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The Work: Lieben was ist

The Work: Lieben was ist

Was denkst du über die Welt? Und sicher, dass das stimmt? Diese Fragen hören sich zunächst vielleicht banal an. Und dennoch könnten sie dein Leben verändern. Über die Methode „The Work“ von Byron Katie.

Wieso „The Work“ wichtig für Idealisten ist

Wer sich für eine bessere Welt engagiert, setzt sich oft mit negativen Entwicklungen oder Missständen auseinander. Wer einen veganen Online-Shop eröffnet, kennt mit Sicherheit das Grauen der Massentierhaltung. Wer eine Organisation zum Schutz alten Saatguts ins Leben ruft, der hat sich mit dem Artensterben auseinander gesetzt. Dann kann es dazu kommen, dass man mit allen Menschen hadert, die die Sache nicht so sehen, wie man selbst (wie können Leute nur fliegen oder mit einem Kreuzfahrtschiff verreisen! Wissen sie denn nicht, dass das das Klima total schädigt?!? u.n.v.m.).

Diese Sichtweise hat auch uns emotional stark belastet. Und sie hat uns darüber hinaus auch noch von den anderen Menschen getrennt. Deshalb haben wir uns auch umgesehen, was es für Möglichkeiten gibt, um sich zwar vor den negativen Aspekte nicht zu verschließen – aber dennoch die Menschen um sicher herum annehmen zu können – auch wenn sie sich nicht mit uns dagegen engagieren oder dies vielleicht sogar noch unterstützen (sei es aus Unwissenheit oder Bequemlichkeit). So kamen wir zu „The Work“ von Byron Katie.

Was ist „The Work“?

Als Byron Kathleen Reid – oder auch „Katie“, wie sie auch genannt wird – in ihren Dreißigern war, wurde sie von einer schweren Depression heimgesucht. Irgendwann konnte sie nicht mal mehr das Haus, ja noch nicht mal ihr Bett verlassen. Dann, eines Morgens, überkam sie in tiefster Verzweiflung eine lebensverändernde Erkenntnis! Sie sah auf einmal, dass es nicht die Welt, nicht die „Realität“ (was auch immer das genau sein mag) war, die sie so deprimierte. Es waren ihre Gedanken. Es war das, was sie über die Welt dachte. Und die Tatsache, dass sie an das glaubte, was sie dachte.

Wir alle haben so unsere eigenen Geschichten darüber, wie die Welt ist. Vieles davon läuft unterbewusst ab. Wir haben uns diese oder jene Sichtweisen ohne richtig darüber nachzudenken irgendwann im Laufe unseres Lebens angeeignet. Und danach haben wir sie nie wieder infrage gestellt. Doch diese unbewussten Gedanken, Urteile, Bewertungen und Überzeugungen können dazu führen, dass wir traurig, gestresst, wütend, enttäuscht, deprimiert sind oder in sonstiger Weise mit uns, unserem Leben und der Welt hadern.

Wenn es dir auch so geht, dann ist es keine schlechte Idee, dass du dir diese Überzeugungen und Glaubenssätze mal genauer ansiehst. Die Methode, die Byron Katie dafür entwickelt hat, ist eigentlich denkbar einfach. Sie funktioniert folgendermaßen:

Wie funktioniert „The Work“?

Um „The Work“ zu machen, brauchst du zunächst eine negative Gedankengewohnheit. Laufend kreisen Gedanken in unserem Kopf herum. Kaum jemand kann das verhindern. Es geht bei „The Work“ auch nicht darum, diese „negativen“ Gedanken loszuwerden. Dies geht laut Byron Katie gar nicht. Es geht aber darum, dass du ihnen anders mit ihnen umgehst, wenn du ihnen begegnest.

Schritt 1: Bewerte andere

Der erste wichtige Schritt dafür ist, dass du sie überhaupt bemerkst. Wie gesagt, flitzen viele der negativen Glaubenssätze unbemerkt durch unser Bewusstsein. Diese Gedanken können sich auf verschiedene Dinge beziehen:

  • andere Menschen (deinen Partner, deine Mutter, deinen Vater, deinen Kollegen oder deine Chefin etc.)
  • eine Situation (Artensterben, demografischer Wandel, jemand drängelt sich in einer Warteschlange nach vorne, jemand hat beim Fahren ein Handy am Ohr etc.)
  • auf dich (wie beurteilst du dich selbst, dein Verhältnis zur Arbeit, zu Geld, zu deiner Familie, zur Ehe etc.)

Ich glaube, dass es am Anfang am einfachsten ist, mit deinen Gedanken über andere zu beginnen. Jedenfalls schlägt Byron Katie das in ihrem Buch „Lieben was ist – wie vier Fragen Ihr Leben verändern können“ vor. Demnach solltest du so kleinlich, kindisch und mies wie möglich über einen Menschen nachdenken, der dir in deinem Leben gerade richtig zu schaffen macht. Beantworte dazu die folgenden Fragen:

  1. Wer oder was ärgert dich, macht dich traurig oder enttäuscht dich?
  2. Wie soll er/sie/es sich ändern? Was willst du vom ihm/ihr?
  3. Was genau soll er/sie/es tun oder lassen, sein, denken oder fühlen?
  4. Was soll er/sie dir geben oder für dich tun, damit du glücklich bist?
  5. Was denkst du über ihn/sie/es? Mach eine Liste
  6. Was willst du mit dieser Person, Situation oder Sache nie wieder erleben?

Schritt 2: Überprüfe deine Gedanken

Nun überprüfst du deine Gedanken mit Hilfe von vier einfachen Fragen. Das klingt zunächst sehr simpel. Das ist es aber nicht. Denn das Entscheidende ist, dass du dabei nicht in deinem Kopf bleibst, sondern dass du vor allem deine Emotionen, dein Bauchgefühl befragst. Die Antworten auf die Fragen sollten tief aus deinem Inneren kommen. Dann können sie eine wirklich transformierende Kraft haben.

Das bedeutet nicht, dass das immer und zwangsläufig jedes Mal geschehen muss. Vielleicht passiert gar nicht Spektakuläres, aber doch etwas von langer Tragweite. Es gibt dabei kein richtig oder falsch und du solltest auf keinen Fall so etwas wie Leistungsdruck empfinden. Soweit wir das anhand der Lektüre des o.g. Buches sagen können, ist Byron Katie selbst voller Vertrauen, dass die richtigen Antworten zur richtigen Zeit zu dir kommen. Du brauchst dich also selbst nicht unter Druck zu setzen. Alles, was geschieht ist gut.

Nach dieser langen Vorrede, hier aber nun endlich die vier Fragen, mit denen du deine unbewussten Glaubenssätze hinterfragen kannst. Gehe deine oben gemachten Aussagen Schritt für Schritt durch und frage dich bei jedem Punkt:

  1. Ist das wahr?
  2. Kannst du absolut sicher sein, dass das wahr ist?
  3. Wie reagierst du auf diesen Gedanken? (Beschreibe deine emotionale Reaktion so genau wie möglich – sie tritt ein, sobald du deine Notizen liest und den Gedanken wiederholst)
  4. Wer wärst du ohne diesen Gedanken? (Könntest du anders reagieren? Würdest du dich anders fühlen?)

Manchmal stellt Byron Katie auch noch Zusatzfragen wie: „Gibt es einen Grund, diesen Gedanken loszulassen?“. Oder „Gibt es einen Grund, der dir keinen Stress bereitet, an diesem Gedanken festzuhalten?“.

Schritt 3: Kehre deine Aussagen um

Als letztes lädt Byron Katie die Menschen ein, ihre Aussagen umzudrehen. und dann: kehre deine Aussagen um. Dafür gibt es natürlich immer mehrere Varianten. Sie alle können durchaus erhellend sein. Aus dem Gedanken „Er sollte mir zuhören, wenn ich etwas sage“ könnte zum Beispiel werden „Ich sollte mir zuhören, wenn ich etwas sage“ oder auch „Er sollte nicht zuhören, wenn ich etwas sage“.

Gerade letztere Formulierung bereitet mir ehrlich gesagt, immer etwas Schwierigkeiten. Es ist so zu verstehen, dass – um in diesem Beispiel zu bleiben – jemand mir nicht zuhört. Das ist die Realität. Und dieser Jemand hat seine Gründe, es nicht zu tun. Vielleicht wäre es einfach zu viel für ihn, was ich ihm sagen möchte. Oder etwas bewegt ihn gerade. Oder irgend etwas anderes. Dann könnte ich auch sagen: Es ist mein Wunsch, dass er sich so verhält, wie es gut für ihn ist und nicht mit zuliebe irgend etwas macht, was er gar nicht will. Also komme ich dann zu der Erkenntnis „Er sollte mit nicht zuhören, wenn ich etwas sage“.

Fazit

Die Methodik besticht durch ihre unbeschreiblich Einfachheit. Ich selbst bin dadurch schon zu sehr interessanten Gedankengängen gekommen. Und die Wiederholung führt auch dazu, dass sich manche Emotionsknoten in mir lockern. Ganz aufgelöst haben sich innere Konflikte, die sich aus dem Hin- und Hergerissensein zwischen „ich muss die Welt retten“ und „ich muss andere Menschen akzeptieren, wie sie sind“ nicht. Aber vielleicht muss ich da einfach noch ein bisschen mehr „Work“ in die Sache stecken.

Wenn du selbst Erfahrungen zur Anwendung von „The Work“ mit anderen Leser*innen teilen willst, dann hinterlasse doch einen Kommentar. Wir freuen uns darüber. Weitere Infos zu „The Work“ findest du auch unter https://thework.com/sites/deutsch/

Buchtipp

Lieben was ist
Wie vier Fragen Ihr Leben verändern können

Byron Katie mit Stephen Mitchell
Arkana, Goldmann
ISBN 978-3-442-33650-0

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