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Tiefe Ökologie, entwickelt von Joanna Macy
Bullet Journaling: Mehr erledigen, weniger tun!

Sich auf die wirklich wichtigen Dinge fokussieren

Verlosung: Verschenke ein Buch

Kennst du einen Menschen, der eine super Idee hat für eine öko-soziales Projekt – oder der ein ganz tolles Projekte für den öko-fairen Wandel bereits am Laufen hat? Und würdest du diesem Menschen gerne eine Freude machen, ihm Inspiriation, Ermutigung und Anregungen schenken?Dann mach mit bei unserer Verlosung!Zum Start unseres neuen Buches "Faironomics" verlosen wir 5 x 1 Exemplar.Du kannst bis zum 10. Juni 2019 (24 Uhr) teilnehmen. Und so einfach geht das:Schritt 1: Wer soll das Buch bekommen?Schreibe unter diesem Beitrag als Kommentar, auf Facebook oder per Email, wem du warum das Buch schenken möchtest. Du kannst dabei Namen und Projekt nennen (inklusive Website oder Facebook-Seite) – oder das Ganze anonym machen (so nach dem Motto "Mein Nachbar organisiert ein Repair-Café" oder "Meine Schwester will sich mit einem Unverpackt-Laden selbständig machen")Schritt 2: Wie lautet die Widmung?Schreibe uns – wenn du möchtest – auch deinen Text für die Widmung! Das ist deine Gelegenheit, ihm oder ihr zu sagen, warum du es so toll findest, was er oder sie macht!Schritt 3: Gewinne mit etwas Glück!Schreibe uns bis zum 10 Juni 2019 um 24 Uhr! Denn am 11. Juni ziehen wir die fünf Gewinner*innen! Wir nehmen Kontakt zu dir auf. Wenn du eine Widmung möchtest, schreiben wir sie dir ins Buch und senden es dir zu.Wir wünschen dir viel Glück und drücken dir die Daumen!!!

Nachhaltiger Aktivismus: Resilizenstrategien für den öko-sozialen Wandel
Ilona Koglin, faironomics.de: Eine bessere Welt ist jetzt sofort möglich – wenn du es willst!

Ilona Koglin: Faironomics.de

David Allen: Getting Things Done!
The Work: Lieben was ist von Byron Katie
The Work: Lieben was ist

Glaubenssätze hinterfragen und innere Freiheit gewinnen

Was denkst du über die Welt? Und sicher, dass das stimmt? Diese Fragen hören sich zunächst vielleicht banal an. Und dennoch könnten sie dein Leben verändern. Über die Methode „The Work“ von Byron Katie. Wieso „The Work“ wichtig für Idealisten istWer sich für eine bessere Welt engagiert, setzt sich oft mit negativen Entwicklungen oder Missständen auseinander. Wer einen veganen Online-Shop eröffnet, kennt mit Sicherheit das Grauen der Massentierhaltung. Wer eine Organisation zum Schutz alten Saatguts ins Leben ruft, der hat sich mit dem Artensterben auseinander gesetzt. Dann kann es dazu kommen, dass man mit allen Menschen hadert, die die Sache nicht so sehen, wie man selbst (wie können Leute nur fliegen oder mit einem Kreuzfahrtschiff verreisen! Wissen sie denn nicht, dass das das Klima total schädigt?!? u.n.v.m.).Diese Sichtweise hat auch uns emotional stark belastet. Und sie hat uns darüber hinaus auch noch von den anderen Menschen getrennt. Deshalb haben wir uns auch umgesehen, was es für Möglichkeiten gibt, um sich zwar vor den negativen Aspekte nicht zu verschließen – aber dennoch die Menschen um sicher herum annehmen zu können – auch wenn sie sich nicht mit uns dagegen engagieren oder dies vielleicht sogar noch unterstützen (sei es aus Unwissenheit oder Bequemlichkeit). So kamen wir zu „The Work“ von Byron Katie.Was ist „The Work“?Als Byron Kathleen Reid – oder auch „Katie“, wie sie auch genannt wird – in ihren Dreißigern war, wurde sie von einer schweren Depression heimgesucht. Irgendwann konnte sie nicht mal mehr das Haus, ja noch nicht mal ihr Bett verlassen. Dann, eines Morgens, überkam sie in tiefster Verzweiflung eine lebensverändernde Erkenntnis! Sie sah auf einmal, dass es nicht die Welt, nicht die „Realität“ (was auch immer das genau sein mag) war, die sie so deprimierte. Es waren ihre Gedanken. Es war das, was sie über die Welt dachte. Und die Tatsache, dass sie an das glaubte, was sie dachte.Wir alle haben so unsere eigenen Geschichten darüber, wie die Welt ist. Vieles davon läuft unterbewusst ab. Wir haben uns diese oder jene Sichtweisen ohne richtig darüber nachzudenken irgendwann im Laufe unseres Lebens angeeignet. Und danach haben wir sie nie wieder infrage gestellt. Doch diese unbewussten Gedanken, Urteile, Bewertungen und Überzeugungen können dazu führen, dass wir traurig, gestresst, wütend, enttäuscht, deprimiert sind oder in sonstiger Weise mit uns, unserem Leben und der Welt hadern.Wenn es dir auch so geht, dann ist es keine schlechte Idee, dass du dir diese Überzeugungen und Glaubenssätze mal genauer ansiehst. Die Methode, die Byron Katie dafür entwickelt hat, ist eigentlich denkbar einfach. Sie funktioniert folgendermaßen:Wie funktioniert „The Work“?Um „The Work“ zu machen, brauchst du zunächst eine negative Gedankengewohnheit. Laufend kreisen Gedanken in unserem Kopf herum. Kaum jemand kann das verhindern. Es geht bei „The Work“ auch nicht darum, diese „negativen“ Gedanken loszuwerden. Dies geht laut Byron Katie gar nicht. Es geht aber darum, dass du ihnen anders mit ihnen umgehst, wenn du ihnen begegnest.Schritt 1: Bewerte andereDer erste wichtige Schritt dafür ist, dass du sie überhaupt bemerkst. Wie gesagt, flitzen viele der negativen Glaubenssätze unbemerkt durch unser Bewusstsein. Diese Gedanken können sich auf verschiedene Dinge beziehen:andere Menschen (deinen Partner, deine Mutter, deinen Vater, deinen Kollegen oder deine Chefin etc.)eine Situation (Artensterben, demografischer Wandel, jemand drängelt sich in einer Warteschlange nach vorne, jemand hat beim Fahren ein Handy am Ohr etc.)auf dich (wie beurteilst du dich selbst, dein Verhältnis zur Arbeit, zu Geld, zu deiner Familie, zur Ehe etc.)Ich glaube, dass es am Anfang am einfachsten ist, mit deinen Gedanken über andere zu beginnen. Jedenfalls schlägt Byron Katie das in ihrem Buch „Lieben was ist – wie vier Fragen Ihr Leben verändern können“ vor. Demnach solltest du so kleinlich, kindisch und mies wie möglich über einen Menschen nachdenken, der dir in deinem Leben gerade richtig zu schaffen macht. Beantworte dazu die folgenden Fragen:Wer oder was ärgert dich, macht dich traurig oder enttäuscht dich?Wie soll er/sie/es sich ändern? Was willst du vom ihm/ihr?Was genau soll er/sie/es tun oder lassen, sein, denken oder fühlen?Was soll er/sie dir geben oder für dich tun, damit du glücklich bist?Was denkst du über ihn/sie/es? Mach eine ListeWas willst du mit dieser Person, Situation oder Sache nie wieder erleben?Schritt 2: Überprüfe deine GedankenNun überprüfst du deine Gedanken mit Hilfe von vier einfachen Fragen. Das klingt zunächst sehr simpel. Das ist es aber nicht. Denn das Entscheidende ist, dass du dabei nicht in deinem Kopf bleibst, sondern dass du vor allem deine Emotionen, dein Bauchgefühl befragst. Die Antworten auf die Fragen sollten tief aus deinem Inneren kommen. Dann können sie eine wirklich transformierende Kraft haben.Das bedeutet nicht, dass das immer und zwangsläufig jedes Mal geschehen muss. Vielleicht passiert gar nicht Spektakuläres, aber doch etwas von langer Tragweite. Es gibt dabei kein richtig oder falsch und du solltest auf keinen Fall so etwas wie Leistungsdruck empfinden. Soweit wir das anhand der Lektüre des o.g. Buches sagen können, ist Byron Katie selbst voller Vertrauen, dass die richtigen Antworten zur richtigen Zeit zu dir kommen. Du brauchst dich also selbst nicht unter Druck zu setzen. Alles, was geschieht ist gut.Nach dieser langen Vorrede, hier aber nun endlich die vier Fragen, mit denen du deine unbewussten Glaubenssätze hinterfragen kannst. Gehe deine oben gemachten Aussagen Schritt für Schritt durch und frage dich bei jedem Punkt:Ist das wahr?Kannst du absolut sicher sein, dass das wahr ist?Wie reagierst du auf diesen Gedanken? (Beschreibe deine emotionale Reaktion so genau wie möglich – sie tritt ein, sobald du deine Notizen liest und den Gedanken wiederholst)Wer wärst du ohne diesen Gedanken? (Könntest du anders reagieren? Würdest du dich anders fühlen?)Manchmal stellt Byron Katie auch noch Zusatzfragen wie: „Gibt es einen Grund, diesen Gedanken loszulassen?“. Oder „Gibt es einen Grund, der dir keinen Stress bereitet, an diesem Gedanken festzuhalten?“.Schritt 3: Kehre deine Aussagen umAls letztes lädt Byron Katie die Menschen ein, ihre Aussagen umzudrehen. und dann: kehre deine Aussagen um. Dafür gibt es natürlich immer mehrere Varianten. Sie alle können durchaus erhellend sein. Aus dem Gedanken „Er sollte mir zuhören, wenn ich etwas sage“ könnte zum Beispiel werden „Ich sollte mir zuhören, wenn ich etwas sage“ oder auch „Er sollte nicht zuhören, wenn ich etwas sage“.Gerade letztere Formulierung bereitet mir ehrlich gesagt, immer etwas Schwierigkeiten. Es ist so zu verstehen, dass – um in diesem Beispiel zu bleiben – jemand mir nicht zuhört. Das ist die Realität. Und dieser Jemand hat seine Gründe, es nicht zu tun. Vielleicht wäre es einfach zu viel für ihn, was ich ihm sagen möchte. Oder etwas bewegt ihn gerade. Oder irgend etwas anderes. Dann könnte ich auch sagen: Es ist mein Wunsch, dass er sich so verhält, wie es gut für ihn ist und nicht mit zuliebe irgend etwas macht, was er gar nicht will. Also komme ich dann zu der Erkenntnis „Er sollte mit nicht zuhören, wenn ich etwas sage“.FazitDie Methodik besticht durch ihre unbeschreiblich Einfachheit. Ich selbst bin dadurch schon zu sehr interessanten Gedankengängen gekommen. Und die Wiederholung führt auch dazu, dass sich manche Emotionsknoten in mir lockern. Ganz aufgelöst haben sich innere Konflikte, die sich aus dem Hin- und Hergerissensein zwischen „ich muss die Welt retten“ und „ich muss andere Menschen akzeptieren, wie sie sind“ nicht. Aber vielleicht muss ich da einfach noch ein bisschen mehr „Work“ in die Sache stecken.Wenn du selbst Erfahrungen zur Anwendung von „The Work“ mit anderen Leser*innen teilen willst, dann hinterlasse doch einen Kommentar. Wir freuen uns darüber. Weitere Infos zu „The Work“ findest du auch unter https://thework.com/sites/deutsch/BuchtippLieben was istWie vier Fragen Ihr Leben verändern könnenByron Katie mit Stephen MitchellArkana, GoldmannISBN 978-3-442-33650-0

Timo Luthmann über Nachhaltigen Aktivismus
Timo Luthmann: Nachhaltiger Aktivismus

Wie kann ich mich in dieser Welt mit all seinen Sachzwängen, aber ohne Zeit wirklich etwas bewegen ohne auszubrennen? Der Aktivist und Bildungsreferent Timo Luthmann hat ein Konzept: Es nennt sich Nachhaltiger Aktivismus!Seit über zwanzig Jahren ist Timo Luthmann bereits als Aktivist politisch aktiv – in den letzten paar Jahren vor allem beim Klimaschutz im Allgemeinen und beim Klima*Kollektiv (https://klimakollektiv.org) im Speziellen. Als solcher hat er sicherlich alle Höhen und Tiefen erlebt, die der politische Aktivismus mit sich bringt: Die aufreibende Arbeit und der Frust, wenn sich dennoch scheinbar kaum etwas bewegt. Das ständige Gefühl noch mehr leisten und noch wirkungsvoller sein zu müssen – immerhin geht es um Viel. Und schließlich das Loch, in das man stürzen kann, wenn es einfach nicht mehr weitergeht. Wenn die Gesundheit nicht mehr mitspielt, die Seele streikt.Über viele Jahre hinweg hat sich Timo Luthmann daher damit beschäftigt, wie es besser gehen könnte: Wie können wir uns politisch so engagieren, dass wir nicht ausbrennen? Wie sieht ein politischer Aktivismus aus, der kein individuelles Strohfeuer von einigen Jahren (etwa während des Studiums) ist, sondern eine lebenslange Bereicherung? Timo hat dazu jede Menge Bücher gelesen, die daraus gewonnenen Erkenntnisse weiter entwickelt und systematisiert – und ein Buch geschrieben, das wir für absolut lesenswert halten. Ja, es war so spannend, dass wir unbedingt mit ihm persönlich sprechen wollten. Und hier ist das Interview:Wer bist du und was machst du?Timo Luthmann: Ich bin Bildungsreferent und politisch tätiger Mensch. Gerade konzentriere ich mich auf aber auf die Bildungsarbeit für Aktivist*innen, habe das Handbuch für Nachhaltigen Aktivismus geschrieben und biete seit mehreren Jahren verschiedene Kurse an. Dabei geht es mir um eine strategische Schulung von Menschen, die interessante Multiplikator*innen sind und die an der Basis etwas bewegen wollen. Das können 1,5- bis 2-Stunden-Veranstaltungen sein, Halb- oder Ganztages-Workshops sowie Wochendendseminare – oder auch zehntägige Retreats für Aktivist*innen. Wer sich dafür interessiert, kann meinen Newsletter abonnieren, um auf dem Laufenden zu bleiben: https://nachhaltigeraktivismus.orgWas ist Nachhaltiger Aktivismus?Timo Luthmann: Nachhaltiger Aktivismus ist ein Konzept, das ein langfristiges, politisches Engagement unterstützt. Nach meiner Definition besteht es aus drei Säulen: Die erste Säule ist Reflexion über soziale Veränderungen und Strategien. Also wie stellen wir uns soziale Veränderung eigentlich vor? Und wie sieht die Praxis dazu aus?Die zweite Säule sind individuelle Resilienzstrategien. Resilienz bedeutet – etwas salopp ausgedrückt – so viel wie Widerstandskraft. In dieser Säule geht es darum, was ich als Individuum tun kann, um mit schwierigen Situationen besser umgehen zu können. Um besser in Balance zu bleiben und mehr Energie für einen langen Atem zu haben.Die dritte Säule sind kollektive Resilienzstrategien. Also die Frage, was wir gemeinsam tun können, um nicht auszubrennen. Das bezieht sich einerseits auf eine Gruppe oder einen Zusammenhang – also dort, wo jemand direkt aktiv ist. Es lässt sich aber auch größer betrachten, zum Beispiel innerhalb einer sozialen Bewegung: Welche Dinge können sie widerstandsfähiger oder stabiler machen? Und schließlich lässt sich das auch noch mal auf gesamtgesellschaftlicher Ebene sehen.Ist der Begriff des Nachhaltigen Aktivismus neu?Timo Luthmann: Nein, den Begriff gibt es schon länger. Allerdings eher im angloamerikanischen Raum. Mir war es wichtig im deutschsprachigen Raum dazu eine Einführung zu geben und die Diskurse rund um den Nachhaltigen Aktivismus zugänglich zu machen. Deshalb habe ich alle mögliche englischsprachige Literatur dazu gelesen. Dann habe ich das Konzept noch einmal genauer definiert und zum Beispiel die drei Säulen entwickelt.Warum ist Nachhaltiger Aktivismus notwendiger denn je?Timo Luthmann: Weil es ein Schlüsselrezept ist, um als Soziale Bewegung erfolgreich zu sein. Soziale Bewegungen haben das Problem, dass sie keine starken Institutionen haben. Das bedeutet, wenn Menschen ausscheiden – aus welchen Gründen auch immer – entstehen dort zum Teil riesige organisatorische Lücken. Wissen geht verloren und Netzwerke. Und dann fängt alles wieder von vorne an und der oder die Nächste muss alles wieder aufbauen. Nachhaltiger Aktivismus will dem entgegenwirken und zwar auf individueller und kollektiver Ebene.Denn soziale Bewegungen sind in meinen Augen die entscheidende Triebfeder Sozialer Innovationen: von der Frauenbewegung über die Ökologie- und Arbeiterbewegung bis hin zur Gender-Gerechtigkeit war immer das Maßgebliche die Kraft von unten. Und deshalb ist es total wichtig, dass wir reflektieren, wie wir uns die Veränderung vorstellen und wie sie funktioniert. Nachhaltiger Aktivismus kann diese Arbeit sehr viel erfolgreicher machen, in dem er individuelle und kollektive Resilienzstrategien empfiehlt, die politisches Engagement dauerhafter machen.Für das Individuum geht es aber auch darum, dass jede und jeder von uns mit den großen Herausforderungen, vor denen wir täglich stehen, besser umgehen können. Es geht auch darum, dass wir als Einzelne ein glückliches Leben führen und trotzdem politisch aktiv sein können. Und dass es nicht nur um eine Phase von ein paar Jahren geht – zum Beispiel während des Studiums. Sondern dass wir uns langfristig politisch engagieren können ohne auszubrennen.Angesichts der gesellschaftlichen Herausforderungen vor denen wir stehen, ist das eine immense Aufgabe. Denn egal ob man sich die Klimakrise ansieht oder den Rechtsruck und den aufkommenden Rassismus: Der Druck auf den Einzelnen, die Gemeinschaft und die Gesellschaft ist hoch und wird auch noch steigen. Da einen kühlen Kopf zu bewahren wird immer schwieriger, ist aber eben umso wichtiger, wenn wir politisch tatsächlich etwas bewirken wollen.Bist du Pessimist oder Optimist?Timo Luthmann: Unser produktives Potential ist enorm. Aber wir haben auch eine kolossale Zerstörungskraft entwickelt. Da müssen wir ethisch erst einmal hinterherkommen. Wenn ich mir die Klimakrise anschaue, dann laufen wir sehr schwierigen Zeiten entgegen. Da sieht es gerade sehr schlecht aus. Das multipliziert aber wiederum alle sozialen Krisen: Wenn sich das Klima verschlechtert werden wir mehr Ernteausfälle haben, Regen wird ausbleiben oder zu viel sein. Die Biodiversität wird sinken und die Ressourcen insgesamt weniger werden. Dann brauchen wir die kulturell bisher einmalige Leistung, darauf nicht reaktionär, sondern progressiv zu reagieren. Das ist die Herausforderungen, vor der wir stehen.Der Nachhaltige Aktivismus versucht nun die Grundwerkzeuge zu liefern, um für die unterschiedlichsten Situationen gut aufgestellt zu sein. Er schafft erst einmal eine Grundlage – jede und jeder kann sich dann mit den verschiedenen Teilaspekte immer tiefer auseinandersetzen. Nachhaltiger Aktivismus liefert aber eben schon mal die verschiedensten Werkzeuge, Methoden und Erzählungen, die uns auf jeden Fall stärken können. So können wir dann auch mit schwierigen Situationen umgehen.Wen sprichst du mit deinem Buch vor allem an?Timo Luthmann: Meine Motivation war es, jungen Menschen, die gerade erst anfangen, gewisse Fallstricke zu ersparen. Natürlich muss jede und jeder ihre oder seine Erfahrungen selbst machen. Aber ich glaube mit dem Handbuch lassen sich doch viele Zusammenhänge erkennen. Und dann gibt es in dem Buch immer noch Tipps, wo man weiterlesen kann. So soll die Lernkurve einfach steiler werden. Für die erfahrenen Leute ist es einfach ein Werkzeugkasten, wie sie ihre Praxis reflektieren können.Allerdings wendet es sich nicht nur an die sogenannten Vollzeitaktivist*innen. Die sind natürlich das Salz in der Suppe der Sozialen Bewegungen. Doch Nachhaltiger Aktivismus zeigt, dass wir alle gemeinsam ziemlich viel bewegen können, wenn viele ein bisschen was machen. Das soll auch die Menschen ermutigen zu denken „Ich kann zwar nicht an dem ganz großen Rad drehen – aber das in meinem Stadtteil oder diese kleine Aufgabe, da kann ich mich drauf konzentrieren und das bringt auch etwas“. Ich möchte die Menschen ermutigt ihre Lücke zu finden, in der sie das ganz große Puzzle bereichern können.Was sind denn die Resilienzstrategien für den Einzelnen?Timo Luthmann: Wichtig sind vor allem Pausen- und Ruhezeiten, auch für die Reflexion. Dass man sich immer wieder fragt: Was mache ich? Was stresst mich? Wo bekomme ich meine Energie her? Ich halte insgesamt sehr viel von dem Konzept der Achtsamkeit. Das ist für mich eine Schlüsselkompetenz, die zu kultivieren ein sehr großes Potential hat und sich auf die verschiedensten Bereiche auswirkt.Dann ist es wichtig, dass man sich auch Ziele steckt – denn nur so können wir sie erreichen und das motiviert unheimlich, schafft Zufriedenheit und zeigt, dass wir etwas verändern können. Dabei ist auch wichtig, dass wir lernen, bewusst mit unserer Aufmerksamkeitsökonomie umzugehen. Wir sind ja ständig von Medien umgeben, die unsere Aufmerksamkeit wollen – aber wie können wir sie auf die wirklich wichtigen Dinge lenken und dabei bleiben?Und dann sind auch noch ganz banale Dinge wichtig wie genug trinken, gesund essen und ausreichend Bewegung. Dass wir gut mit unserem Körper umgehen ist unheimlich wichtig, Über ihn bekommen wir auch Zugang zu unseren Emotionen und Gefühle sind eine ganz große Ressource. Die sollten wir als unsere Freundin betrachten, auch wenn sie manchmal etwas unbequem sind. Doch da steckt eine ganz große Kraft drin.Spiritualität ist mir persönlich ebenfalls wichtig. Andere die Menschen sind eher philosophisch veranlagt. Wichtig ist nur, dass man etwas hat, was dem eigenen Handeln Sinn gibt. Über den Sinn kommen wir dann wiederum zu Strategiefragen, also: was muss ich tun, damit ich tatsächlich etwas bewegen kann? Wie kann ich tatsächlich eine Wirkung erzielen? Da verknüpft sich dann die persönliche Dimension mit der strategischen Dimension. Dass ich glaube, etwas bewegen zu können und wirkmächtig zu sein gibt sehr viel Energie und Kraft zum Weitermachen.Eine weitere Ebene ist die Verbindung der kollektiven mit der individuellen Ebene: Freundschaften und Netzwerke. Weil wir eben soziale Tiere sind, bekommen wir ganz viel Kraft und Motivation, wenn wir ein unterstützendes Umfeld haben. Wenn wir in der Gruppe aktiv sind, in der wir eine positive Resonanz erfahren. Das ist sehr motivierend. Und so gibt es da auch eine Verknüpfung zur kollektiven Ebene.Was macht eine Gemeinschaft oder Gruppe resilient?Ein ganz wichtiger Faktor ist die Kommunikation: Wie gehen wir miteinander um? Wie reden wir miteinander? Wie wird Wertschätzung verteilt? Wie geben wir Feedback? Wie kritisieren wir uns? Und wie gehen wir mit Konflikten um? Konflikte sind ja völlig normal und in ihnen entsteht ganz viel – allerdings nur, wenn wir konstruktiv damit umgehen. Das Gleiche gilt für die Art und Weise, wie wir soziale Emanzipation erstreiten.Deshalb ist es wichtig, das wir da genau hingucken. Hier spielt wieder die individuelle Fähigkeit der Achtsamkeit eine wichtige Rolle: Mit ihr sind wir sensibel für diese Dimension. Man weiß dann, was man gerade spürt. Oder wie man mit anderen kommuniziert. Oder wie man auf sie wirkt. Oder wie man mit Dissenz in der Gruppe umgeht.Auch die Projekte selbst zu reflektieren und sie gemeinsam gut zu beenden ist wichtig. Manchmal kommt es vor, dass eine Gruppe von Projekt zu Projekt springt und keines so richtig beendet. Das zieht manchmal noch weiter Energie. Auch eine passende Organisationsform und Entscheidungsstruktur zu finden ist ein wichtiger Aspekt für die gemeinschaftliche Resilienz. So können Gruppen viel Konfliktpotential gut gemeinsam lösen.Und schließlich spielt die Kommunikationskultur eine wichtige Rolle: Also gibt es bei Treffen eine Moderation? Ein schwieriger, aber auch sehr wichtiger Aspekt ist, wie eine Gruppe mit Ausschlusskriterien umgeht oder auch mit Unterdrückung aufgrund von Geschlecht, Klasse oder Hautfarbe. Um über solche Themen in der Gemeinschaft nachdenken zu können braucht es Mut, Achtsamkeit und auch Vertrauen. Aber das ist für Menschen auch ein sehr hoher Frustfaktor und lässt sie ausbrennen. Wer Ausschlüsse abbauen kann, der eröffnet dem Projekt neue Potential, denn dann können mehr Menschen daran mitwirken. Und das macht es natürlich auch stärker oder resilienter.Das bedeutet, dass sich soziale Bewegungen auch mit ihren dunklen Seiten auseinandersetzen müssen. Das braucht aber auch eine Form von emotionaler Sicherheit und eine Konfliktkultur, die trotzdem noch wertschätzend bleibt und es eine Fehlertoleranz gibt. Das ist ganz wichtig, denn wenn wir die Gesellschaft verändern wollen, dann müssen wir bei uns selbst anfangen. Erst dann können wir die Werte glaubhaft vertreten. Das steckt wiederum andere an und macht eine Gruppe attraktiver für Menschen, die dann auch mitmachen wollen.Hast du einen Appell an die Leser*innen?Timo Luthmann: Ja: Gehe deinen Weg eigenständig. Frage dich: Was möchte ich wirklich? Und dann suche danach und erschließe dir deine Kraftquellen. Schau dich auch um, wo du diesen Weg gemeinsam mit anderen gehen kannst. Und sei solidarisch mit Menschen, die vielleicht beiseite stehen. Die zum Beispiel Hilfe brauchen, weil sie sich stark engagiert haben und nun einfach mal Ruhe brauchen. Oder die in einer prekären Situation sind. Oder die Kinder bekommen haben und eine Babypause machen oder sich verstärkt um ihren Nachwuchs kümmern.Politisch aktiv sein und bleibenHandbuch Nachhaltiger Aktivismusvon Timo LuthmannISBN 978-3-89771-250-8424 Seiten |  Softcover | 19,80 EuroUnrast Verlag Münster