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Tiefe Ökologie

Tiefe Ökologie

Wer sich für eine bessere Welt engagiert, muss sich mit bedrückenden Missständen und zum Teil existenziell beängstigenden Entwicklungen auseinander setzen. Die amerikanische Ökophilosophin Joanna Macy hat die Tiefe Ökologie entwickelt, um zu lernen, wie man sich diesen schwierigen Gefühlen stellen kann.

Hast du manchmal Angst vor einem Super-GAU? Schämst du dich manchmal gegenüber den Tieren, die wir für uns ausbeuten? Bist du entsetzt angesichts des Artensterbens? Oder könntest du an manchen Tagen vor lauter Wut und Traurigkeit angesichts all der Missstände in dieser Welt nur noch laut aufschreien? Wenn ja, dann geht es dir so wie uns in manchen schweren Stunden. Es geht dir so wie den meisten Menschen, die sich für einen öko-sozialen Wandel einsetzen. Denn um die richtigen Entwicklungen, Schritte und Alternativen fordern oder gestalten zu können, müssen wir natürlich erst einmal hinschauen, was schief läuft.

Dabei erkennen wir auch zwangsläufig, dass wir ein Teil der menschlichen Zerstörungswut sind. Wir können uns dem nicht komplett entziehen. Und für manches gibt es eben auch noch keine öko-fairen Alternativen (mehr darüber berichten wir in unserem Buch »Faironomics«). Wir können zum Teil einfach nicht anders, als mitspielen. Doch selbst in den Bereichen, in denen wir es anders machen, bleibt immer noch die verzweifelte Verwunderung darüber, dass so wenige andere Menschen das auch tun …

Arbeit mit der Verzweiflung

Andererseits müssen wir uns genau diesen dunklen Gefühlen stellen. Denn nur dann können wir erkennen, was wir Positives gestalten und beitragen können. Ja, wahrscheinlich ist genau das mit ein wesentlicher Grund, warum wir als Spezies sehenden Auges die Welt zerstören – und dennoch nicht von unserer Lebensweise lassen können: Es ist für viele zu schwer, belastend und entmutigend, sich der Verzweiflung zu stellen, die uns angesichts der Lage der Welt überkommt. Einfacher ist es, diese Gefühle einfach wegzusperren, zu ignorieren und zu verdrängen.

Doch wir können nicht nur die negativen Gefühle ausblenden, meint Joanna Macy, die die Tiefe Ökologie entwickelt hat. Wir können nur alle Gefühle abschalten. Und das sieht man auch überall: Weil es einfacher ist, das Leid der Tiere nicht zu sehen, verlieren wir auch die positive Verbindung zu ihnen. Weil es bequemer ist, das Sterben der Natur nicht wahrzunehmen, entgeht uns auch ihre einmalige Schönheit und Bedeutung. Wer hingegen die negativen Gefühle zulässt, erfährt auch ein Wachsen der positiven Bindungen. Wir haben selbst erlebt, dass das stimmt! Auf einmal fallen die Barrieren, die man zwischen sich und den anderen Lebewesen auf der Erde errichtet hat. Ein Gefühl von Zusammengehörigkeit, Kreativität und Vertrauen macht sich breit – trotz all des Leids, das auch damit kommt.

Der große Wandel

In diesen Zeiten, in denen sich so vieles verändert, ist jedoch unser Mut gefragt, sich genau dem zu stellen. Wie wollen wir einen ökologischen Lebensstil entwickeln, wenn wir den Bezug zur Natur, den Pflanzen, Tieren und Ökosystemen verloren haben? Wie wollen wir fair und gerecht leben, wenn wir die Verbindung zu anderen Menschen gar nicht mehr spüren? Sich für eine bessere Welt einzusetzen, bedeutet deshalb immer auch, sich an „Die Arbeit, die wieder verbindet“ zu machen – wie die Tiefe Ökologie auch genannt wird.

Genau dafür hat Joanna Macy in jahrzehntelanger Arbeit gemeinsam mit unzähligen Workshop-Teilnehmenden eine ganze Reihe von Methoden für di Tiefe Ökologie entwickelt. Sie alle helfen dir – alleine oder in Gemeinschaft mit anderen – dabei, dich wieder als ein Teil des großen Ganzen zu empfinden. Sie ermutigen und bestärken dich weiter zu machen. Und sie helfen dir auch dabei, mit Verzweiflung, Wut, Scham, Schuld und Trauer umzugehen.

Die vier Stufen der Tiefen Ökologie nach Joanna Macy

Die vier Stufen der Tiefen Ökologie

Die Vorwärtsbewegung unserer inneren und spirituellen Entwicklung erfolgt laut Joanna Macy in vier Stufen oder auch Schritten. Sie verbinden sich zu einer spiralförmigen Ablauf. Diese Spirale ist fraktal. Das bedeutet, dass alle vier Schritte in jedem dieser Schritte wieder zu finden sind. Und in diesen vier Schritten sind die vier Schritte wieder zu finden – und so weiter und so fort. Auf diese Weise können die Teilnehmenden eines Workshop der Tiefen Ökologie mehrmals durch die Stufen der Spirale gehen und dabei immer wieder unterschiedliche Erfahrungen sammeln.

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