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#Wie du öko-soziale Projekte finanzierst und dabei ein positives Verhältnis zu Geld bekommst

Empowered Fundraising: Es ist genug für alle da!
Empowered Fundraising: Öko-soziale Projekte finanzieren

Empowered FundraisingEmpowered Fundraising ist nicht nur eine Methode, um öko-soziale Projektes auf Basis von Schenk-Ökonomie zu finanzieren. Es soll auch dein Verhältnis zu Geld positiv verändern.Für viele Initiator*innen von Projekten des öko-sozialen Wandels scheint Geld ein schwieriges, ja vielleicht sogar bedrohliches, ärgerliches, irgendwie negatives Thema zu sein. Auch John Croft – dem Initiator der ganzheitlichen Projekt-Management-Methoden „Dragon Dreaming“ (MEHR ERFAHREN …) – ging es nicht anders, bevor er „Empowered Fundraising“ entdeckte. Im Jahr 1997 hatte er zusammen mit zwölf anderen Menschen die Idee, in Erinnerung an die Kinder von Novosybkov eine Tour durch Australien zu machen – und zwar aus folgendem Grund:Nach dem Unglück von Tschernobyl war die radioaktive Wolke erst in Richtung Schweden gezogen, dann in Richtung Schwarzes Meer (Türkei) und schließlich hielt sie direkt auf Moskau zu. Rund 8 Millionen Einwohner*innen waren somit in Gefahr. Deshalb beschloss die sowjetische Führung, dass sie die Wolke lieber mit Hilfe von Flugzeugen „impfen“ und so auf eine Stadt Novosybkov mit „nur“ 50.000 Einwohnern abregnen lassen wollten. Damit die Bevölkerung nicht in Panik geriet, sollten alle Parteifunktionäre ihre Kinder draußen im Regen spielen lassen. Alle Kinder starben innerhalb weniger Wochen …Gut zehn Jahre später sollten also Eltern von verstorbenen Kindern zu den Uranminen Australiens reisen, an Veranstaltungen teilnehmen und die Australier*innen vor den Gefahren von Atomkraftwerken warnen. 100.000 Dollar brauchte die Gruppe um John Croft herum für ihr Vorhaben. Zehn Wochen hatten sie Zeit, um diese Summe zusammen zu bekommen. Doch nach vier Wochen waren sie bei gerade mal 400 Dollar angelangt. Allen war klar: Wenn sie so weitermachten würden sie es nicht schaffen.Glücklicherweise hatte Johns Frau Vivienne die rettende Idee: Sie bat die professionelle Fundraiserin Kathy Burke um Hilfe und lud zu ihrem Geburtstag einfach alle zwölf Mitstreiter*innen zu einem Workshop bei ihr ein. Nachdem sie hier gelernt hatten, wie Empowered Fundraising funktioniert, bekamen sie sogar mehr als die notwendige Summe zusammen – und konnten sich so auch noch ein Kamera-Team leisten, das einen Film von der Tour drehte. Ist das nicht eine wunderbare Erfolgsgeschichte?Die Mythen des GeldesBevor wir nun dazu kommen, wie Empowered Fundraising praktisch funktioniert, möchte ich erst einmal auf den philosophischen Hintergrund eingehen. Dieser ist aus meiner Sicht nämlich besonders wichtig. Genauso wie bei der Anwendung der Dragon-Dreaming-Methoden braucht es dazu nämlich eine Win-Win-Haltung. Was das bedeutet? Nun, dass du – bevor du Empowered Fundraising machen kannst – erst einmal über deine Gedanken- und Emotionsmuster in Bezug auf Geld nachdenken und diese so verändern solltest, dass es keine Verliere*innen gibt.Als gedankliche Grundlage helfen uns dabei die Erkenntnisse der amerikanischen Fundraiserin Lynn Twist (ich kann dir hier die Lektüre des Buches „Die Seele des Geldes“ empfehlen). Sie hat im Laufe ihres Lebens Milliarden von Dollar zur Bekämpfung des Hungers in unserer Welt gesammelt. Auf diese Weise hatte sie es in ihrem Leben mit unglaublich reichen, unglaublich armen und allen möglichen Menschen dazwischen zu tun. Überall stieß sie auf die gleichen drei negativen Glaubenssätze oder auch Mythen in Bezug auf Geld:Es ist nicht genug für alle daMehr ist besserEs gibt keine AlternativenWin-Win-Kultur in Bezug auf GeldEs sind (unter anderem) diese drei Mythen, die in uns ein unfreies, unausgewogenes, zum Teil sogar schmerzhaftes, beängstigendes, in jedem Fall aber negatives Verhältnis zum Geld hervorrufen. Denn wenn wir (unbewusst) davon ausgehen, dass es nicht genug (Geld) für alle gibt – dann ist es zwar bedauerlich, dass wir im Kampf um unser eigenes (soziales) Überleben andere zu Verlierer*innen machen müssen. Aber es lässt sich nun mal nicht ändern, weil wir sonst selbst verlieren. Deshalb ist mehr immer besser (sicherer). Und die unbewusste Vorstellung, dass es zu all dem keine Alternativen gibt, das eine andere Welt oder ein anderer Umgang mit Geld nicht möglich ist, sorgt schließlich dafür, dass dieses Win-Loose-System stabil bleibt.Um eine Win-Win-Kultur des Geldes zu erreichen, müssen wir also eine andere Haltung verinnerlichen. Zunächst einmal geht es darum zu erkennen, dass wir diese Mythen unbewusst ausleben. Als zweiten Schritt müssen wir erkennen zu welchen Schlussfolgerungen, Entscheidungen und Handlungen uns das bringt. Und schließlich fragt sich, wie wir uns anders verhalten könnten. Und zwar so, dass wir der Vorstellung/Überzeugung folgen:Es ist genug für alle daMehr ist nicht besserEs gibt jede Menge AlternativenDie ersten beiden Vorstellungen („es ist genug für alle da“ und „mehr ist nicht besser“) befreien uns von der Notwendigkeit des Kampfes. Denn wenn genug für alle da ist, dann brauche ich jemand anderem nichts mehr wegzunehmen. Ich brauche nicht gegen andere zu konkurrieren. Ich brauche keine Angst und keine Sorgen mehr zu haben. Ich kann mit anderen vertrauensvoll kooperieren. Und ich kann erzielte Überschüsse leichten Herzens weitergeben an Menschen oder Projekte, die das Geld gerade gebrauchen können. Mit anderen Worten: Ich weiß, dass mehr nicht immer besser ist. Ich weiß, dass ich nur so viel Geld zusammentragen muss, wie ich gerade jetzt brauche.Die dritte Vorstellung („es gibt jede Menge Alternativen“) ist wiederum ein Anlass für Kreativität. Kommt auf die eine Weise das Geld für mein Projekt nicht zustande, gelingt es vielleicht auf eine der vielfältigen anderen Arten. Diese Idee brachte John Croft dazu zu sagen:„Kein Projekt scheitert am Geld – es scheitert höchstens an einem Mangel an Motivation und Kreativität.“Die Herausforderung in der PraxisNatürlich sind diese drei Gegenentwürfe Ideale. Und natürlich ist es gar nicht so einfach, diese zu verinnerlichen – also nicht nur im Kopf zu denken, sondern auch emotional und intuitiv zu leben. Von Kindheit an sind wir nämlich an die drei negativen Geldmythen gewöhnt. Wir sind mit ihnen aufgewachsen. Sie sind tief in unserem Unbewussten verankert. Deshalb haben wir bei gemeinnützigen, künstlerischen und/oder öko-sozialen Projekten oft das Gefühl, Bittsteller*in zu sein: Wer das Geld hat, gehört irgendwie automatisch zu den „Gewinner*innen“. Und wer Geld braucht und darum bittet, ist irgendwie ein*e „Verlierer*in“ – und muss sich folglich schlecht fühlen.Beim Empowered Fundraising geht es darum, diese Vorstellung loszulassen. Eine wichtige Erkenntnis dafür ist, dass es nicht das Geld das ist, das unserem Leben Sinn gibt. Zufriedenheit, Lebenssinn und damit auch Lebensglück ergeben sich dann, wenn wir etwas tun, was für andere (Lebewesen) wichtig ist. Wen es für andere einen positiven Unterschied macht, ob wir aktiv und tätig sind oder nicht: Jemanden pflegen. Ein tolles Konzert geben. Ein Buch schreiben, das Augen öffnet. Jemanden lecker bekochen. Und noch vieles mehr. Geld ist dabei meist eine Ressource unter vielen. Aber es ist eben immer Mittel zum Zweck – und nicht der Sinn selbst.Deshalb „bettelt“ beim Empowered Fundraising auch niemand um Geld. Stattdessen geben dabei Menschen mit einer guten Idee anderen Menschen mit Geld (aber möglicherweise keiner Zeit) die Gelegenheit, Teil ihres tollen, sinnstiftenden Projektes zu werden. Geld ist dabei eine von vielem Möglichkeiten, wie Menschen aktiv zum Gelingen beitragen können. Und dass sie dazu beitragen können, macht sie wichtig. Es erfüllt ihr Leben mit Sinn und schenkt ihnen Bedeutung. Deshalb handelt es sich dabei um ein gegenseitiges Geben. Ja, es sollte in gewisser Weise eine Form von Schenk-Ökonomie sein: Jede*r gibt, was er oder sie bereits ist zu schenken – Geld und/oder Sinn.Diese innere Haltung ist nicht ganz leicht zu entwickeln. Sie erfordert innere Arbeit. Du musst dich zum Beispiel selbst ehrlich hinterfragen und mit anderen Menschen darüber austauschen. Das ist nicht immer leicht. Nicht ohne Grund ist Geld in unserer Gesellschaft ein großes Tabu. Doch wenn du dich auf den Weg machst, wirst du merken, dass das auch ein heilsamer Prozess ist. Ein Prozess, der dir Gelassenheit, Vertrauen und innere Freiheit schenkt. Du kannst auf diese Weise die Prioritäten in deinem Leben neu überdenken: Wie wichtig ist dir Geld und materieller Wohlstand tatsächlich? Was möchtest du damit eigentlich für Bedürfnisse stillen? Ließen sich diese nicht auf andere Weise (besser) befriedigen? Und was würde deinem Leben echten Sinn verleihen?Die Praxis des Empowered FundraisingFür die Methode des Empowered Fundraising machst du folgende Schritte:Schritt 1Wähle zehn Menschen aus deinem Umfeld aus, die du in den nächsten drei Wochen persönlich treffen und einlädst, sich mit Geld an deinem Projekt zu beteiligen. Beginne mit Menschen, die du bereits kennst (Freunde, Nachbarn, Familie, Arbeitskolleg*innen etc.). Wenn du sicher bist im Umgang mit Empowered Fundraising kannst du dies aber auch mit Menschen machen, die du (noch) nicht kennst. Lass dich dabei nicht von dem Gedanken bremsen „den/die kann ich unmöglich fragen!“. Notiere dir alle Namen in einer Liste.Schritt 2Lege für jeden einzelnen Mensch einen sogenannten Balance-Punkt fest. Dabei handelt es sich um einen bestimmten Geldbetrag. Dieser Betrag sollte für diesen Menschen weder so klein sein, dass er oder sie es als „Kleingeld“ empfindet und allzu leichtfertig gibt. Noch sollte er so groß sein, dass es für diesen Menschen ein richtiges Opfer wäre. Es hilft, wenn du dir dazu überlegst, wie viel Geld ins Leben dieser Person monatlich ungefähr hinein- und hinausfließt. Frage dich, wie viel von diesem Betrag dieser Mensch möglicherweise zu deinem Projekt beitragen würde. Schreibe dir die Beträge zu den Namen auf deiner Liste und errechne den Gesamtbetrag.Schritt 3Vereinbare mit diesen Menschen ein persönliches Treffen. Berichte ihnen authentisch von deinem Projekt bzw. deinem Anliegen. Sage dann, dass dir bewusst ist, dass du das Projekt niemals alleine umsetzen kannst und dass du dich daher freuen würdest, wenn dein Gegenüber einen Beitrag dazu leisten könnte – und zwar in Form von XX Euro (die Summe deines zuvor überlegten Balance-Punktes). Schweige dann und warte die Antwort deines Gegenübers ab.Schritt 4Egal wie dieser Mensch antwortet – also ob er oder sie eine große, eine kleine Summe oder überhaupt kein Geld geben möchte: Jede Antwort sollte dir willkommen sein. Dies ist deine Gelegenheit, um dich in der Vorstellung der drei Mythen zu üben: „Es ist genug für alle da“. „Mehr ist nicht besser“. Und: „Es gibt viele Alternativen“. Es ist in diesem Fall nicht wichtig, dass dein Gegenüber eine Summe X gibt – sondern dass eure Beziehung gedeiht. Deshalb ist ein „ja“ genauso gut wie ein „nein“. In vielen Fällen ist es aber auch so, dass Menschen bereit sind mehr Geld zu geben, als du dir als Balance-Punkt überlegt hast.Schritt 5Zum Abschluss des Gespräches ist es wichtig, dass du eine Verbindung in die Zukunft baust. Deshalb ist deine nächste Frage: „Möchtest du, dass ich dich über die Fortschritte meines Projektes auf dem Laufenden halte?“ Das vertieft eure Beziehung. Natürlich musst du dieses Versprechen dann auch halten. Und als letzten Schritt deines Empowered-Fundraising-Gesprächs fragst du: „Kennst du jemanden, die oder der an diesem Projekt Interesse haben könnte? Würdest du mich ihr oder ihm vorstellen?“ Diese Fragen öffnen den Raum für Neues und den Aufbau eines großen Netzwerkes.