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#Aus Träumen richtig gute Ideen machen

Design Thinking: Vom Problem zum Prototyp
Design Thinking: Ein Prozess um vom Problem zu guten Lösungen zu kommen

Wie machst du aus einem spontanen Geistesblitz eine richtig gute Idee, die andere begeistert? Das Design Thinking bietet dazu hilfreiche Gedanken, Anleitungen und Schritte. Wie denken eigentlich wirklich kreative Menschen? Zum Beispiel Designer? Wie kommen die bloß immer wieder auf so genial einfache Lösungen für Probleme, bei denen man sich hinter fragt: Wieso hat sich das bloß noch keiner gedacht!?! Wenn es nach der Ideenschmiede IDEO und der D-School an der us-amerikanischen Universität Stanfort, dann lautet die Antwort darauf: Design Thinking!Diese haben nämlich untersucht, wie kreatives Denken funktioniert. Dabei haben sie herausgefunden: Es gibt einmal das divergente Denken – also das Denken, dass in die Breite geht, möglichst viele Fakten, Ideen, Einsichten, Erfahrungen und Antworten sammelt. Und dann gibt es das konvergente Denken – also das Denken, das selektiert und auswertet. Das nach Machbarkeit, Nützlichkeit, Finanzierbarkeit und noch vieles mehr fragt. Im Grunde ist das genauso wie bei der berühmten Kreativtechnik des Brainstorming: Erst sammelt man dabei möglichst viele Ideen – egal wie gut sie sind. Und dann bewertet man sie und wählt die besten aus.Die 6 Schritte des Design ThinkingDesign Thinking ist jedoch ein bisschen komplexer, als das Brainstorming. Es hat nicht nur zwei, sondern sechst Schritte. Und durch diese Schritte bewegt man sich auch nicht zwangsläufig linear hindurch. Vielmehr kann man darin auch Korrekturschlaufen und Gedankenkreise drehen. Die folgende Grafik zeigt die sechs Schritte, auf die wir dann darunter noch genauer eingehen:1. VerstehenIn dieser ersten Phase geht es darum, möglichst viele Informationen zu einem Problem, einer Situation oder einer Entwicklung zusammen zu tragen. Du solltest das Thema wirklich richtig gut verstehen lernen. Und nicht nur die Sache selbst, sondern auch sein Umfeld und alles. Das beinhaltet auch, dass du dir überlegst, wer eigentlich diejenigen sind, die von deiner Idee oder deinem Projekt betroffen sind (im positiven wie im negativen Sinne). Wir nennen sie im folgenden „Stakeholder“. Vielleicht klingen für dich aber auch Worte wie „Nutzer“ oder „Zielgruppen“ richtiger.Am Ende dieser Design-Thinking-Phase hast du deine Stakeholder und eine Reihe von Ausgangshypothesen bzw. offene Fragen. Im zweiten Schritt suchst du nach weiteren Antworten und überprüfst deine Hypothesen2. BeobachtenIm zweiten Schritt des Design-Thinking-Prozesses klärst du ab, ob das, was du dir in Schritt eins gedacht hast, auch wirklich mit der Realität übereinstimmt. Oft denken wir ja, dass wir eine super Idee haben, auf die die Welt nur gewartet hat. Sehr leicht „verliebt“ man sich dabei so in eine Idee, dass man sie nicht mehr richtig einschätzen kann. Wenn du sie dann umsetzt, ohne vorher einmal überprüft zu haben, ob du damit auch wirklich richtig liegst, dann kann das ein echtes Risiko für deinen Erfolg bedeuten (wie auch immer du diesen definierst!).Deshalb geht es beim Design Thinking nun nach draußen: Du verlässt dein Büro, deine Werkstatt oder wo auch immer du bislang über deiner Idee gebrütet hast, und beobachtest. Wie, wo und wen genau, das hängt natürlich von deiner Idee ab. Generell gesagt, hast du dabei folgende Möglichkeiten:Du befragst Menschen: Dabei solltest du darauf achten, dass du offene Fragen stellst und selbst nicht mehr als einen Redeanteil von 10 Prozent hast. Das bedeutet auch, das du schnell und gut auf den Punkt bringen musst, worum es bei deiner Idee geht und was du wissen willst. Dokumentiere deine Befragungen. Am besten gehst du dazu mit jemand weiterem gemeinsam los. Dann kann einer die Person befragen und der andere macht sich Notizen. Allerdings können nicht immer alle Menschen genau sagen, was sie sich eigentlich wünschen, was sie brauchen oder was aus ihrer Sicht die beste Lösung wäre. Deshalb lohnt es sich auch über die folgenden Möglichkeiten nachzudenken.Du begleitest Menschen: Zum Beispiel bei ihrer Arbeit, beim Einkaufen, bei ihrer Freizeitbeschäftigung – je nach dem, was du untersuchen möchtest. Planst du zum Beispiel einen Unverpacktladen, dann kann es vielleicht hilfreich sein, einen Tag lang auf einem Wochenmarkt zu verbringen und die Einkaufsbgewohnheiten der Menschen zu beobachten.Du lässt Menschen kreativ sein: Das kann bedeutet, dass du eine Art Workshop machst, in dem die Menschen gemeinsam einen Prototypen ihrer Idealvorstellung bauen (wie würde mein perfekter Unverpacktladen aussehen?). Oder du lädst sie ein, ein Tagebuch zu führen über ihre Gewohnheiten in Bezug auf deine Idee. Es gibt viele Möglichkeiten. Was genau passt, hängt von deiner Idee ab.3. SyntheseAus allen Informationen, die du in Schritt eins und zwei gesammelt hast, leitest du nun bei der Synthese deinen Sinn ab. Hier formulierst du die zentralen Herausforderungen, die du mit deiner Idee oder deinem Projekt lösen möchtest. Das ist in der Regel die zentrale Frage. Und wie heißt es so schön: Die richtige Frage zu stellen ist der wichtigste Punkt, wenn du eine Lösung finden willst.Deshalb ist es sehr wichtig, dass du diese Phase mit viel Sorgfalt, Zeit und Kreativität angehst. Lade dir doch Leute dazu ein, die dich dabei unterstützen können. Hilfreich ist es auch, wenn du kreativ wirst, und deine Gedanken, Informationen und Erfahrungen visualisierst. So ist es zum Beispiel eine gute Unterstützung, wenn du für deine Stakeholder Personas erschaffst.Dabei handelt es sich nicht um eine Zielgruppenbeschreibung. Vielmehr erfindest du konkrete Menschen – mit einem bestimmten Aussehen, bestimmten Eigenschaften, Charakterzügen, Vorlieben, Problemen, Wünschen und Ansichten. Diese helfen dir dann im weiteren Verlauf dir ganz konkret vorzustellen, wie sie mit deiner Idee oder deinem Projekt umgehen würden.Eine Anleitung zum Ideen prüfen und eine PDF-Vorlage zur Entwicklung einer Persona zum Herunterladen und Ausdrucken gibt es bei uns auf der Website übrigens auch. Folge einfach dem Button unten:Ideen prüfen & Persona Vorlage (PDF)4. Ideen entwickelnErst jetzt kommt das, was sich die meisten Menschen unter einem „Kreativprozess“ vorstellen: Es geht daran, Ideen zu entwickeln. Dabei gehst du wieder in die Breite und entwickelst so viele Ideen, wie du nur kannst. Die Qualität spielt erst mal keine Rolle – es kommt nur darauf an, dass es viele sind.Außerdem gilt dabei auch der Grundsatz, dass du lieber zu groß denken solltest, als zu klein. Denn es ist immer möglich „zu große“ Ideen kleiner zu machen. Doch kleine Ideen größer zu denken ist nicht immer möglich – oder jedenfalls schwieriger.Du kannst deinen Ideenfindungsprozess mit einer ganzen Reihe von Kreativitätstechniken unterstützen. Dazu gehören unter anderem das Brainstorming, das Brainwriting, das Mindmapping, das Clustering oder die Kopfstandmethode. Eine Liste von Kreativitätstechniken findest du auch bei Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Kreativit%C3%A4tstechniken5. Prototypen„Scheiter schnell und oft“ lautet ein Motto des Design Thinking. Gemeint ist dabei, dass du so schnell du nur kannst, deine in Schritt vier entwickelten Ideen wieder an der Realität misst – dir also Feedback von außen, vom Markt, von deinen Kunden, Mitstreitern, Politikern, Journalisten, Nachbarn etc. einholst – wer auch immer wichtig für den Erfolg deines Projektes ist. Das bedeutet, dass du nicht wartest, bis du dein Projekt verwirklicht hast – sondern dass du so früh wie möglich einen Prototypen oder auch Testdummy machst.Hilfreich ist dabei, dass du nicht wartest, bis du eine bestimmte Stufe an Durchdachtheit oder Perfektion erreicht hast. Setz dir lieber ein Datum wie „in einem Monat ist mein erster Prototyp fertig“ – egal wie unvollkommen er auch sein mag!Für Prototypen gibt es – ähnlich wie beim Schritt zwei, dem Beobachten – viele verschiedene Möglichkeiten. Einige sind:Bau ein 3D-Modell (zum Beispiel von einer Schütte deines Unverpacktladen und teste ihn auf dem Wochenmarkt)Zeichne ein 2D-ModellEntwerfe ein Comic, das zeigt, was passiert, wenn dein Projekt Wirklichkeit istErzähle eine Geschichte, die zeigt, was passiert, wenn dein Projekt Wirklichkeit istSpiele ein kleines Theaterstück vorMach einen Film (zum Beispiel so ein Pitch-Video, wie du sie vielleicht von Crowdfunding-Kampagnen kennst)Modelliere etwas aus KneteBau etwas aus Lego-SteinenKlebe eine Collage aus Bildern, die du aus Zeitschriften ausgeschnitten hastNimm einen Block und male auf die einzelnen Seiten die unterschiedlichen Zustände deiner App oder WebsiteNaja, und noch vieles mehr. Du wirst etwas finden. Du bist ja kreativ :-)6. TestenIm letzten Schritt des Design Thinking testes du deinen Prototypen. Das heißt du gehst – wie beim Beobachten in Schritt 2 – raus und holst dir ein Feedback auf deine Geschichte, dein Modell, dein Video etc. Wichtig ist, dass du den Leuten nicht sagst, was sie tun sollen. Nimm dich so weit wie möglich zurück. Beobachte vor allem und stelle fest, was die Leute verstehen und was nicht:Welche Fragen kommen? Welche Kritikpunkte gibt es? Nimm alles ernst und fühle dich davon nicht persönlich angegriffen. Mach dir bewusst, dass alle Kritik und alle Nachfragen Rohstoffe sind, mit denen du deine Idee weiter ausfeilen und verfeinern kannst. Denn mit dem, was du in dieser Phase sammelst, kannst du zum Beispiel wieder beim Schritt drei „Synthese“ einsetzen – oder auch beim Schritt vier „Ideen sammeln“.Oder vielleicht ist dein Prototyp auch schon so ausgereift, das du zu Schritt fünf zurück gehst und einen neuen Prototypen baust, in den die Ideen aus den Tests mit einfließen und den du dann wieder testest. So lange, bis du dir sicher bist, dass das, was du da in deinen Händen hast, auch wirklich das ist, was die Welt da draußen braucht!Fazit: Design ThinkingDesign Thinking findet in allen möglichen Bereichen Anwendung – also nicht nur für öko-soziale Projekte. Und doch hat sich gezeigt, dass allein der Austausch mit den „Menschen da draußen“ und die Suche nach ihren wahren Bedürfnissen dazu führt, dass sich Design Thinker oft ökologischen und sozialen Problemen stellen. Kein Wunder, das umgekehrt auch viele Social Entrepreneure diesen Prozess und diese Denkweise für sich entdeckt haben.Wir selbst halten uns mit unseren Projekten mal mehr und mal weniger an diese sechs Schritte. Nicht immer ist eine so starke Orientierung an dem, was andere sich wünschen sinnvoll. Also Künstler muss man beispielsweise auch einfach seine Botschaft in die Welt bringen – egal, wie viele Menschen das hören wollen. Und als Streiter*in für eine (gerechte) Sache zählen vielleicht auch einfach nur die Fakten – und nicht die (vielleicht unreflektierten) Ansichten der Mehrheit.Doch in sehr sehr vielen Fällen hat sich gezeigt, dass die Sicht von außen auf die eigene Idee, einen unheimlich weiterbringt. Deshalb können wir es nur jedem empfehlen, den Design-Thinking-Prozess zumindest einmal auszuprobieren. Prototypen in ihren unterschiedlichsten Formen alleine sind eine wertvolle Hilfe. Denn bereits bei ihrer Umsetzung merkt man oft schon, was so gar nicht funktioniert.Design Thinking lernenIn Deutschland wir Design Thinking in der School of Design Thinking am Hasso Plattner Institut (HPI) gelehrt. Dabei gibt es einen sogenannten „Basic Track“ und einen „Advanced Track“. Daneben gibt es die „Global Design Thinking Week“ während der Studierende des HPI zusammen mit Externen ein reales Projekt umsetzen. Als Externe*r kann sich jede*r bewerben. https://hpi.de/school-of-design-thinking.html