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Story Based Strategies: Wandel durch Geschichten

Story Based Strategies: Wandel durch Geschichten

Die amerikanische Organisation „Center for Story Based Strategies“ (CSS) bietet Trainings und Beratung für Organisationen und Initiativen, die sich für soziale Gerechtigkeit einsetzen. Von ihren Einsichten und Erfahrungen können aber alle lernen, die den öko-sozialen Wandel vorantreiben wollen.

Vielleicht habt ihr schon mitbekommen, dass Marek und ich uns viel mit dem Thema „Geschichten erzählen“ oder neudeutsch auch „Storytelling“ beschäftigen. Der Grund dafür ist nicht nur, dass wir das für unsere Arbeit brauchen: Das Schreiben von Büchern und Beiträgen. Nein, wir finden auch, dass wir Menschen die Welt gar nicht sehen können, wie sie tatsächlich ist. Sie ist viel zu komplex, als das ein einzelnes Menschengehirn das alles erfassen könnte. Deshalb erzählen wir uns gegenseitig Geschichten darüber, was die sogenannte „Realität“ ist.

Dabei gibt es natürlich nicht nur eine Geschichte. Das wäre ja langweilig, denn dann wären alle einer Meinung. Nein, es gibt viele verschiedene Geschichten. CDU-Anhänger*innen erzählen sich andere Geschichten als Wähler*innen der Grünen. Gläubige erzählen sich andere Geschichten als Atheisten. Wissenschaftler*innen andere als Künstler*innen. Deutsche andere als Kenianer*innen oder Italiener*innen. Jugendliche andere als Rentner*innen. Und Banker*innen andere als Krankenpfleger*innen. Dabei gibt es unterschiedliche Kreise und Schnittmengen. Manche Geschichten teilen Banker*innen und Krankenpfleger*innen vielleicht, weil sie aus dem gleichen Kulturkreis und/oder der gleichen Generation stammen. Andere nicht.

Erzählt die Welt, wie sie dir gefällt

Nun ist es eigentlich nicht immer möglich nachzuweisen, welche Geschichten stimmen und welche nicht. Dass Europa über Afrika liegt, scheint zwar so auf der Weltkarte. Doch spätestens seit Menschen ins Weltall fliegen, ist klar, dass das in Wahrheit nicht so ist. Es ist viel mehr Erbe unserer Geschichte der Kolonialisierung. Doch können wir irgendwann CO2-neutral leben? Können wir unseren „Wohlstand“ halten, wenn wir nur erneuerbare Energien nutzen? Wäre ein Leben mit weniger Konsum lebenswerter? Und ist genug für alle da, wenn wir unsere Ressourcen fair verteilen?

Dafür gibt es keine Beweise. Es sind ja Ideen und Vorstellungen, die irgendwo in der Zukunft liegen. Die Menschheit hat es bisher noch nicht probiert. Und doch brauchen wir so eine Art Gewissheit, dass wir das hinkriegen können – andernfalls schaffen wir es ganz sicher nicht. Hier kommen die Geschichten ins Spiel oder auch das Storytelling. Denn wenn wir anfangen, uns als Gesellschaft, als Gemeinschaft, als Individuum neue Geschichten darüber zu erzählen, wie die Realität ist und was sich machen lässt – dann können wir auch ganz andere Dinge tun:

Hören wir zum Beispiel auf die Geschichte zu glauben, dass das Brutto-Inlandsprodukt (BIP) den Wohlstand misst (was nicht der Fall ist), dann können wir nach neuen, besseren Messlatten suche. Solchen, die auch angeben, wie ökologisch und fair eine Gesellschaft wirtschaftet. Oder fangen wir an zu glauben, dass es sich wirklich lohnt, einschneidende Veränderungen hinzunehmen, um das Klima zu schützen – dann können wir auf einmal auf's Fliegen, Fleisch essen oder Auto fahren „verzichten“. Ja, es fühlt sich dann auf einmal nicht mehr wie ein Verzicht an, sondern wie eine Befreiung von einer beschämenden Last. Dann wären auch ganz andere politische Maßnahmen möglich, ja gefordert!

Storytelling mit Strategie

Genau diesen Gedankengang hatten die Aktivist*innen des Center for Story Based Strategies auch. Und so entwickelten sie Methoden und Prozesse, wie NGOs, Initiativen und Aktivisten ihre Interventionen auf Grundlage des Storytelling entwickeln können. Dabei nutzt das CSS fünf wesentliche Elemente:

1. Der Konflikt

Das ist das Rückrad deiner Geschichte. Es bestimmt das Drama, die Perspektive und sorgt für Spannung in deiner Geschichte.

2. Die Charaktere

Sie sind die Protagonisten, die handelnden Subjekte, die die Geschichte vorantreiben. Gute Charaktere machen eine gute Geschichte. Sie bestimmen die Handlungen.

3. Bildsprache

Dazu gehören Metaphern, Anekdoten und Beschreibungen, die deine Geschichte lebendig werden lassen, alle Sinne deiner Zuhörer*innen ansprechen und deine Geschichte anfassbar machen.

4. Foreshadowing

Das Foreshadowing ist eine beliebtes Mittel des Storytelling. Denn es erzeugt Spannung. Dabei gibst du einen kleinen Ausblick darauf, wie deine Geschichte ausgehen könnte und was ihr einer entscheidende Wendung geben könnte – ohne jedoch genau zu verraten, was es ist und wieso es geschieht. Sei sicher: Deine Zuhörer*innen bleiben dran, weil sie den Ausgang erfahren wollen.

5. Die Glaubenssätze

Wie weiter oben bereits erwähnt, gibt es ganz viele Geschichten, Mythen oder auch Glaubenssätze in unserem Leben, die überhaupt nicht wahr sind. Die wir aber dennoch nie infrage stellen. Wenn du die Glaubenssätze in deiner Geschichte kennst, kannst du die Menschen gezielt aufrütteln: „Hast du darüber schon mal nachgedacht?“ Überleg dir auch, welche Glaubenssätze notwendig sind, damit die Menschen deine Geschichte als realistisch akzeptieren.

Center for Story Based Strategies

Weitere Infos, Unterlagen zum Herunterladen (leider gegen Abgabe deiner Daten …) sowie einen kostenpflichtigen Online-Kurs findest du auf der Homepage des Center for Story Based Strategies: https://www.storybasedstrategy.org

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