoffe, für die Gründer dankbar dafür sein sollten. Ich glaube auch, dass ist der Grund, warum Frauen in der Regel bessere Gründer sind als Männer: sie sind sorgfältiger. Das kommt daher, dass sie meist etwas risikoscheuer sind. Deshalb stellen sie mehr Fragen und nehmen die Antworten ernster. Männer glauben hingegen öfter, dass sie alles schon längst wissen – und dass sie deshalb gar nicht mehr zu fragen brauchen.Wie komme ich von der Idee zur Umsetzung?Durch viel Arbeit. Dabei durchläuft man eine Welle: Man fängt oben an – man hat so eine uninformierte Euphoriephase. Man ist von seiner Idee total begeistert, hat aber keine Ahnung vom Umfeld, dem Kontext und dem Arbeitsfeld, das dahinter steckt. Dann fängt man an, an der Idee zu arbeiten und landet irgendwann in einer informierten Destruktionsphase. Dann ist man so gut informiert, dass man zweifelt , ob sich die Idee denn tatsächlich umsetzen lässt. Durch dieses Tal muss tatsächlich jeder hindurch. Dort kommt man automatisch hinein. So durchläuft man bei einer Gründung unterschiedliche Wellen. Und dazwischen findet viel Arbeit statt.Wie kann ich mit den Auf und Abs positiv umgehen?Das ist eine Frage, die wir am Anfang bei uns gar nicht so gesehen hatten. Aber es hat sich gezeigt, dass das Umfeld, das Gründungsklima bei uns in den Social Impact Labs ideal ist, um solche Stimmungen aufzufangen: Alle beginnen mit der gemeinsamen Euphorie, die Welt besser zu machen. Das führt zu einer sehr offenen und kollaborativen Stimmung. Das ist anders, als man das von klassischen Gründungszentren kennt, wo meist die Angst vorherrscht, jemand könnte die eigenen Ideen klauen.In den Social Impact Labs wollen die Leute ihre Ideen dagegen offenlegen, um einen den größtmöglichen gesellschaftlichen Nutzen zu erreichen. Man fragt sich gegenseitig: „Wie geht es dir eigentlich?“ Und wenn man dann hört: „Och, mir geht es ganz schlecht, ich weiß gar nicht, ob das zum Erfolg führt, was ich hier mache – und das funktioniert nicht und jenes nicht.“ kann man sagen: „Ja, so ging es mir auch schon, aber ich habe es geschafft“. Das hilft ganz wesentlich, durch die Täler zu kommen.Tatsächlich sind diese Wellenbäder wichtig, denn sie führen zu einer gewissen Resilienz. Das braucht man später auch als Unternehmer, denn da geht es ja auch immer auf und ab. Ich hab da gerade ein Projekt vor Augen, die vor zwei Jahren gestartet sind und nun total im Keller waren, weil sie kurz vor der Insolvenz standen Sie haben aber weiter gearbeitet und zwei Wochen später einen Investor gefunden, der die nächsten 2,5 Jahre durchfinanziert. Das ist so ein typisches Wellenbad. Da hilft eine Peer-Group, die ähnliche Phasen durchlebt und sagt, wie sie mit ähnlichen Situationen umgehen, viel mehr als Coaches und Supervisionen. Denn die sind natürlich viel authentischer.Kann ich also gar nichts planen?Doch natürlich. Allerdings arbeiten wir auf Basis des Business-Modell-Canvas. Das heißt, wir entwickeln die Projekte agil und erstellen keine Business-Pläne. Ansonsten läuft man schnell Gefahr, dass man nicht auf die Umwelt guckt. Uns geht es aber darum, agile Strukturen zu schaffen.In der Gründungsthematik nennt man das Effectuation. Das bedeutet, dass man zwei Schritte plant und nach vorne geht. Dann bewertet man diese Schritte und macht möglicherweise auch noch mal einen Schritt wieder zurück. Und dann wählt man den nächsten Ansatz. Das führt zu einem Lernprozess, der sich über mehrere Phasen erstreckt. Dabei versucht man herauszuarbeiten, wo die Chancen und Risiken eigentlich liegen, was der richtige Weg ist, wer die richtigen Partner sind und vieles mehr. Das ist ein sehr intensiver Prozess des Arbeitens und Ausprobierens sowie der Befragung von Kunden und Stakeholdern.Und was ist das Business-Modell-Canvas?Im BMC ist so eine Art Poster mit verschiedenen Themenbereichen, die alle wesentlichen Leistungsbestandteile andecken, die für die Geschäftsentwicklung wichtig sind. In diesen Bereichen sind idealerweise ganz viele Post-Its. Darauf stehen lauter Fragen, Annahmen und Thesen zu allen wesentlichen Leistungsmerkmalen. Diese hinterfragen die Gründer in so einer Art agilem System immer wieder und überarbeiten sie – bis sie irgendwann erste Antworten haben. Die prüfen sie dann und erhalten Ergebnisse. So konkretisieren sich nach und nach die einzelnen Leistungselemente des Unternehmens. In allen 8 Leistungsbereichen.Im Zentrum steht die Frage nach dem Kundennutzen. Da gibt es einen Customer-Value-Proposition-Bereich, an dem Gründer ganz intensiv arbeiten sollten: Was sind eigentlich die Needs meiner Kunden und wie gehen meine Kunden momentan mit ihrem Problem um? Was sind ihre Handlungsstrategien? Und was würden sie sich wünschen – also welche Form der Unterstützung, welches Produkt oder welche Dienstleistung? Dazu nutzen wir sogenannte Personas. Das sind exemplarische Kunden mit ganz konkreten biografischen Hintergründen und der Beschreibung, wie sie mit einem bestimmten Problem umgehen.Daneben gibt es weitere Leistungsbereiche: Wer sind meine Finanzierungspartner und wie sichere ich die Finanzierung? Wie baue ich meine Kommunikationskanäle auf? Was sind meine wichtigsten Stakeholder? Welche Ressourcen benötige ich zur Entwicklung dieses Geschäftskonzeptes? Und auf welche Ressourcen kann ich jetzt schon zugreifen? Auf welche Komponenten kann ich zugreifen? Wie muss mein Team ausgeprägt sein? Wie sieht unser Leitbild aus?Norbert Kunzberät und unterstützt seit über zwanzig Jahren Existenzgründer*innen und hat als Mitbegründer verschiedener Organisationen an der Entwicklung sozialer Innovationen mitgewirkt. Seit einigen Jahren konzentriert sich der Geschäftsführer der gemeinnützigen Social Impact GmbH auf den Aufbau einer Infrastruktur für soziale Innovationen und auf die Unterstützung von Social Startups: 2011 gründete er das erste Social Impact Labs in Berlin 2011. Heute gibt es bundesweit Social Impact Labs mit einer Vielzahl von Gründungsunterstützungsprogrammen.Für sein Engagement erhielt Norbert Kunz unter anderem eine Auszeichnung als Ashoka-Fellow, von der Schwab Foundation als Social Entrepreneur des Jahres 2010 und den Sustainable Entrepreneurship Award. https://socialimpact.eu/

Business Modell Canvas

Öko-faire Geschäftsmodelle entwickeln

Die Theory von Otto Scharmer
Theory U

Ideen Methode Träumen

Wie können wir echte soziale und ökologische Innovationen entwickeln und den so dringend nötigen Wandel gemeinsam schaffen? Durch einen U-förmigen Prozess meint der MIT-Senior-Dozent Otto Scharmer. Und zwar mit seiner Theory U. Die Theorie U ist eine Methode für Veränderungen in Unternehmen und Organisationen- Entwickelt hat sie der Senior Dozent am Massachusetts Institute of Technology (MIT) Otto Scharmer. Schon während seines Doktorstudiums an der Universität Witten/Herdecke studierte Scharmer eine ähnliche Methode in den Klassen des österreichischen Ökonomen Friedrich Glasl. Später nahm er die Grundprinzipien der Methode auf und erweiterte sie zu einer Theorie des Lernens und des Management. Er nannte sie „Theorie U“.Seinen Namen erhielt die Methode aufgrund des U-förmigen Prozesses. Am linken Ende des Us steht eine Diagnose des gegenwärtigen Zustandes. Und am rechten Ende liegen die Zukunftsvisionen. Dazwischen durchlaufen die Menschen einen U-förmigen Tiefgang, der aus vier Ebenen und sieben Phasen besteht.Die drei Bewegungsebenen der Theory UGewohnheitswelt: In der gewohnten Welt befinden wir uns in einem Zustand, den Otto Scharmer als „Downloading“ bezeichnet. Wir nehmen nur wahr, was wir ohnehin schon kennen, wissen und denken. Dieser Zustand gleicht einem Haus mit herunter gelassenen Rolladen.Dingwelt: Öffnen wir unser Denken, halten inne und sehen wirklich hin, dann können wir auf einer faktischen Ebene neue Informationen aufnehmen. Wir lernen neue Dinge, erkennen neue Zusammenhänge oder erfahren neue Informationen.Du-Welt: Öffnen wir unser Fühlen (unser Herz), können wir von der Ding- in die Du-Welt gelangen. Wir fühlen uns in andere ein, nutzen unsere empathischen Fähigkeiten und können die Welt aus der Perspektive anderer (auch emotional) wahrnehmen.Quelle: Der Übergang zu dieser Ebene geschieht, wenn wir unseren Willen öffnen, loslassen und eine absichtslose Leere annehmen. Dann können wir in einen Zustand des „Presencing“ gelangen, wie Scharmer dies nennt. Mit dieser Wortschöpfung aus „Present“ und „Sensing“ beschreibt er einen Zustand des Flow oder der Inspiration, in der die Weisheit aus einer nicht rational greifbaren Quelle in unser Bewusstsein gelangt. Oft ist dies eine kollektive Erfahrung.Die sieben Phasen der Theory UEinen Überblick über die vier Ebenen und die darin befindlichen sieben Phasen gibt die folgende Grafik. Der Prozess der Theory U sieht eine Bewegung von links oben über die Mitte unten nach rechts oben vor. Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch die Erkenntnis, dass wir normalerweise versucht sind in direkter Gerade von links oben nach rechts oben zu gehen – also den tiefen, bewusstseinsverändernden Weg durch das U auszulassen. Dadurch, so Scharmer, gelangen wir aber immer nur zu Lösungen, die „mehr vom Selben“ sind. Wir denken uns dann immer nur Dinge aus, die es schon gibt.Wirkliche Innovation – wie wir sie brauchen, um einen echten öko-sozialen Wandel in Unternehmen, Organisationen, Institutionen und der Gesellschaft hinzubekommen – gelingen so aber nicht. Dazu brauchen wir nach Scharmer eben den U-Prozess, während dem sich tiefere Schichten der Realitätswahrnehmung eröffnen. Dadurch gelangen wir laut Scharmer in einen Zustand, in dem wir Ideen aus der Zukunft heraus erdenken und entwickeln können (und nicht auf Basis unserer Erfahrungen, also der Vergangenheit).Theory U erlernenOtto Scharmer vermittelt die Theory U in weltweiten MOOCs (Massiv Open Online Courses). Dazu gehören Online Live-Sessions mit Scharmer selbst, Aufgaben und vorbereitete Videos. Außerdem gibt es parallel zu den laufenden Kursen Nutzer*innengruppen in vielen Städten, die sich die Live-Sessions gemeinsam anschauen und auch die Übungen gemeinsam durchführen. Die Infos zur Vernetzung findest du, wenn du an dem Kurs teilnimmst. Weitere Infos findest du unter: https://www.presencing.org

Verlosung: Verschenke ein Buch

Kennst du einen Menschen, der eine super Idee hat für eine öko-soziales Projekt – oder der ein ganz tolles Projekte für den öko-fairen Wandel bereits am Laufen hat? Und würdest du diesem Menschen gerne eine Freude machen, ihm Inspiriation, Ermutigung und Anregungen schenken?Dann mach mit bei unserer Verlosung!Zum Start unseres neuen Buches "Faironomics" verlosen wir 5 x 1 Exemplar.Du kannst bis zum 10. Juni 2019 (24 Uhr) teilnehmen. Und so einfach geht das:Schritt 1: Wer soll das Buch bekommen?Schreibe unter diesem Beitrag als Kommentar, auf Facebook oder per Email, wem du warum das Buch schenken möchtest. Du kannst dabei Namen und Projekt nennen (inklusive Website oder Facebook-Seite) – oder das Ganze anonym machen (so nach dem Motto "Mein Nachbar organisiert ein Repair-Café" oder "Meine Schwester will sich mit einem Unverpackt-Laden selbständig machen")Schritt 2: Wie lautet die Widmung?Schreibe uns – wenn du möchtest – auch deinen Text für die Widmung! Das ist deine Gelegenheit, ihm oder ihr zu sagen, warum du es so toll findest, was er oder sie macht!Schritt 3: Gewinne mit etwas Glück!Schreibe uns bis zum 10 Juni 2019 um 24 Uhr! Denn am 11. Juni ziehen wir die fünf Gewinner*innen! Wir nehmen Kontakt zu dir auf. Wenn du eine Widmung möchtest, schreiben wir sie dir ins Buch und senden es dir zu.Wir wünschen dir viel Glück und drücken dir die Daumen!!!

Ideen prüfen und weiter entwickeln mit dem Ideen Canvas
Norbert Kunz, Social Impact Lab: "Fragen und Kritik sind Rohstoffe für gute Ideen"

Norbert Kunz: Innovationen sind harte Ar ...

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