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Dynamic Facilitation: Konflikte kreativ lösen

Dynamic Facilitation: Konflikte kreativ lösen

Wenn es in deinem Team oder Projekt ein komplexes Problem gibt, bei dem die Emotionen hochkochen und die Zusammenarbeit zu erliegen kommt – dann könnte Dynamic Facilitation genau das richtige sein …

Dynamic Facilitation ist eine Methode der kreativen Problemlösung für Gruppen, die von dem Amerikaner Jim Rough entwickelt wurde. Sie eignet sich vor allem dann, wenn:

  • Probleme bisher unlösbar schienen
  • Es Konflikte gibt oder ein Thema emotional aufgeladen ist
  • Ein Projekt bisher unsichtbare Aspekte enthält
  • Sich die Fronten verhärtet haben und es scheinbar vor allem gegensätzliche Sichtweisen gibt
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In diesem Fällen will Dynamic Facilitation für besonders kreative, unerwartete und von allen getragene Lösungen hervorbringen. Dabei will Dynamic Facilitation keinen Prozess vorgeben. Das heißt eine Gruppe folgt nicht einer/m Moderator*in, der oder die sagt, was sie wann wie zu tun haben. Vielmehr geht es darum, die Äußerungen, die frei und unreglementiert kommen können, zu strukturieren und zu sortieren.

Dazu ist dann auch der oder die Moderator*in wichtig: Sie oder er hakt nach, wenn etwas klarer zu formulieren oder einzusortieren ist. Er oder sie deeskaliert ggf., in dem sie oder er sich zwischen Kontrahent*innen stellt und/ oder umformuliert. Dabei ist aber wichtig, dass er oder sie natürlich weder bewertet noch versucht, den Austausch in eine bestimmte Richtung zu bewegen. Er oder sie ist einzig und allein dazu da, das Gesagte einzusortieren und auf einem der vier Flipcharts (siehe unten) zu dokumentieren.

Phase 1: Dampf ablassen

Normalerweise beginnt das Dynamic Facilitation mit einer Phase, in der alle Dampf ablassen können. Jede*r kann sagen, was er oder sie auf dem Herzen hat. Das kann, muss aber nicht zum vorigen Beitrag passen. Jede Aussage notiert der oder die Moderator*in auf einem der vier Flipcharts mit den folgenden Überschriften:

  • Herausforderungen/Fragen
  • Lösungen/Ideen
  • Bedenken/Einwände
  • Informationen/Sichtweisen

Diese Phase leitet der oder die Moderator*in mit einer Frage ein, die auf das sachliche Problem der Gruppe zielt. Also wenn das Team zum Beispiel gemeinsam einen Online-Shop bauen möchte, dann könnte die Frage etwa lauten: Wie können wir einen Shop gestalten, sodass die Kunden ihre Produkte möglichst gut finden – die Redaktion aber auch ihre Anforderungen erfüllt bekommt?“. (Nur falls das eben der Konfliktpunkt sein sollte).

Aufgabe der Moderation

Wichtig ist, dass der oder die Moderator*in bei jedem Einwand fragt: „Was genau ist deine Befürchtung?“. Damit stellt sie oder er sicher, dass der emotionale Anteil der Äußerung aufgenommen und anerkannt wird. Aber dass er sich nicht mit den sachlichen Aussagen mischt. Wichtig ist, dass man Bedenken nicht wie ein Urteil über den Vorschlag eines anderen formuliert. Denn dann kann sich die Diskussion schnell aufschaukelnden.

Falls es dazu doch kommt, kann sich die oder der Moderator*in zwischen die beiden Diskussionspartner stellen und sie abwechselnd nach ihren Bedenken und Lösungsvorschlägen fragen. Diese sortiert er oder sie dann in die passenden Listen auf die Flipcharts ein. Dadurch kann man die Aufmerksamkeit vom Dissens weg lenken hin zur Visualisierung.

Phase 2: Die Leere

Kurz bevor die Gruppe zum Durchbruch kommt, gibt es eine Phase der Leere. Alle haben gesagt, was sie zu sagen hatten. Vielleicht sogar mehrfach. Niemand will oder kann noch etwas Neues beitragen. Stille kehrt ein. Wichtig ist, dass der oder die Moderator*in nun nicht versucht einzugreifen und die Gruppe zu lenken. Vielmehr muss sie oder er die Stille genauso aushalten wie alle anderen – und darauf warten und vertrauen, dass das Team selbst zu einer Lösung finden wird.

Die Lösung liegt auch in der Regel bereits vor den Augen aller: Nämlich auf den Flipcharts. Denn meist gibt es in Phase eins eine solche Klärung, dass nun alle bereit sind, sich auf die Lösung zu fokussieren. Denn nun sind sie gehört worden. Ihre Sichtweisen und Bedenken wurden notiert und sind damit sicher Teil der Lösung. Dadurch können Menschen normalerweise loslassen und aufhören zu kämpfen. Das wiederum öffnet sie dafür, sich auch auf die Sichtweisen, Bedürfnisse und Emotionen der anderen einzulassen und kreativ über eine gemeinsame Lösung nachzudenken.

Deshalb dauert es in der Regel auch nicht lange, bis die ersten Leute Lösungsvorschläge formulieren. Um zu gemeinsamen Entscheidungen zu kommen, können dann auch folgende Prozesse wie etwa das Systemische Konsensieren oder die Konsentbildung sinnvoll sein.

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